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Alarmierender Corona-Bericht aus bayerischer Klinik - Verständnis für Ungeimpfte schwindet

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Von: Thomas Steinhardt

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Das Kreisklinikum in Fürstenfeldbruck.
Das Kreisklinikum in Fürstenfeldbruck. © Weber

Bei allen Diskussionen über Impfraten und Lockerungen: Corona spielt in der Kreisklinik in Fürstenfeldbruck weiter eine zentrale Rolle. Doch es gibt noch ein anderes Problem.

Fürstenfeldbruck – Im Kreiskrankenhaus ist der Corona-Krisenstab schon vor einiger Zeit wieder aktiviert worden, sagte Klinik-Leiter Alfons Groitl in seinem Lage-Bericht im Kreistag. Anfang Herbst hätten die Fallzahlen auch durch Reise-Rückkehrer zugenommen, begründete er. Mittlerweile gelte in der Klinik die 3-G-Regel auch für Mitarbeiter. „Corona bestimmt das Tagesgeschehen.“

Corona in Fürstenfeldbruck: Schwere Verläufe alle ungeimpft

Pflegedirektor Wilhelm Huber schilderte die Lage aus Sicht der Mitarbeiter. Die Empathie sinke, wenn man Ungeimpfte auf der Intensivstation versorgen müsse, sagte er. Alle Patienten mit schweren Covid-Verläufen seien nicht geimpft. „Da ist das Verständnis dann nicht mehr da.“ Die Belastung bei der Versorgung sei extrem hoch. Bei den Mitarbeitern sinke das Verständnis für Ungeimpfte, wiederholte Huber und blickte in die Runde der Klinikoberen, die im Kreistag Rede und Antwort standen. „Das ist auch bei uns so“, sagte Huber und erntete Zustimmung.

Es herrsche das Gefühl: Rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln. Das zermürbe. Insgesamt sei für die Mitarbeiter aber auch die Frage, ob das Kind in die Schule kann oder nicht, sehr belastend gewesen in der Zeit der Pandemie. Das sei oft schlimmer gewesen als die Arbeit, weil man es schon geschafft habe, in den Corona-Stationen eine gute Struktur aufzubauen.

Corona-Lage in Klinikum: Extreme Belastung für Mitarbeiter

Wie Alfons Groitl in diesem Zusammenhang schilderte, hänge die Zahl der intensiv versorgbaren Patienten einer Vorschrift gemäß von der Zahl der dafür qualifizierten Mitarbeiter ab. Man dürfe nur so viele Patienten intensiv betreuen, wie tagesaktuell Mitarbeiter vorhanden seien. Im Großraum seien praktisch alle Betten voll – und Patienten müssten in andere Kliniken gebracht werden. Neun bis zwölf Intensivpatienten könnten in Bruck so versorgt werden, ergänzte der ärztliche Direktor, Florian Weis. Marcus Schlund, kaufmännischer Direktor, berichtete, dass die Kreisklinik durchgängig Corona-Patienten versorgt habe. Viele Kliniken würden sich abducken, wenn die Leitstelle einen zu beatmenden Patienten unterzubringen versuche. „Das tun wir nicht, wir ducken uns nicht ab.“

Wirtschaftlich hat die Kreisklinik dank staatlicher Corona-Hilfe das Jahr 2020 mit einer schwarzen Null abgeschlossen, wie Alfons Groitl sagte. Für das Jahr 2021 fehlten Erkenntnisse aus dem letzten Quartal, um Aussagen zu treffen. Nach einer Hochrechnung geht man heuer aber von einem Minus aus. Insgesamt fahre man mit angezogener Handbremse, hieß es.

Kreisklinik Fürstenfeldbruck: Krankenhaus kämpft mit Pflegenotstand

Gegen den Pflegenotstand stemme man sich mit aller Macht, sagte Klinikchef Alfons Groitl. Auf Dauer werde das aber nicht gelingen. Seit Jahren zum ersten Mal seien nicht alle Ausbildungsplätze besetzt. Dem Problem versucht die Klinik durch Personal-Akquise gerade in Süd-Ost-Europa und hier vor allem in Albanien und im Kosovo zu begegnen. Allerdings löse das das Problem nicht, sagte Wilhelm Huber, der von einer „extrem schwierigen Situation“ sprach. „Wie es weiter geht, weiß ich nicht.“

In Bruck sei das Problem nicht zu lösen. Ausbilden und für ein gutes innerklinisches Klima zu sorgen: Mehr Ideen habe er nicht, sagte Huber. Man könne nur so viele Betten belegen, wie man personell Patienten versorgen könne.

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