Arbeiten von zu Hause aus: ein wichtiges Instrument, die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.
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Arbeiten von zu Hause aus: ein wichtiges Instrument, die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.

Ein Jahr Pandemie

Nach der Kommunalwahl: Neu-Bürgermeister waren gleich als Corona-Manager gefragt

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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Vor genau einem Jahr folgte für sie dem Jubel eine völlig unerwartete Herausforderung. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 wurden acht Bürgermeister erstmals ins Amt gewählt. Am Tag darauf begann der erste Lockdown wegen Corona. Und nichts mehr war so, wie es sich die Neuen vorgestellt hatten.

Fürstenfeldbruck – Dass nur einen Tag nach der Wahl ganz Bayern lahm gelegt werden sollte, war noch beim Urnengang für alle Beteiligten schwer vorstellbar. Doch schon bald war klar, dass die Rathauschefs ihre Ämter in einem so noch nie dagewesenen Lockdown antreten werden müssen.

Von Tag 1 an im Krisenmodus

„Gefühlt war ich von Tag 1 an in einem positiven Krisenmodus“, berichtet Türkenfelds Bürgermeister Emanuel Staffler. Entscheidungen mussten getroffen, Pläne und Ziele, die man hatte, über Bord geworfen werden. „Plötzlich war man mit ganz anderen Fragen konfrontiert“, so Staffler. Wie schafft man es, die Verwaltung am Laufen zu halten? Wie kann man Kindergärten und Schule unterstützen? Wie soll man die Hygienekonzepte umsetzen?

„Man kommt frisch aus dem Wahlkampf, hat viele Ideen und Ziele, und dann gerät alles plötzlich ins Hintertreffen“, sagt auch Stefan Floerecke, Bürgermeister von Emmering. Gerade anfangs habe er viele – auch unangenehme – Entscheidungen treffen müssen. Vor allem das ständige Nachsteuern bei dem, was erlaubt gewesen sei, sei belastend gewesen.

Besonders anstrengend war das für Bürgermeister, deren Gemeinden Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen sind. So habe er sich teilweise bis zu drei Mal in der Woche mit der Kindergartenleitung getroffen, weil sich ständig die Regeln geändert haben, berichtet etwa Adelshofens Rathauschef Robert Bals. Und auch Franz Ostermeier, Mittelstettens Bürgermeister sagt: „Das waren schon große Herausforderungen.“ Es hätte auch Briefe und Anrufe gegeben, die beileibe nicht angenehm gewesen seien.

Wie erstelle ich ein Hygienekonzept?

Aber es galt nicht nur Bürger zu befrieden, die neuen Bürgermeister standen plötzlich vor Aufgaben, mit denen sie nie gerechnet hätten. Unter anderem mussten sie Hygienekonzepte erstellen – für die Rathäuser, Schulen, Kindergärten, Turnhallen und Feuerwehr-Häuser. „Da musste ich mich erst einmal einarbeiten“, sagt Ostermeier. „Aber nach den ersten zwei ging es dann schon.“

Zudem mussten Möglichkeiten fürs Home-Office für die Rathausmitarbeiter geschaffen werden, wie Floerecke berichtet. Und auch Allings Bürgermeister Stefan Joachimsthaler sagt: „Man hatte deutlich mehr Arbeit durch das ganze Organisieren und Nachfragen.“

Antrittsbesuche fallen weg

Die Rathauschef können ihrem Start im Lockdown auch Positives abgewinnen. Alle sagen, sie hätten mehr Zeit zum Einarbeiten gehabt, da Antrittsbesuche bei Vereinen und Termine weggefallen sind. „Man hat mehr Zeit in die Verwaltungsarbeit stecken können“, erklärt Egenhofens Bürgermeister Martin Obermeier. Gleichzeitig bedauert er aber – so wie alle anderen auch –, dass eben diese Vorstelltermine nicht stattfinden konnten. „Das ging schon ab.“

Vor allem ehrenamtliche Bürgermeister, die ihren Hauptjob in der Pandemie von zuhause aus nachgehen konnten, gewannen mehr Zeit. „Dadurch war ich flexibler, mich in die Materie einzuarbeiten“, berichtet etwa Andreas Folger, Rathauschef in Kottgeisering.

Bürgerstammtisch im Internet

Das Mehr an Zeit ist für Emanuel Staffler aus Türkenfeld aber nicht der einzige Vorteil. „Es ist auch Neues entstanden, auf dem man aufbauen kann“, sagt er. Zum Beispiel wurde in Türkenfeld ein virtueller Bürgerstammtisch ins Leben gerufen. Und auch die Abstimmung mit Behörden sei einfacher geworden, so der Rathauschef. „Früher wäre es undenkbar gewesen, über einen Bebauungsplan in einer virtuellen Sitzung abzustimmen.“ Stattdessen habe man weit im Voraus einen Präsenz-Termin vereinbaren müssen.

Größtes Manko: Fehlende Kontakte

Klar, es gibt die Möglichkeiten, virtuell, telefonisch oder per E-Mail zu kommunizieren. Doch sie ersetzen bei Weitem nicht den persönlichen Kontakt – vor allem zum Bürger. Da sind sich alle acht Rathauschefs einig. „Es fehlt die direkte Rückmeldung“, meint Stefan Joachimsthaler. „Es ist atypisch, dass alles per Video stattfindet“, sagt auch Emanuel Staffler. „Das Amt, vor allem in kleineren Orten, funktioniert so, dass man zu den Menschen geht.“

Kein Bierchen nach der Sitzung

Die Kontaktbeschränkungen wirken sich auch auf die Arbeit der Bürgermeister mit und im Gemeinderat aus. „Man kann als Gemeinderats-Team nicht so zusammenwachsen“, findet Rainer Spicker, der Rathauschef von Althegnenberg. Das Bierchen nach der Sitzung, ein persönliches Wort vor oder danach – das fehle. „Das schafft einfach eine bessere Atmosphäre und eine andere Kommunikationsebene“, findet auch Andreas Folger.

Im Sommer hätten alle Kottgeiseringer Gemeinderatsmitglieder einmal eine Radltour zu einem geplanten Projekt gemacht. Danach habe man noch gemeinsam Pizza gegessen, erzählt Andreas Folger. Vor der Pandemie nichts Ungewöhnliches. „Doch das ist heute noch in Erinnerung.“

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