Zu wenig Mitglieder

Kolpingsfamilie bangt um ihre Zukunft

Seit 156 Jahren gibt es die Kolpingsfamilie in Bruck. Doch immer weniger Bürger wollen dazugehören. Die Vorsitzenden machen sich deshalb Sorgen.

Fürstenfeldbruck– Klaus Bosch ist mit seinen 51 Jahren noch einer der jüngeren in der Kolpingsfamilie. Sein Großvater war bereits Vorsitzender des Sozialvereins, genau wie später sein Vater. Die Familie nahm den jungen Klaus mit ins Vereinsheim an der heutigen Adolf-Kolping-Straße. Das Kegeln auf der vorher schon bestehenden und 1994 neu gebauten hauseigenen Bahn wurde zum Hobby für den Besitzer eines Tabakwaren-Ladens. „Auch die Älteren haben einen anerkannt“, sagt er. Bei der Kolpingsfamilie sind eben alle Brüder und Schwestern. Da duzt man sich, da hilft man sich gegenseitig, da steht man den anderen mit gutem Rat zur Seite.

Klaus Bosch hat sich in den Zusammenhalt und den Verein verliebt. Hermann Ebner (66) ging es ähnlich. Mit 18 Jahren hat ihn ein Kumpel zur Kolpingsfamilie gebracht, seit 33 Jahren – sein halbes Leben lang – ist der ehemalige Vize-Geschäftsstellenleiter der Brucker Sparkasse Kassier. Und seine Kinder? Die nahm er zwar mit ins Vereinsheim. In der Kolpingsfamilie geblieben sind sie aber nicht. Und so geht es mit einem Großteil des Nachwuchses.

104 Mitglieder hat die Kolpingsfamilie noch – eine Zahl, die auf den ersten Blick hoch erscheint. Doch gerade einmal 35 der Mitglieder kommen zu den Veranstaltungen im Vereinsheim. Dazu gehören die Vorträge, die montags im Saal stattfinden. Außerdem wird die Kegelbahn – auch von externen Mietern – abends genutzt.

Doch damit hat sich das Veranstaltungs-Portfolio der Kolpingsfamilie – die einen katholischen Hintergrund hat – fast schon erschöpft. Früher wurden Ausflüge unternommen, Feste gefeiert, Theaterstücke aufgeführt. Ein bezeichnendes Beispiel: Der Seniorennachmittag fand bisher vier Mal im Jahr statt. Vier Personen waren für die Organisation zuständig. Heute gibt es nur noch zwei dieser Veranstaltungen, ein Kolpings-Mitglied kümmert sich alleine um alles.

„Die aktiven Leute werden immer älter, irgendwann treten sie kürzer“, sagt Bosch. Und dann kommt keiner mehr nach. Dabei biete der Verein vieles: Gemeinschaft, Geselligkeit, Zusammenhalt. „Wir können uns beispielsweise einen Familien-Treffpunkt vorstellen“, erklärt Ebner. Die Eltern und ihre Kinder könnten sich in den Räumen des Kolpingheims – das dem Verein gehört – regelmäßig treffen und sich austauschen oder auch Veranstaltungen beziehungsweise Ausflüge planen.

Was die altgedienten Mitglieder ihnen bieten? Unterstützung, guten Rat durch Lebenserfahrung und Anschub durch ihre breit gestreuten Kontakte. Denn viele Mitglieder sind auch in anderen Vereinen vernetzt. Ein Beispiel ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kreis Eltern behinderter Kinder (EbK), einer Selbsthilfegruppe.

Auch wenn die Kolpingsfamilie ein katholischer Verein ist, mitmachen kann jeder. „Jeder, der kein Egoist ist“, sagt Bosch. Er ließ sich bei der Wahl im März zwar noch einmal aufstellen. Aber: „Wenn es so weitergeht, müssen wir in einigen Jahren fusionieren.“ Etwa mit der Olchinger Kolpingsfamilie. Kassier Ebner tritt nur für drei weitere Jahre an. Einen Vize-Vorsitzenden gibt es erstmals seit längerer Zeit. Dorothea Muhr übernimmt das Amt. Das gibt der Kolpingsfamilie wenigstens ein wenig Hoffnung. (vu)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

18-Jähriger auf dem Heimweg geschlagen und ausgeraubt
Auf dem Fußmarsch vom S-Bahnhof Germering-Harthaus nach Hause wurde ein Puchheimer (18) am frühen Dienstagmorgen von drei Männern beraubt. Sie schlugen ihn auch.
18-Jähriger auf dem Heimweg geschlagen und ausgeraubt
Wenn Finnen jodeln und Gummistiefel zum Kunstwerk werden
Was ist einfacher? Als Deutscher finnischen Tango zu tanzen oder als Finne zu jodeln? Beim Festnachmittag des Deutsch-Finnischen Clubs Puchheim zum zehnjährigen Bestehen …
Wenn Finnen jodeln und Gummistiefel zum Kunstwerk werden
Es war Liebe auf den ersten Blick durchs Fenster
Vor fast 40 Jahren haben die Eheleute Adelheid und Klaus Lindner mit Fürstenfeldbruck einen festen Wohnort gefunden. Eine noch längere Konstante ist ihre Ehe.
Es war Liebe auf den ersten Blick durchs Fenster
Überfall in Fürstenfeldbruck: Mann mit Baby ausgeraubt
Mitten in Fürstenfeldbruck ist ein Mann am Montag Opfer eines Raubüberfalls geworden. Er war mit seinem sechs Monate alten Baby unterwegs. 
Überfall in Fürstenfeldbruck: Mann mit Baby ausgeraubt

Kommentare