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Das Auftragsvolumen ist in der Ruftaxi-Zentrale in Puchheim kaum zu bewältigen.

Wartezeiten von bis zu drei Stunden

Ruftaxi kann Ansturm kaum bewältigen

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Harte Kritik ist am Ruftaxi des Landkreises laut geworden: Dem Nachfolger des Anrufsammeltaxis (AST) wird vor allem Unzuverlässigkeit vorgeworfen. ÖPNV-Experte Hermann Seifert spricht vom „Fluch des Erfolgs“.

LandkreisBei allem Lob für die Ausweitung des Öffentlichen Personennahverkehrs fand Kathrin Sonnenholzner (SPD) unlängst im Kreistag auch deutliche Worte zum Ruftaxi. Das Angebot sei extrem unzuverlässig. Bestätigte Fahrten würden nicht eingehalten, Fahrgäste vertröstet. Beim Volksfest in Mammendorf habe das Ruftaxi überhaupt nicht funktioniert.

Sonnenholzner forderte, einen besseren Anbieter zu finden oder gleich klar zu machen, dass das Taxi nur je nach Verfügbarkeit komme. Sie forderte zudem generell eine bessere Ausbildung der Fahrer, auch bei den großen Bussen und schilderte folgenden Dialog: Ein Fahrer fragte einen jungen Mann, ob er eine Fahrkarte habe. Der junge Mann habe geantwortet „Nein.“ Auf die Frage, ob er eine brauche, folgte wieder ein „Nein“ – und die ganze Gruppe um den jungen Mann sei dann kostenlos gefahren.

Es wurden schon Busverbindungen auf den Ruftaxi-Strecken eingeführt

Olchings Bürgermeister und SPD-Kreisrat Andreas Magg berichtete Ähnliches. „Das Ruftaxi treibt mich auch um. Es kommt zu Wartezeiten von bis zu drei Stunden.“ Das System sei genial, die Nachfrage sehr hoch, sagte Magg. „Aber verlässlich ist anders. Irgendwie müssen wir uns was überlegen.“

Der ÖPNV-Experte des Landkreises, Hermann Seifert, erklärte auf Tagblatt-Nachfrage die Probleme als Folgen der großen Nachfrage. Es sei schwer kalkulierbar, wann potenzielle Fahrgäste das Ruftaxi holen. Mehr Reserven vorzuhalten würde schnell sehr teuer, sagte Seifert. „Beim Bedarfsverkehr ist es immer so: Man weiß ja nicht, wie die Leute ihre Freizeit planen.“ Seifert erinnert daran, dass wegen des Erfolgs des Ruftaxis schon neue reguläre Busverbindungen eingeführt wurden.

100.000 Fahrgäste beförderte das Ruftaxi 2018

Das Ruftaxi wurde in seiner jetzigen Form im Jahr 2015 als Nachfolger des AST eingeführt. Es folgt den Buslinien und Haltestellen und ist Teil des MVV. Im Dezember 2018 wurden Teile der Landkreise Dachau, Starnberg und Landsberg integriert. Allein im Kreis Fürstenfeldbruck wurden 2018 an die 100.000 Fahrgäste gezählt.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 gibt es Änderungen: Die Ausschreibung dazu läuft derzeit. Dabei werden Betrieb (also das eigentliche Taxigeschäft) und die Rufzentrale voneinander getrennt. Davon erhofft man sich mehr eingehende Angebote. Gleichzeitig sei die Chance gegeben, die Rufzentrale zu einer MVV-Mobilitätszentrale auszuweiten, heißt es im neuen Nahverkehrsplan des Landkreises.

Bald soll man das Ruftaxi mit einer App bestellen können

Hintergrund: 70 Prozent der Anrufe, die in der Zentrale bisher eingehen, haben mit dem Ruftaxi gar nichts zu tun, sondern beziehen sich allgemein auf Fragen rund um den ÖPNV. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Hotlines des MVV und der MVG nicht erreichbar seien (Sonntage, spätabends und nachts), heißt es in dem Papier. Erarbeitet wird derzeit außerdem ein neues, elektronisches Buchungstool. Verkürzt ausgedrückt: Damit kann man dann Fahrten über eine App bestellen.

In Eichenau führen Sparzwänge bei der Post dazu, dass Briefträger nach Gröbenzell müssen um ihre Briefe abzuholen. In Olching streitet man derweil darüber, ob neue Umkleidekabinen am Olchinger See aufgestellt werden dürfen.

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