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Im Gespräch mit dem wichtigsten Mann am Fliegerhorst: Der neue Kommandeur der Offizierschule, Michael Traut (52), erzählt Tagblatt-Redakteurin Verena Usleber von seinen Eindrücken und Plänen.

Interview mit Kommandeur Michael Traut

„Offiziere werden noch fünf Jahre bleiben“

Fürstenfeldbruck - Vor 32 Jahren hat Michael Traut (52) seine Soldatenausbildung in Bruck begonnen. Seit September 2016 ist er der wichtigste Mann am Standort: der Kommandeur der Offizierschule. Der Brigadegeneral erzählt im Gespräch mit Tagblatt-Redakteurin Verena Usleber, wie viele Schüler momentan in Fursty sind und wann die Bundeswehr den Standort verlässt.

-Herr Traut, wieso hat es Sie nach Fürstenfeldbruck verschlagen?

Verschlagen kann man nicht sagen. Es war ein Ziel von mir, ein lange gehegter Wunsch, wieder nach Fürstenfeldbruck zurückzukehren. Hier habe ich vor 32 Jahren meine Ausbildung bei der Bundeswehr begonnen. Nach mehr als 30 Jahren als Kommandeur zurückkehren zu dürfen, ist toll. Ich glaube, es gibt kaum einen Offizierschüler, der sich das nicht im Stillen mal gewünscht hat. Natürlich ist man nach so vielen Jahrzehnten realistischer und weiß, wie viel Verantwortung die Aufgabe mit sich bringt.

-Sie sind seit September Kommandeur der Offizierschule – wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Meine Tage sind reich gefüllt. Zu meinen Aufgaben gehören Besprechungen mit den Mitarbeitern, das Nachdenken über die Zukunft der Ausbildung, die Lehrgänge zu begleiten, mit den Lehrern und Unterstützern zu sprechen. Meine Hauptaufgabe ist, zu kommunizieren, wie wir uns selbst sehen und was wir wollen – das ist ja auch der Wahlspruch unserer Schule: „Ich will“. Das kommuniziere ich bei unterschiedlichen Veranstaltungen. Unlängst habe ich beispielsweise Erbsensuppe am Brucker Christkindlmarkt verkauft. Das war eine sehr schöne Sache.

-Woher kommen Sie ursprünglich?

Ich komme aus Tübingen in Baden-Württemberg. Seit ich meine militärische Laufbahn begonnen habe, war ich aber nie näher an Tübingen als 200 Kilometer. Und das war gut so. So habe ich viele Menschen und Orte kennenlernen dürfen. Vor meinem Antritt in Fürstenfeldbruck war ich Abteilungsleiter Ausbildung Streitkräfte im Kommando Streitkräftebasis in Bonn.

-In absehbarer Zeit wird die Bundeswehr wohl Fürstenfeldbruck verlassen. Wie ist der Stand in Roth?

Wir werden definitiv nach Roth umziehen. Und zwar sagt unsere derzeitige Planung 2020 plus, in Abhängigkeit der Fertigstellung der Infrastruktur. Es ist derzeit so, dass in Roth alle alten Gebäude auf dem Baufeld schon abgerissen sind. Jetzt wird der Boden vorbereitet, beispielsweise werden Versorgungsleitungen in den Boden gebracht.

-Wann ist Spatenstich für das erste Gebäude?

Voraussichtlich Mitte 2017.

-Man hat den Eindruck, der Termin wird immer weiter nach hinten geschoben. Ist Mitte 2017 realistisch?

Ja, selbstverständlich. Das Projekt wurde begonnen und wird zu Ende gebracht.

-Wann macht also der Letzte am Fliegerhorst das Licht aus?

Ich sage mal, wir sind noch etwa fünf Jahre hier.

-Wie wird die neue Offizierschule in Roth aussehen?

Dort entstehen etwa 15 bis 20 Gebäude. Das Zentrum bildet ein großes Hörsaalgebäude mit etwa 100 auf 100 Meter. Es gibt Wohngebäude, eine zentrale Waffenkammer, einen Antreteplatz, einen Parkplatz, Sportanlagen und so weiter.

-Wie ist der bauliche Zustand der Offizierschule der Luftwaffe hier?

Er ist so, dass wir hier unseren Auftrag sehr gut erfüllen können. Es ist ein tolles Gebäude aus meiner Sicht, beispielsweise wegen der kurzen Wege. Natürlich wurde immer mal wieder was daran gemacht, aber man darf auch nicht vergessen, dass das Gebäude fast 40 Jahre alt ist. Ende Juni 2017 wollen wir dieses Jubiläum mit einem Festakt begehen. Deshalb habe ich natürlich auch ein persönliches Interesse daran, dass wir dann auch von außen hübsch aussehen.

-Also stehen Sanierungsmaßnahmen an?

Sanieren ist vielleicht ein wenig zu viel gesagt. Ich sage mal, wir wollen einen guten Pflegezustand erreichen.

-Stichwort Nutzung von Gebäuden: Gibt es weitere Planungen, vor dem Abzug kleinere Flächen oder Gebäude etwa an die Stadt abzugeben?

Generell ist die Bundeswehr ja deutschlandweit gerade wieder dabei zu wachsen, sowohl materiell als auch personell. Das lässt sich auch daran ablesen, dass wir ab 2017 hier eine steigende Zahl von Lehrgangsteilnehmern erwarten, was mich persönlich sehr freut. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Einrichtungen hier mehr und stärker nutzen werden. Ein Beispiel sind die Sportanlagen.

-Die Stadt spekuliert ja darauf, die Sportanlagen in absehbarer Zeit mitnutzen zu können….

Wir bilden jeden Offizieranwärter zum so genannten Übungsleiter Bundeswehr aus. Das heißt, die Soldaten könnten auch im Sportverein als Trainer tätig sein. Diese Ausbildung ist durchaus umfangreich. Wenn die Zahl der Lehrgangsteilnehmer steigt, müssen wir folglich am Tag mehr Sportstunden abhalten. Das bedeutet auch, dass wir unsere Sportanlagen mehr nutzen als vorher. Deshalb sehe ich keine Tendenz, dass wir unsere Bereiche, die wir momentan nutzen, in der nächsten Zeit weniger frequentieren.

-Der Stadtrat hat auch ein Auge auf einen Shelter geworfen. Wie sieht es da aus?

Grundsätzlich können wir mit dem Dienstleistungszentrum und demjenigen, der Nutzer sein will, alles machen. Vorausgesetzt, wir können einen Mitnutzungsvertrag schließen. Das bedeutet, dass wir etwas zur Verfügung stellen können, wenn es den militärischen Bedarf momentan nicht gibt. Dann käme es darauf an: Wofür möchte der Nutzer das Gebäude gerne haben? Allerdings: wenn wir das Gebäude wieder brauchen, dann können wir es auch wieder verlangen. Vorerst bleibt der Shelter eine militärische Liegenschaft.

-Das heißt, es gibt momentan keine Möglichkeit, den Shelter zu nutzen?

Momentan sehe ich keinen Anlass, dass wir darüber intensiv nachdenken müssten.

-Wie sind die Erfahrungen mit der Dependance?

Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Die Zusammenarbeit ist problemlos.

-Nochmal zurück zur Offizierschule. Gerüchteweise sind wieder mehr Schüler hier. Stimmt das?

Das stimmt. In der Spitze können es 700 bis 800 Schüler sein. Wobei die einzelnen Lehrgänge unterschiedlich groß sind und unterschiedlich lang dauern. Es gibt Lehrgänge, die länger als ein halbes Jahr gehen und derzeit etwa 500 Teilnehmer haben, aber auch kleinere mit etwa 70 Teilnehmern, die nur einige Wochen dauern, aber dafür öfter stattfinden. Das heißt, die Zahl schwankt kontinuierlich. Aber die Tendenz ist in der Tat steigend.

-Wie hoch ist der Frauenanteil?

Erfreulich hoch. Bei den ganz Jungen sind es mehr als 15 Prozent. Das ist eine sehr gute Zahl.

-Und nicht alle Schüler hier werden Piloten, richtig?

Wir bilden für die gesamte Luftwaffe aus. Offiziere in Luftwaffenuniform sind ja in vielen Bereichen der Bundeswehr eingesetzt. Es gibt Piloten, Techniker, Fluglotsen, IT-Spezialisten und so weiter. Was wir hier machen, ist die allgemeine militärische Ausbildung. Zu Spezialisten werden die Offiziere nach ihrem in München oder Hamburg absolvierten Masterstudium ausgebildet. Beispielhaft ist die Führungsunterstützungsschule in Feldafing. Dort werden unsere IT-Spezialisten ausgebildet.

-Diejenigen, die Piloten werden, können hier ja nicht mehr fliegen, seitdem die Sportflieger abgezogen sind. Sehen Sie da ein Problem?

Bei der Fliegerei sind wir nicht auf einen Standort begrenzt. Alle Offizierschüler – nicht nur die Pilotenanwärter – bekommen zunächst eine Segelflugeinweisung. Die fliegerische Ausbildung für die Piloten ist hauptsächlich in den USA, wo sie über mehrere Schritte lernen, einen Kampfjet zu fliegen. Zurück in Deutschland werden sie dann in ihrem Einsatzverband fertig geschult.

-Was sind Ihre Ziele und Herausforderungen?

Wir wollen weiter eine exzellente Schule bleiben. „Ich will“ ist ja unser Wahlspruch. Und ich will, dass unsere Schüler am Ende sagen: „Ich kann“. Unser Ziel ist es, den Offizierschülern möglichst viele, wirklich nützliche Dinge beizubringen und ihre Kompetenzen anzulegen. Natürlich braucht es auch Energie, um immer weiter voranzukommen und an der Spitze des Fortschritts zu bleiben. Es liegt an mir zu zeigen: Ich stehe hinter unserer Schule und auch wenn wir nach Roth umziehen – in Fürstenfeldbruck gibt es noch einiges zu tun.

-Und in Bruck fühlen Sie sich wohl?

Ja, sehr. Ich war beispielsweise schon zur Leonhardifahrt und habe mit Bürgermeister Erich Raff an Allerheiligen Spenden für die Kriegsgräberfürsorge gesammelt. Es ist schön, dass hier die Bundeswehr auch im Leben stattfindet. Ich fühle mich also sowohl als Privatperson, als auch als Soldat sehr willkommen.

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