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Kreisklinik Fürstenfeldbruck: So kämpft die Intensivstation gegen Corona

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Von: Tobias Gehre

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Das Intensiv-Team der Klinik hat in der Krise bereits vielen Menschen helfen können – die Männer und Frauen empfinden das als Belohnung. Über Weihnachten appellieren sie an die Menschen, vernünftig und vorsichtig zu sein.
Das Intensiv-Team der Klinik hat in der Krise bereits vielen Menschen helfen können – die Männer und Frauen empfinden das als Belohnung. Über Weihnachten appellieren sie an die Menschen, vernünftig und vorsichtig zu sein. © Gehre

Seit Beginn der Corona-Pandemie kämpft das Team auf der Intensivstation um das Leben von Patienten. Jetzt richten sich die Mitarbeiter mit einem Appell an die Bevölkerung.

Fürstenfeldbruck – Seit Beginn der Corona-Pandemie kämpfen Ärzte und Pfleger in der Intensivstation der Kreisklinik um das Leben von Patienten. Jetzt geben sie einen Einblick in ihre oft belastende Arbeit. Für die Weihnachtstage richten die Mitarbeiter einen dringenden Appell an die Bevölkerung.

Das Epizentrum im Kampf gegen das Virus liegt hinter einer dicken Schiebetür im zweiten Stock. Dahinter wuseln Männer und Frauen in blauen Hosen und blauen T-Shirts herum. Einige von ihnen sind zusätzlich in Schutzkittel aus Kunststoff gehüllt, tragen Handschuhe und transparente Schilder vor dem Gesicht. Aus vielen Räumen piepst es, Monitore zeigen in farbigen Kurven Vital-Werte an. Hektik ist keine zu spüren. Doch der Druck auf die Männer und Frauen ist groß – und er wächst.

Kreisklinik Fürstenfeldbruck: So kämpft die Intensivstation gegen Corona

Elf Intensivbetten gibt es derzeit auf der Station. Zehn davon sind am Montagmittag belegt – sechs davon mit Corona-Patienten, die beatmet werden müssen. Noch ein schwerer Unfall oder ein Herzinfarkt und die Station ist voll. Dann wird die Klinik bei der Leitstelle abgemeldet. Intensivpatienten werden dann in andere Krankenhäuser gebracht. Das sei schon mehrmals passiert, sagt Florian Weis, Leiter der Intensivstation. Geht es um Leben und Tod könne man einen schweren Fall aber dennoch aufnehmen. „Man wird kreativ“, meint der Mediziner.

An einem Bildschirm überwacht der Leiter der Intensivstation, Florian Weis, die Werte eines Patienten. Der Mediziner und sein Team kämpfen seit Beginn der Pandemie an vorderster Front gegen das Coronavirus.
An einem Bildschirm überwacht der Leiter der Intensivstation, Florian Weis, die Werte eines Patienten. Der Mediziner und sein Team kämpfen seit Beginn der Pandemie an vorderster Front gegen das Coronavirus. © Gehre

Die Corona-Pandemie ist für die 30 Männer und Frauen auf der Intensivstation ein kräftezehrender Marathon. Die Versorgung von Covid-Patienten ist sehr zeitintensiv, sagt Dr. Weis. Müsse etwa ein in Bauchlage beatmeter Mensch gewendet werden, seien sechs Mitarbeiter für eineinhalb Stunden beschäftigt. Einen großen Teil davon nehme das An- und Ablegen der Schutzkleidung und die Vorbereitung in Anspruch.

Kreisklinik Fürstenfeldbruck: Intensivstation wurde aufgestockt - „viele sind erschöpft“

Um die Aufgaben bewältigen zu können, wurde die Intensivstation aufgestockt. Unterstützung bekommen die Mitarbeiter aus der Anästhesie und von Normalstationen. Trotzdem ist Personal oft knapp. Das liege daran, dass auch Mitarbeiter immer wieder in Quarantäne oder Kinder betreuen müssten. Deshalb habe man ein geplantes zwölftes Intensivbett bisher nicht in Betrieb nehmen können. Das Personal gebe sein Bestes, um Ausfälle zu kompensieren und zusätzliche Arbeit zu schultern. Manche würden ihren Urlaub nicht antreten, andere ihre Teilzeit verlängern. „Die Leute zeigen viel Engagement“, sagt Weis. „Doch viele sind erschöpft – körperlich wie psychisch.“

Kreisklinik Fürstenfeldbruck: Intensivärzte reagieren mit Kopfschütteln zu Querdenker-Demos

Auch deshalb könnten er und seine Kollegen bei Querdenker-Demos nur den Kopf schütteln. Man müsse aber ernst nehmen, dass sich einige in der Pandemie nicht mitgenommen fühlten und dann aufs „völlig falsche Pferd“ setzten. Wegzuleugnen sei die Pandemie aber nicht.

Das zeigen auch die Zahlen. Von 22 Patienten, die in den vergangenen Wochen auf der Station lagen, sind sieben gestorben. Wer mit Covid auf der Intensivstation landet, bleibt dort im Durchschnitt rund zwei Wochen. Auch deshalb ist die Behandlung so zeitintensiv.

Für Weihnachten hat das Intensivteam einen Appell verfasst: „Bitte vermeiden Sie unnötige Kontakte, halten Sie Abstand, achten Sie auf Händehygiene und tragen Sie Ihren Mund-Nasen-Schutz! Praktizieren Sie über die Feiertage diese Form der Nächstenliebe.“

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