Straßennamen in Bruck

Die Klosterkirche war sein Herzensprojekt

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Die Freude am Bauen und die Nächstenliebe zeichneten Abt Liebhard Kellerer aus. Die Vollendung seines Herzensprojekts – die Klosterkirche – hat er aber nicht mehr erlebt.

Fürstenfeldbruck – Die Fresken in der Klosterkirche Fürstenfeld gelten als visionär. Geschaffen von Cosmas Damian Asam, hatte dabei aber auch ein anderer die Finger im Spiel: Abt Liebhard Kellerer soll mit dem Freskanten eng zusammengearbeitet haben.

Als Liebhard – oder in der lateinisierten Version: Liebhardus – Kellerer am 7. August 1714 zum Abt gewählt wurde, ließ er schon in seinem Abtswappen keine Zweifel an seinen Vorlieben aufkommen. An zwei Stellen in der Klosterkirche sowie in den Wallfahrtskirchen in Inchenhofen und Ouchy ist es noch heute zu sehen: Mit der Maurerkelle und einem mit Pfeilen durchstoßenen Herz symbolisierte Kellerer zwei Dinge, die in seinem Leben immer eine entscheidende Rolle spielten. Seine Liebe zum Bauen und seine Nächstenliebe.

Die Maurerkelle ist zwar ebenfalls eine Anspielung auf seinen Namen. Aber auch das Handwerk lernte der 1671 in Hollenbach bei Inchenhofen geborene Kellerer schon in jungen Jahren kennen. So schreibt Angelika Mundorff im Buch „Kloster Fürstenfeld“ von Herausgeber Werner Schiedermair: „Als Sohn eines Maurers war ihm die Freude am Bauen in die Wiege gelegt.“ Da ist es nur passend, dass der neue Abt mit der Klosterkirche den letzten Teil des barocken Neubaus des Klosters realisieren sollte.

Begonnen worden war der Neubau bereits unter Abt Balduin Helm, der 1700 auch den Grundstein für die neue Kirche legte. Der spanische Erbfolgekrieg brachte den Baufortschritt aber schon bald in Stocken. 1703 wurden die Arbeiten am Gotteshaus eingestellt. Kellerer schließlich nahm sie nach seinem Amtsantritt wieder auf.

Seine erste Aufgabe war es, einen neuen Architekten zu finden. Der bisherige Planer Giovanni Antonio Viscardi war ein Jahr zuvor verstorben. Kellerer wird nachgesagt, dass er wegen seiner Liebe zum Bauhandwerk schon vor seinem Amtsantritt Kontakte zu den Arbeitern auf der Baustelle des Klosterneubaus hatte. So war es sicher kein Zufall, dass er sich bei der Viscardi-Nachfolge für einen Mitarbeiter des bisherigen Architekten entschied: für den Polier Johann Georg Ettenhofer. Außerdem soll der Abt gemeinsam mit Asam das bereits erwähnte Freskenprogramm für die Kirche erstellt haben.

Die Bauarbeiten brachten aber auch eine familiäre Tragödie für Kellerer. Er hatte seinen Bruder Georg als Maurerpolier beschäftigt. Beim Einsturz eines Teils des Langhausgewölbes der Kirche im Jahr 1727 kam dieser ums Leben. Doch nicht nur deshalb lebte der Abt in schwierigen Zeiten. Auch Naturkatastrophen erschütterten die Region rund ums Kloster. Unter anderem zerstörte ein Hagelunwetter im Jahr 1725 viele Gebäude, die Gärten und die Ernte in und um Fürstenfeld. Vier Jahre später, von 1729 auf 1730, herrschte ein langer und schwerer Winter, der im folgenden Frühjahr Hochwasser mit sich brachte.

Trotz aller Rückschläge behielt Abt Liebhard Kellerer seine „Gutherzigkeit, die mit einem ausgeprägten sozialen Gewissen einherging“, schreibt Mundorff. So unterstützte der Abt viele junge Menschen und half ihnen beim Eintritt ins Kloster. Seine Nächstenliebe war ihm so wichtig, dass er auch sie in sein Wappen mit bereits erwähntem Herzsymbol aufnahm.

Übrigens tat Kellerer mit der Mitarbeit am Freskenprogramm nicht nur etwas für die Optik in der Klosterkirche. Auch für den akustischen Genuss dort leitete er noch Wichtiges in die Wege: In seinem letzten Amtsjahr gab er am 22. Juni 1734 die Hauptorgel in Auftrag. Die Einweihung des Gotteshauses sollte er aber nicht mehr erleben. Bei seinem Tod am 4. September 1734 war die Kirchenausstattung noch nicht vollendet. Erst 1741 wurde Kellerers baulicher Beitrag zum Kloster Fürstenfeld offiziell eingeweiht.

Die Serie:

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden die Persönlichkeiten vorgestellt.

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