Die Dramatik des Oratoriums vermittelten Chor und Orchester mit einem fulminanten Abend. foto: weber

Fürstenfeldbruck

Klassikfans rennen Chor die Bude ein

Menschenschlangen an der Abendkasse, ausverkauftes Haus beim Philharmonischen Chor: Mit dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy hatten Chorleiter Andreas Obermayer und das Serafin-Ensemble München hohe Erwartungen geweckt, die sie an diesem fulminanten Konzertabend im Stadtsaal auch erfüllten.

Fürstenfeldbruck Die Gestalt des einsamen Propheten Elias aus dem Alten Testament steht im Mittelpunkt des Werkes, das Mendelssohn für das Birmingham Musikfestival 1846 fertigstellte. Elias will das israelische Volk vom götzenhaften Baalkult zum rechten Glauben an den Gott Jahwe zurückführen. Gleich zu Beginn weissagt er eine große Dürre, musikalisch ausgedrückt von dunklen Streichern und Bläsern.

Mit Paukenschlägen nimmt das Unheil seinen Lauf. Bald ruft das Volk in Gestalt des Chores den Herrn um Hilfe an. Der jedoch tritt zunächst drohend und strafend auf, bevor die in C-Dur wechselnde Musik schließlich Barmherzigkeit verströmt. Die Dramatik der Handlung vermittelt der Chor nicht nur mit gesanglicher Meisterschaft, sondern auch mit schauspielerischem Ausdruck.

Als Solisten begeistertn Soomin Yu (Sopran), Ulrike Malotta (Mezzo), Moon Yung Oh (Tenor) und in der Titelrolle der großartige Matthias Winckhler. Der Brucker Bariton darf als Elias viele Facetten seiner Kunst zeigen, klingt mal hart und bestimmt, dann wieder anrührend und einfühlsam.

Den Höhepunkt des ersten Teils bildet Elias’ Zwiegespräch mit einem Knaben, der vom Berg aus nach Regenwolken Ausschau hält. Diese Rolle übernimmt bravourös der 13-jährige Vinzenz Löffel von den Augsburger Domsingknaben. Dass Obermayer ihn für seinen Part auf dem Balkon platziert hat, setzt der Szene das i-Tüpfelchen auf.

Der Prophet erlebt im Laufe des Werkes Erfolge, aber auch Scheitern und Depression. Tiefe Schwermut prägt die Arie „Es ist genug“, doch eine Gotteserscheinung lässt Elias neuen Mut fassen und Frieden finden. Begeistert berichtet das Volk später von den Taten des Propheten. Nach der dessen Himmelfahrt endet das Oratorium mit der Verheißung des Messias.

Die vielen Chorpassagen in dem Werk sind kein Zufall. Seine Entstehung fiel in eine Zeit, in der ein aufstrebendes Bürgertum an der Musikszene mitwirken wollte. „Elias“ ist eines der wenigen Werke aus dieser Zeit, das die Geschichte überdauert hat. (Ulrike Osman)

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