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Monika Fußeder (r.) und ihr Team vom Sozialpsychiatrischen Dienst in Bruck helfen Menschen in seelischen Krisen. Maria Ullrich (l.) ist froh über das Angebot. 

Krisendienst Psychiatrie

Die Rufnummer gegen seelischen Kummer

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Jeder dritte Mensch geht in seinem Leben einmal durch eine seelische Krise, in der er professionelle Hilfe braucht. In akuten Situationen hilft der Krisendienst Psychiatrie, der seit Dezember 2016 im Landkreis besteht. Vom Angebot profitieren nicht nur Betroffene.

Fürstenfeldbruck – Maria Ullrich (72) weiß, wie sich Hilflosigkeit anfühlt. „Als Angehöriger einer seelisch kranken Person ist man oft machtlos“, sagt die Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Kranker im Landkreis. Hätte es den vom Bezirk Oberbayern finanzierten Krisendienst Psychiatrie schon früher gegeben, auch Maria Ullrich hätte ihn schon längst in Anspruch genommen.

An 365 Tagen im Jahr sind die Mitarbeiter seit Dezember 2016 auch im Landkreis von 9 bis 24 Uhr erreichbar. „Unser Ziel ist es, den Betroffenen in akuten seelischen Krisen zu helfen“, erklärt Monika Fußeder, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Caritas-Zentrum an der Brucker Hauptstraße 5. Wer die Nummer des Dienstes wählt, landet in der Leitstelle in München. Dort nehmen geschulte Fachleute die Gespräche entgegen. Sie hören den Betroffenen zu und suchen gemeinsam mit den Anrufern nach einer Lösung für die akute Situation. „In bis zu 80 Prozent der Fälle hilft schon das Gespräch“, weiß Fußeder.

Sollte das Telefonat nicht weiterhelfen, so können die Mitarbeiter örtliche Hilfe vermitteln. Die Krisendienst-Mitarbeiter schlagen den Betroffenen dann vor, ein nicht-ärztliches Team loszuschicken. Zwei Mitarbeiter, zum Beispiel Psychologen oder Sozialpädagogen, die Bereitschaftsdienst haben, rücken innerhalb einer Stunde zu den Hilfesuchenden aus. Vor Ort sprechen sie mit den Personen. „Wir vermitteln und geben aktive Unterstützung, um die Krise gemeinsam mit der betroffenen Person zu überstehen. Erst vor einigen Tagen haben wir so beispielsweise eine Zwangseinweisung verhindert. Die Patientin hat sich freiwillig in eine Klinik eingewiesen“, sagt Monika Fußeder. Und das ist wichtig, denn: „Eine Zwangseinweisung ist traumatisierend für alle“, weiß Maria Ullrich. Wenn der Betroffene sich wehrt, muss die Polizei ihn oft mit Gewalt in die Klinik bringen.

Momentan fahren die Mitarbeiter des Krisendienstes im Landkreis zwischen vier und zehn Einsätze im Monat. Sie dauern unterschiedlich lang – zwischen zwei und sechs Stunden. Es konnten so schon stationäre Aufenthalte von seelisch Erkrankten verhindert werden. „Die Menschen in Not sollen idealerweise zu Hause begleitet werden. Auch dahingehend konnten wir schon viel erreichen“, sagt Fußeder. Das liege auch daran, dass das Angebot so niedrigschwellig sei. „Das Umdenken, das sich noch durchsetzen muss, wurde schon angestoßen“, sagt Ullrich. Sie hofft, dass sich noch mehr Menschen in Notsituationen an den Krisendienst wenden. Denn es gebe immer einen Ausweg. Und auch Fußeder appelliert an alle: „Trauen Sie sich, rufen Sie an!“

Der Krisendienst Psychiatrie

Psychiatrie ist unter der Rufnummer (01 80) 6 55 30 00 erreichbar. Ein Anruf kostet einmalig 20 Cent aus dem Festnetz per Mobilfunk maximal 60 Cent. Die geschulten Mitarbeiter sind an 365 Tagen im Jahr zwischen 9 und 24 Uhr telefonisch erreichbar.

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