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Fürstenfeldbruck

Kreistag arbeitet an einem CO2-Aktionsprogramm: Autofahren für das Klima?

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Der Klimaschutz ist derzeit in aller Munde und beschäftigt auch den Kreistag. Die Kommunalpolitiker stellen derzeit einen CO2 -Aktionsplan auf. Teil davon: Die Anschaffung eines Klima-Mobils.

Fürstenfeldbruck – Mit einem neuen Klima-Mobil sollen künftig Info-Materialien zum Thema Energiewende leichter zu Ausstellungen und Öffentlichkeitsterminen transportiert werden können. Die Anschaffung des Mobils soll in den CO2-Aktionsplan aufgenommen werden, an dem das Klimaschutzmanagement des Landratsamts gerade arbeitet.

Schulen und Betriebe

Insgesamt fand Landrat Thomas Karmasin (CSU) nach ungewöhnlich langer Zeit des Nachdenkens das Wort „Klimaschutzmobil“ seltsam, wobei der zuständige Referent und Ziel-21-Vertreter, Max Keil, erklärte: „Wir müssen raus in die Schulen und in die Betriebe.“ Ziel ist die Bewusstseinsbildung – und dafür müsse man eben Materialien leicht transportieren können. Hubert Ficker (CSU) sah es genauso: „Die Bewusstseinsbildung ist wichtig.“

Spielmobil als Vorbild

Ein genaueres Konzept für das Klima-Mobil soll nun erarbeitet werden, wie auf Insistieren der SPD noch mal klar wurde. Die Rede war von etwa 20 000 Euro Kosten, aber auch davon, dass weiteres Personal zur Betreuung des Mobils nötig werden könnte. Als strukturelles Vorbild dient ein wenig das Spielmobil des Kreisjugendrings.

Ziel 21 wächst auf

Einige Gedanken zum Thema Klimaschutz äußerte auch Walter Müller, der als Vorsitzender des Beirats die Arbeit des Energiewendevereins Ziel 21 konstruktiv, aber auch überprüfend begleitet. Müller, von Beruf Chef der VR-Bank in Fürstenfeldbruck, erinnerte an den Neustart des Energiewendevereins Ziel 21 vor drei Jahren und daran, dass seither viele Partner gewonnen worden seien. Es habe zahlreiche Aktivitäten in Schulen gegeben, erzählte Müller, der von positiven Rückmeldungen berichtete.

Gespräche mit Kritikern

Es habe auch „sehr interessante“ Gespräche mit Vertretern der Fridays-For-Future-Bewegung gegeben. Müller erinnerte ebenfalls an die Kritik, die sich gegen das Konzept von Ziel 21 richtete und bedauerte, dass die Kritiker nicht zur Mitgliederversammlung gekommen waren – das sagte er zweifellos in Richtung SPD, die namentlich die Installation des FW-Kreisrats Gottfried Obermair als Chef von Ziel 21 heftig hinterfragt hatte.

Auch eine Kostenfrage

Die ebenfalls von der SPD-Fraktion im Kreistag vorgeschlagene Umwandlung des Vereins in eine Energieagentur sah Walter Müller eher kritisch. Eine solche Agentur in Form eines Zusammenschlusses mit anderen Landkreisen bei gleichbleibendem Ziel der Bewusstseinsbildung – allerdings dann mit fest angestelltem Personal – würde ein Vielfaches von dem kosten, was Ziel 21 jetzt an Unterstützung erhält, sagte Müller, der dem Vorstand von Ziel 21 gute Arbeit attestierte. Jeder ausgegebene Ziel-21-Euro werde auf seine Sinnhaftigkeit überprüft.

Ohne Bürger geht nix

Insgesamt werde über den Erfolg der Klimaschutz-Bemühungen aber nicht Ziel 21 entscheiden und nicht der Kreistag, sagte Müller, sondern „allein der Bürger“ und die Frage, ob es eine Bereitschaft zum Verzicht gebe und dazu, sich selbst zu ändern. Seine Erfahrungen im (gescheiterten) Ringen um den Bau einer Bürger-Windkraftanlage habe in ihm die Erkenntnis reifen lassen, dass die Begeisterung der Leute da aufhöre, wo die Betroffenheit beginnt.

Neue Offensive

Landrat Thomas Karmasin stimmte Müller voll zu und erzählte seinerseits von einem Treffen mit Vertretern von Fridays-For-Future. Diese hätten einen „hervorragenden Eindruck“ gemacht und hätten vernünftig sowie nachdenklich gewirkt. Auch der Landrat fragte sich, was eine Energieagentur mehr können solle als Ziel 21. Dessen oberster Kontrolleur, Walter Müller, kündigte übrigens für das neue Jahr eine neue Kampagne an. Der aktuell laufenden (und als sehr erfolgreich geltenden) Solar-Offensive werde eine Sanierungs-Initiative folgen.

Ganz Nebenbei

„Anschaffung eines Klimaschutz- und Energiewendemobiles“ steht über dem von CSU, Grünen, ÖDP und FW gestellten Antrag, den der Umweltausschuss des Kreistags jetzt zu behandeln hatte (siehe Text rechts). Der Genitivbildung zugrunde lag damit genau genommen das Wort „Mobile“ und nicht „Mobil“, was den Landrat kurz stutzen ließ. „Ein Mobile?“, fragte er etwas ungläubig, wobei sich dem Zuhörer der Gedanke an ein „perpetuum mobile“ aufdrängte. Zweifellos würde ein solches alle Energiefragen sofort lösen und die Klimaschutzdebatte beenden. Leider hat der Brucker Kreistag aber auch noch keines erfunden und so muss man eben doch auf ein Mobil und den (seit Jahren nur mittelmäßig erfolgreichen) Versuch der Bewusstseinsbildung setzen. (st)

Auch interessant: Kreis Fürstenfeldbruck lehnt Ausrufung des Klima-Notstands ab

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