Fürstenfeldbruck

Kulturnacht mit riesigem Angebot

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Ein Sommerabend wie aus dem Bilderbuch und ein Programm, das vielfältiger kaum hätte sein können – die Brucker Kulturnacht ließ weder wettertechnisch noch inhaltlich irgendwelche Wünsche offen. Einziger Haken: Die Qual der Wahl wirdimmer größer.

Fürstenfeldbruck – Mit zwei neuen Schauplätzen hatte sich das Spektrum der Stationen erweitert. An der einen – dem Lichtspielhaus – wurde noch bis zum Vorabend gewerkelt, dann war es geschafft. Die Fassade erstrahlte nach vollendetem Außenanstrich in ihrer warmen orange-braunen Originalfarbe, und selbst der Schriftzug saß rechtzeitig wieder an Ort und Stelle. „Es ist toll, dass das noch geklappt hat“, freute sich Kino-Chef Markus Eisele.

Wie das Lichtspielhaus im Kulturnachts-Programm zwischen Musik und Theater unterschiedlichster Couleur, zwischen Kabarett, Kunst, Lesung, Tanz, technischer Vorführung und Poertry Slams angenommen werden würde, blieb eine spannende Frage, bis sich um 19 Uhr die Türen öffneten. Doch gleich beim ersten Film-Block zeigte sich: alles gut.

Rund 80 Besucher saßen schon in den ersten Vorführungen der Kurzfilme von Studierenden der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) und löcherten die jungen Regisseure anschließend mit Fragen. Kein Wunder, denn die 10-Minuten-Dokumentationen beschäftigten sich mit Themen, die in der öffentlichen Wahrnehmung normalerweise nicht stattfinden – mit der Arbeit im Krematorium etwa oder den Mühen und Nöten, die eine klassische Sängerin auf sich nimmt, bevor sie auf der Bühne steht.

Perfektes Ambiente

Als zweiter neuer Schauplatz bot der Rathaus-Innenhof ein perfektes Ambiente für das Brucker Brettl, das hier vor allem dem Nachwuchs eine Chance gab. Für die Kulturnacht war eigens ein Einakter geschrieben worden, der gleich mehrere Probleme thematisierte. Gedankenloser Konsum, soziale Unterschiede, schlechte Manieren und Mobbing – was sich so im Alltag Jugendlicher abspielen kann, setzten unter anderem Veronika Droth, Verena Pfützner, Alina Huber und Loy Rothenberger überzeugend in Szene.

Noch mehr Theater unter freiem Himmel fand vor der Leonhardikirche statt. Doch hier ging es nicht um Fiktives, sondern um amüsante Randnotizen aus der Brucker Geschichte – zum Beispiel um das Verschwinden der Glockenseile aus der Kirche, irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schuldigen: zwei Lausbuben, dargestellt von Christina Schmiedel und Andreas Harwath, die Baumaterial für ihr Baumhaus brauchten.

Die Brucker blieben ob dieses unerhörten Vorfalls erstaunlich gelassen – zu groß war die Erleichterung, dass eine der Glocken im Krieg vor dem Einschmelzen gerettet worden war. Ein mutiger Spediteur hatte sie vor der Konfiszierung in einem Schneehaufen versteckt. Heute hängen die Glocken sicher im Turm – davon konnten sich die Kulturnachtsbesucher mit Hilfe von Gästeführerin Petra Vögele überzeugen.

In der Stadtbibliothek Aumühle begrüßte derweil Kabarett-Newcomerin Christina Baumer ihre Zuschauer per Handschlag. Nicht, weil so wenige gekommen waren – im Gegenteil, die Oberpfälzerin spielte vor gesteckt vollen Reihen – , sondern weil Publikumsnähe genauso zu ihrem Konzept gehört wie derber Witz, gnadenlose Selbstironie und der Auftritt in einer Doppelrolle. Mühelos wechselt Baumer auf der Bühne von der bodenständigen, fleischverzehrenden Kellnerin Chris zur veganen Schauspielerin Tina, die sich mit Foodsharing und Abnehm-Apps herumschlägt.

Wer die Kulturnacht bei den heißen Temperaturen lieber im Grünen genießen wollte, hatte auch dazu reichlich Gelegenheit, etwa beim Poetry Slam im lampengeschmückten Stadtpark oder auf dem Klostergelände, wo das Jacques Fauleu Ensemble mit Posaune, Trompete, Banjo, Mandoline und Kontrabass in ungewöhnlicher, aber sehr hörenswerter Besetzung musizierte.

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