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Lage auf Intensivstation verschärft sich: Mitarbeiter ausgelaugt - Arzt warnt vor „beängstigender Perspektive“

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Von: Tobias Gehre

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Auf der Intensivstation kämpfen Dr. Florian Weis und seine Kollegen gegen die Pandemie. archivFoto: gehre
Auf der Intensivstation kämpfen Dr. Florian Weis und seine Kollegen gegen die Pandemie. © Gehre (Archiv)

Immer mehr Corona-Patienten landen in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck. Die Mitarbeiter sind ausgelaugt. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Das Schlimmste steht noch bevor.

Fürstenfeldbruck – 20 Covid-Patienten lagen am Mittwoch in der Kreisklinik, vier mussten beatmet werden. „Die Lage ist deutlich dramatischer als in den vorhergehenden Wellen.“ Das sagt Dr. Florian Weis und der muss es wissen. Er ist der Leiter der Intensivstation der Kreisklinik. Mit seinem Team kämpft er an vorderster Front gegen das Virus. Doch alleine können sie den Kampf nicht mehr gewinnen. Deshalb wurde der Krisenstab wieder aktiviert und eine unfallchirurgische Station geschlossen, erklärt Klinik-Chef Alfons Groitl.

Corona auf den Intensivstationen: „Lage deutlich dramatischer als in den letzten Wellen“

Die Mitarbeiter werden in der Isolierstation gebraucht. Das bedeutet auch: Planbare Behandlungen und Operationen müssen warten. Das hat die Regierung von Oberbayern für alle Covid-19-Schwerpunkt-Krankenhäuser im Bezirk angeordnet. Die Kreisklinik gehört dazu. Betroffen von der Maßnahme sind etwa Knie- oder Hüftoperationen. Zeitkritische Herz- oder Tumoroperationen werden weiterhin durchgeführt.

Corona-Lage auf den Intensivstationen: Patienten größtenteils ungeimpft

Es ist ein Déjà-vu, auf das die Klinik und ihre Mitarbeiter gerne verzichtet hätten – und eines, das hätte vermieden werden können. Denn die Corona-Patienten sind größtenteils ungeimpft. Und weil sie im Durchschnitt jünger sind, bleiben sie auch länger erklärt Groitl. Momentan behandle man in Bruck etwa eine Corona-Patientin, die seit 46 Tagen in der Klinik ist – und damit Kapazitäten von Ärzten und Pflegern bindet.

Corona-Situation in den Kliniken: „Viele Mitarbeiter ausgelaugt“

Die Kräfte des medizinischen Personals schwinden indes immer weiter. „Viele Mitarbeiter sind ausgelaugt von der Dauer der Pandemie und der immer wiederkehrenden Zusatzbelastung durch die isolationspflichtigen Covid-Patienten“, meint Dr. Florian Weis. Der Chef der Intensivstation weiß aber noch von einem anderen Problem, das an der Personaldecke knabbert: Viele Angestellte seien alleinerziehende Mütter. Muss das Kind in Quarantäne, fällt die Mama für die Klinik oft aus.

Corona in Bayern: Anstieg der Fallzahlen ist extrem - Klinik verschärft Besuchsregeln

Beim Blick in die Zukunft schwant den Krankenhaus-Verantwortlichen nichts Gutes. „Der Anstieg der Fallzahlen ist extrem und eine Abflachung der Kurve ist nicht in Sicht“, sagt Dr. Weis. Diese Zahlen würden sich sieben bis zehn Tage später in der Klinik widerspiegeln. Er spricht von einer „beängstigenden Perspektive“.

Groitl berichtet von 23 Corona-Patienten aus dem besonders betroffenen Südosten Bayerns, die in den Norden des Freistaats gebracht werden mussten. „Fürstenfeldbruck hat in den vergangenen Monaten vereinzelt Patienten aus anderen Kliniken übernommen, wenn wir Kapazitäten hatten“, erklärt Dr. Weis. „Wir mussten noch keine Covid-Patienten verlegen.“ „Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt“, sagt Groitl. Aus anderen Krankenhäusern des Rettungszweckverbands Bruck, Dachau, Starnberg, Landsberg haben laut Weis bereits Verlegungen in entfernte bayerische Krankenhäuser stattgefunden.

Wie das Landratsamt außerdem mitteilt, hat die Kreisklinik erneut ihre Besuchsregeln verschärft. Jetzt gilt 2Gplus. Das bedeutet, dass nur noch geimpfte oder genesene Personen Zutritt haben. Beim Besuch sind Nachweise und zusätzlich ein tagesaktueller negativer Antigen-Schnelltest vorzulegen.

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