+
Elektro-Autos könnten einiges zum Klimaschutz beitragen. Doch nur wenige sind schon damit unterwegs. 

Fürstenfeldbruck

Klimaschutz hat Verspätung

  • schließen

Seit 2012 hat der Landkreis ein Klimaschutzkonzept. So sollte der CO2-Außstoß reduziert und der Umstieg auf erneuerbare Energien gefördert werden. Das gelingt bisher nur zum Teil. Soll das Ziel, den Landkreis bis 2050 nahezu emmissionsfrei zu haben, noch eingehalten werden, ist höchste Eile geboten.

Fürstenfeldbruck Die Bundesregierung hat die Erreichung ihrer Klimaziele jüngst von 2020 auf 2030 verschoben. Nun zog der Landkreis Zwischenbilanz. Die Zahlen, die Martin Zerta (Ludwig Bölkow Systemtechnik) Vertretern der 14 teilnehmenden Gemeinden und interessierten Bürgern präsentierte, waren ernüchternd. Statt den CO2-Ausstoß zu senken, stieg dieser zum Vergleichsjahr 2010 um fünf Prozent an.

Starker Zuzug

Das liege vor allem an dem starken Zuzug in der Region und an dem vermehrten Verkehrsaufkommen, so Zerta. In den fünf Jahren hat sich das Bevölkerungswachstum um viereinhalb Prozent erhöht, die Kfz-Zulassungen sogar um zehn Prozent. Positives konnte im Bereich Strom berichtet werden. So wurde die Erzeugung von erneuerbaren Energien im Landkreis verdoppelt. Auch der Stromverbrauch wurde durch effizientere Geräte und die Aussortierung von Elektroheizungen reduziert. Allerdings – wie Landrat Thomas Karmasin sagte – werde die Anzahl der Elektrogeräte nicht sinken, eher im Gegenteil. „Die Häuser, die wir heute bauen, werden 2050 immer noch stehen“, sagte Experte Martin Zerta.

Bürger ins Boot holen

Die ehrgeizigen Vorgaben können nicht allein mit Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden. Darin sind sich Landrat Karmasin und Werner Zauser von Ziel 21 einig. Nichtsdestoweniger sei schon viel geschehen, so Zauser. Allein in seiner Heimatgemeinde Mammendorf sei durch Windkraft ein großer Beitrag zu den erneuerbaren Energien geleistet worden. Es gebe noch viele Orte, an denen Systeme für nachhaltige Stromerzeugung Platz fänden, wenn man den Bürger mit an Bord hole.

Mehr Pendlerverkehr

Für Maisachs Bürgermeister Hans Seidl und seine Amtskollegen ist der zunehmende Pendlerverkehr ein Problem. „Man müsste den Arbeitsplatz zurück in die Gemeinden holen.“ Den Zuzug in den Ballungsraum München könne man nicht stoppen. So fordert Seidl, dass unter den Kommunen der Wettbewerb in puncto Klimaschutz verstärkt betrieben wird und das häufigere Zwischenbilanzen die Motivation fördern soll.

Der Experte für Öffentlichen Nahverkehr im Landkreis, Hermann Seifert, und sein Kollege Burkhard Hüttl von der Münchner Verkehrsgesellschaft bedauerten, dass der S-Bahnausbau (2. Stammstrecke) zu spät kam und sich noch lange hinziehen werde. Es müssten Alternativen gefunden werden, die zeitnah greifen. Als positive Beispiele nannte Seifert Projekte wie Car-Sharing und Ruf-Taxis. Diese trügen bereits jetzt zur Reduzierung des Individualverkehrs bei und müssten weiter gefördert werden. Hüttl setzt auf Alternativen zur S- und U-Bahn und will neue Bustangenten etablieren. So soll es leichter möglich sein, mit dem Bus nach München zu fahren. Die Mobilität durch E-Bikes oder generell Fahrrad hat für beide ebenfalls hohen Stellenwert.

Zahlen

Die CO2-Bilanz pro Einwohner im Landkreis hat sich seit 2010 nicht verändert und bleibt bei 6,9 Tonnen CO2 pro Jahr. Jedoch gab es eine Verlagerung: Es wurde 0,5 Tonnen weniger CO2 durch Erdöl erzeugt, dafür 0,5 Tonnen mehr durch Gas. Auch der Energieverbrauch pro Einwohner blieb fast gleich. Er stieg lediglich um 7 Kilowattstunden (kWh) von 23 468 auf 23 475 kWh. Hier erstaunt besonders der Rückgang des Stromverbrauchs von 3106 auf 2767 kWh. Das liegt vor allem an der Stromeffizienz der modernen Geräte. 

Was Brennstoffe, Fernwärme und Kraftstoffverbrauch angeht, steht die Region Fürstenfeldbruck nicht besonders gut da. 2015 verbrauchte jeder Einwohner 12,2 MWh Brenn- und 8,5 MWh an Kraftstoff. Im Vergleich lag der Bund beim Kraftstoff bei 8,8 MWh aber beim Brennstoff bei 9,3 MWh. Es besteht also Nachholbedarf beim Ausbau effizienter Heizsysteme. Münchner verbrauchen im Schnitt pro Person 3,6 MWh Kraftstoff. Das ist weniger als die Hälfte eines Bruckers. 

Jedoch muss man hier die kürzeren Pendlerwege und die gute Erschließung an öffentlichen Verkehrsmitteln in der Landeshauptstadt in Betracht ziehen. Zur Senkung des CO2-Ausstosses sind erneuerbare Energien unumgänglich. Umso erfreulicher, dass der Landkreis 2015 26 Prozent seiner Energie aus eben solchen bezogen hat. 56 Prozent davon stammten aus Photovoltaikanlagen. Biomasse, Wasser- und Windkraft kamen zusammen nur auf 33 Prozent

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Graffiti-Serie geht weiter: Polizei fahndet nach „1Up“-Sprayer
Eine Serie von Sachbeschädigungen, Schmierereien und Kritzeleien rund um den S-Bahnhof Germering beschäftigt gerade die Polizei.
Graffiti-Serie geht weiter: Polizei fahndet nach „1Up“-Sprayer
81-Jähriger aus Olching vermisst
Die Polizei in Olching bittet um Mithilfe bei der Suche nach einem 81-jährigen Mann aus Olching. Er wurde zuletzt vor drei Tagen gesehen und befindet sich möglicherweise …
81-Jähriger aus Olching vermisst
Sattelzug-Fahrer übersieht Wanderbaustelle - Tonnenweise Kirschen auf A8
Mehrere Tonnen Kirschen sind  auf der A 8 gelandet. Der Fahrer eines Sattelzugs legte eine Vollbremsung - seine leckere Ladung überlebte das leider nicht.
Sattelzug-Fahrer übersieht Wanderbaustelle - Tonnenweise Kirschen auf A8
Tierarzthelferin entdeckt Hundegiftköder
Eine Tierarzthelferin hat in Germering ausgelegte Hundegiftköder entdeckt. Die Polizei ermittelt.
Tierarzthelferin entdeckt Hundegiftköder

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.