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Kurios bis ärgerlich: Hier heißt es schon lange Rot-Grün-Gelb

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Von: Peter Loder

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Die kuriosteste Ampel bei Jesenwang regelt den Auto- und den Flugverkehr.
Die kuriosteste Ampel bei Jesenwang regelt den Auto- und den Flugverkehr. © Weber

Die Berliner Regierungskoalition aus Rot, Grün und Gelb machte 2021 zum Jahr der Ampel. Doch natürlich steht das Wort hauptsächlich für Anlagen, die mit verschiedenfarbigen Lichtern den Verkehr regeln. Und auch über diese gibt es viel zu erzählen – von kurios bis ärgerlich.

Landkreis – Die ungewöhnlichste Ampel steht in Jesenwang. Genauer an der Ortsverbindungsstraße nach Adelshofen, die am Flugplatz die Einflugschneise kreuzt. Seit 1968 regelt die Ampel den Straßen- und zugleich den Luftverkehr. Ist ein Pilot im Anflug oder am Start, schaltet Flugplatzbetreiber Max Walch im Tower die Ampel für Autos auf Rot. Mehrere auf dem gesamten Flugplatz-Gelände verteilte gelbe Blinklichter signalisieren dann, dass von der kreuzenden Straße keine Gefahr mehr ausgeht. Walch: „Gelb bedeutet für den Piloten also grünes Licht.“

Die Flugplatz-Ampel wurde wegen einer verkehrsrechtlichen Anordnung der Regierung von Oberbayern aufgestellt. Zehn Jahre später klagte eine Adelshofener Bürgerinitiative dagegen. Doch obwohl die Ampel selbst nach Walchs Ansicht „nicht ganz hundertprozentig rechtens ist“, hat die Anordnung bis heute Bestand.

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Sparsame

Ein Großteil der Ampelanlagen in der Region ist deutlich unspektakulärer. Je näher an München, desto größer die Ampeldichte. Mit besonders wenig Ampeln kommt Olching aus. Auf 30  Quadratkilometer Stadtgebiet gibt es lediglich drei so genannte Vollbeampelungen. Zum Vergleich: Im knapp 33 Quadratkilometern großen Stadtgebiet von Fürstenfeldbruck wird an 17 Kreuzungen der Verkehr mit Lichtzeichen geregelt (plus acht Fußgängerampeln).

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die runde Konkurrenz

Bürgermeister Andreas Magg hat für Olching acht Fußgängerampeln auf dem Radar. Er verweist aber vor allem auf die immer mehr in Mode kommenden Kreisverkehre. Davon gibt es in Olching mittlerweile zehn. Die heimliche Kreisel-Hauptstadt der Region ist allerdings Maisach. „Wir haben davon elf Stück“, verkündet Bürgermeister Hans Seidl. Und er rechnet vor, dass es in den auf 54 Quadratkilometer verteilten 24 Ortsteilen Maisachs nur fünf Ampeln gibt.

Hier ist gefühlt immer Rot: Die Lichtzeichenanlage am Fürstenfeldbrucker Rathaus.
Hier ist gefühlt immer Rot: Die Lichtzeichenanlage am Fürstenfeldbrucker Rathaus. © Weber

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Festgelegte

Die meisten Ampeln im Landkreis betreibt, betreut und verwaltet das Staatliche Straßenbauamt. „Wir sind im Landkreis Fürstenfeldbruck für 30 Ampeln zuständig. 16 davon sind für Fußgänger“, sagt Sprecher Thomas Jakob. Und wie lange leuchten die verschiedenen Farben? „Die Dauer der Gelbphase hängt von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ab “, so Jakob. In der Regel gilt: Bei 50 Stundenkilometern ist drei Sekunden lang gelb, bei 60 Stundenkilometern vier und bei 70 Stundenkilometern fünf Sekunden. So könne jeweils gefahrlos gebremst werden.

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Nervige

Pauschale Regeln für Grün- oder Rotphasen gibt es dagegen nicht. Steuerungsprogramme legen fest, wann wer wie lange warten muss. Berufsbedingt davon betroffen sind Taxifahrer. Wortwörtlich rot sieht etwa Florian Drechsler an der Rathaus-Kreuzung in Fürstenfeldbruck. „Egal, ob du an der Pucher oder Dachauer Straße stehst, die kurzen Grün-Phasen sind eine Katastrophe.“ Drechsler sehnt die nächste Ampel-Panne schon herbei. „Komischerweise läuft der Verkehr wie am Schnürchen, wenn die Anlage kaputt ist.“

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Schützende

Einfluss auf die Ampelphasen Phasen rot und grün hat laut Jakob etwa die Hauptrichtung des Berufsverkehrs. Wie lange eine Fußgängerampel Grün zeigt, ist vor allem eine Frage der Straßenbreite. Denn auch wenn sie auf Rot springt, während man gerade die Fahrbahn betreten hat, bleibt genug Schutzzeit zum Überqueren der Straße, während der die Autos noch warten müssen. Die kann länger dauern als die Fußgänger-Grünphase.

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Gerechte

Was macht also eine gute Ampel aus? Das ist natürlich eine Frage der Perspektive – nicht nur in der Politik. „Autofahrer würden sagen: Eine gute Ampel ist die, die immer Grün anzeigt“, sagt Jakob vom Straßenbauamt. Das gelte natürlich auch für Fußgänger und Radfahrer. Nur: Das alles gleichzeitig geht nicht. „Deshalb zeichnet sich eine gute Ampel dadurch aus, dass sie allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen gerecht wird, sich auf sich ändernde Anforderungen anpassen lässt und auch nicht ausfällt“, sagt Jakob.

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Gefährlichste

Die noch immer gefährlichste Ampel-Kreuzung im Landkreis steht nach Ansicht von Karl Stecher in Fürstenfeldbruck. Der Straßenverkehrs-Experte aus dem Landratsamt ist zwar mittlerweile im Ruhestand, hat aber weiterhin einen wachenden Blick auf sein Spezialgebiet. Weshalb ihm in seiner Heimatstadt der Knotenpunkt Rothschwaiger/Schöngeisinger/Oskar-von-Miller-Straße ins Auge sticht. Obwohl zuletzt umgebaut, sei diese Kreuzung noch immer brandgefährlich.

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Kostspielige

Was alle Ampeln gemeinsam haben: Sie sind sündteuer. Je nach Ausstattung und Anforderungen kann sich das auf einen sechsstelligen Betrag summieren. 280 000 Euro sind es im Schnitt, eine Fußgängerampel wird mit 70 000 Euro veranschlagt. Zum Vergleich: Ein Kreisverkehr, also die direkte Konkurrenz, kostet im Schnitt so um die 900 000 Euro. Kreisel sind allerdings weniger Pflege- und Wartungsintensiv als Ampeln.

Im Landkreis gibt es mittlerweile keine Anlage mehr, die mit 230-Volt-Glühlampen betrieben wird. Das Straßenbauamt setzt nur noch auf Niedervolttechnik. Diese Halogenlichter müssen alle 16 Monate gewechselt werden. Zug um Zug soll auf LED-Leuchten umgestellt werden. Die müssen in etwa alle zehn Jahre ausgetauscht werden.

Ampeln im Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Langlebige

Die erste Lichtsignalanlage der Welt wurde übrigens am 10. Dezember 1868 in London errichtet. Wann und wo die erste Ampel im Kreis Fürstenfeldbruck gebaut wurde, ist selbst Experten wie Karl Stecher und Thomas Jakob nicht bekannt. Als sicher gilt, dass sie schon längst ersetzt wurde. Denn eine Ampel hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 Jahren.

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