+

Studie

Der Landkreis FFB rangiert auf Platz 43 in der Republik: Hier lebt es sich ziemlich gut

Wo lebt es sich in Deutschland am besten? Das ZDF ist dieser Frage auf den Grund gegangen und hat alle 401 Landkreise der Bundesrepublik mit mehr als 50 verschiedenen Indikatoren miteinander verglichen. So viel vorweg: Die Region um Fürstenfeldbruck ist dabei ziemlich gut weggekommen. Experten erklären, warum.

Fürstenfeldbruck– Viele haben es ja schon immer gewusst. Auf den 435 Quadratkilometern zwischen Althegnenberg im Nordwesten und Germering im Südosten lässt es sich wunderbar leben. Doch wohl nur die wenigsten hatten bisher einen direkten Vergleich, wie es anderswo aussieht. Denn gefühlt ist es doch immer da am schönsten, wo man daheim ist. Jetzt gibt es Fakten, die dieses Gefühl untermauern – oder widerlegen. Doch keine Angst: Wer mit seinem Dasein im Landkreis zufrieden ist, der liegt richtig.

In Zahlen heißt das: Von den 401 Landkreisen und kreisfreien Städten landete Fürstenfeldbruck auf Rang 43, sammelte 188 von 300 möglichen Punkten. Diese haben die Macher der Studie (Kasten) zu gleichen Teilen auf die drei Bereiche Arbeit und Wohnen, Gesundheit und Sicherheit, sowie Freizeit und Natur verteilt.

Arbeitslosenquote

Im Landkreis liegt diese bei nur 2,3 Prozent. „Das ist Vollbeschäftigung“, sagt Claudia Baubkus, Leiterin des Jobcenters. Der Kreis profitiere von der sehr guten Konjunktur im Großraum München, wo es viele Arbeitsplätze gibt. Von den mehr als 50 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten würden aber gut 37 000 auspendeln. Baubkus’ Prognose für die Zukunft: „Ich denke der Aufschwung in der Region wird noch weiter anhalten – wenn auch ein bisschen gedämpfter.“

Schuldner

In der Studie wurde auch die Zahl der Schuldner pro 100 volljährigen Einwohnern ermittelt. Im Landkreis liegt die Zahl bei 6,5. Ein relativ niedriger Wert, verglichen mit dem gesamtdeutschen Schnitt. Der liegt bei zehn. Für Nicole Egle, Schuldnerberaterin bei der Brucker Caritas ist klar: Das liegt an der guten Konjunktur. Entwarnung kann Egle aber nicht geben. Die hohen Lebenshaltungskosten hängen wie ein Damoklesschwert über vielen Menschen – gerade jenen mit geringem Einkommen. Eine kaputte Waschmaschine oder ein defektes Auto könnten da schnell in die Schuldenfalle führen. Im Jahr 2017 haben Egle und ihre Kollegen 571 Klienten beraten.

Frauen in der Politik

Hier ist noch Luft nach oben. Gerade einmal gut 27 Prozent beträgt der Frauenanteil in kommunalen Gremien. Warum das so ist? „Bei uns lastet auf den Frauen immer noch sehr viel“, sagt Gabriele Off-Nesselhauf. Sie sitzt im Germeringer Stadtrat sowie im Kreistag. Beruf, Familie, Kinder – da bleibe oft nicht mehr viel Platz für politisches Engagement. Dabei könnten Frauen für neuen Schwung in der Politik sorgen, sagt Off-Nesselhauf. Immerhin: In der schlechtesten Region sind gerade einmal 6,4 Prozent der Politiker nicht männlich.

Übergewicht

Fast die Hälfte der Landkreis-Bewohner haben zu viel auf den Rippen – der Studie zufolge sind es 47,4 Prozent. Für den Diabetologen und Oberarzt am Brucker Klinikum Dr. Bernd Jacob ist das keine Überraschung. „Die Zahl der Übergewichtigen hat definitiv zugenommen“, sagt der Mediziner. Damit einher gehen auch Erkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Herz- und Kreislaufkrankheiten. Wen es beruhigt: Die Landkreis-Bürger sind in guter Gesellschaft. In ganz Deutschland gelten 52,4 Prozent der Menschen als übergewichtig.

Müll

Der Landkreis und sein Müllsystem: Oft als umständlich geschmäht, scheint es seine Wirkung doch zu tun. 18,5 Kilo Müll fallen der Studie zufolge pro 1000 Euro Konsumausgaben in jedem Haushalt an – in Deutschlands „dreckigster“ Region sind es knapp 40 Kilo. „Wir haben ein sehr detailliertes Werstoffsystem“, sagt Stefan Mayer, kommissarischer Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs. Viele gingen deshalb bewusster mit dem Thema um.

Heiraten

Das Gelübde der Ehe – es wird immer seltener geschlossen. Pro 1000 Einwohner zählt die Statistik im Kreis 5,4 Hochzeiten. Der Grafrather Pfarrer Christian Dittmar: „Es wird weniger geheiratet.“ Aber: Wer den Bund der Ehe schließt, macht sich mehr Gedanken darüber als früher. „Viele haben das Bild der perfekten Filmhochzeit im Kopf“, sagt Dittmar. Das zeige, dass die Hochzeit noch immer einen hohen Stellenwert genieße. Ein Grund für den Rückgang ist dem Pfarrer zufolge auch der zunehmende Hochzeitstourismus, also das Heiraten an besonders schönen Orten, wie dem Tegernsee. Im landkreis Miesbach liegt die Heiratsquote dementsprechend bei 13,2.

Restaurant-Dichte

So ganz kann sich der Brucker Gastronom Gerhard Kohlfürst die Zahl nicht erklären. Klägliche 13,6 Gastro-Betriebe kommen im Kreis auf 10 000 Einwohner. „Womöglich liegt es an der Nähe zu München“, vermutet Kohlfürst. Dabei habe sich gerade für junge Menschen das Angebot in den vergangenen Jahren stark verbessert. Und: Mehr Gastronomie wäre gar nicht möglich – wegen des Fachkräftemangels.

Sonnenstunden

Zu guter letzt: Die Sonne lacht über dem Landkreis überdurchschnittlich oft vom weiß-blauen Himmel. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zählt im langjährigen Mittel 1710 Sonnenstunden. „Das Klima in Süddeutschland ist kontinentaler geprägt als im Norden“, erklärt Diplom-Meteorologin Uta Zimmermann. Auch die Nähe zu den Alpen mit häufigen Föhnlagen spiele eine Rolle.

Die Studie

Die Deutschland-Studie von „ZDFzeit“ hat das Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos erstellt. Sie vergleicht die Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik. Die Wissenschaftler haben für den Sender Daten aus allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten ausgewertet. 24 000 Datensätze sind in die Studie eingeflossen. Zehn Forscher von Prognos haben ein Jahr lang daran gearbeitet, darunter Soziologen, Politologen und Volkswirte. Alle Informationen gibt es im Internet unter deutschland-studie.zdf.de. Dort finden sich auch sämtliche Ergebnisse für den Landkreis

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maisacher Grüne spüren Rückenwind - dank Greta Thunberg
Die Maisacher Grünen wollen den Schwung durch Greta Thunberg und ihre Fridays-for-Future-Bewegung mit in die Kommunalwahl im kommenden März nehmen. Die Zahl von bisher …
Maisacher Grüne spüren Rückenwind - dank Greta Thunberg
Estinger ärgern sich über Baurecht für Investor – und fehlendes Klo
Bei der  Bürgerversammlung wurde deutlich, dass den Estingern zwei Dinge stinken. Bei einem Thema im Olchinger Stadtteil ist das wortwörtlich zu nehmen. 
Estinger ärgern sich über Baurecht für Investor – und fehlendes Klo
E-Bike-Fahrerin aus Olching stürzt schwer - Rettung mit Heli
Eine 51-jährige E-Bikefahrerin aus Olching hat sich bei einem Sturz am Samstagnachmittag schwer verletzt. Sie musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus …
E-Bike-Fahrerin aus Olching stürzt schwer - Rettung mit Heli
Wertstoffhof wieder voll zugänglich
Der Große Wertstoffhof an der Landsberger Straße war fast ein ganzes Jahr lang nur eingeschränkt anfahrbar.
Wertstoffhof wieder voll zugänglich

Kommentare