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Die Feuerwehr Gröbenzell beseitigte einen umgestürzten Baum an der Puchheimer Straße.

Fürstenfeldbruck

Regen setzt Keller und Straßen unter Wasser - dann kommen Orkanböen

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Der starke Regen zeitigt erste Wirkungen. Bäche schwellen an, einige Keller und Unterführungen sind vollgelaufen. Für die Nacht auf Dienstag kündigt der Wetterdienst die Gefahr von Orkanböen an.

  • Am Sonntag und Montag kam es zu starken Regenfällen. Dabei wurden Straßen überflutet. Einige Keller liefen voll
  • Feuerwehren und Hilfskräfte hatten etliche Einsätze abzuarbeiten
  • In der Nacht auf Dienstag kam es zu Orkanböen. Die Feuerwehr musste erneut ausrücken

Fürstenfeldbruck - 

Update 4. Februar: Sturmschäden der Nacht

Nach dem großen Regen kam der Sturm: Eine Kaltfront ist am Dienstagmorgen gegen 5 Uhr über den Landkreis gefegt und hat zahlreiche Bäume umgeworfen. Vielerorts musste die Feuerwehr ausrücken um Straßen wieder passierbar zu machen. Die Hochwassersituation hat sich indessen entspannt. 

An der Schule West in Fürstenfeldbruck mussten Feuerwehrleute einen Kamin sichern. Dieser hatte sich aus seiner Verankerung gelöst und drohte umzustürzen, wie Kommandant Michael Ott berichtet. Die Einsatzkräfte sicherten den Schornstein mit Spanngurten. Außerdem mussten die Retter mehrere umgestürzte Bäume von der Fahrbahn räumen – unter anderem in der Schöngeisinger Straße und am Engelsberg. In Jesenwang waren ebenfalls Bäume auf die Straße gestürzt. Die örtlichen Feuerwehrleute schnitten die Stämme zusammen und sorgten so wieder für freie Fahrt. 

Eine umgewehte Fichte versperrte Pendlern auf der Kreisstraße FFB 1 bei Germerswang den Weg zum Maisacher Bahnhof. Die Feuerwehr beseitigte das Hindernis. In Graßlfing stürzte ein Baum in eine Stromleitung. Die örtliche Feuerwehr beseitigte mit Kollegen aus Gröbenzell die Äste. Probleme im Stromnetz gab es nicht, erklärt Graßlfings Kommandant Matthias Rötsch. In Gröbenzell mussten die Retter zu sieben sturmbedingten Einsätzen ausrücken. In drei Fällen waren Bauzäune umgestürzt. Zudem blockierten umgefallene Bäume den Fischerweg und die Puchheimer Straße. Die Brandbekämpfer kontrollierten auch laufend die Pegel des Gröbenbachs. Der Betriebshof war zudem damit beschäftigt, Treibgut zu entfernen, damit sich das Wasser nicht staut. Überflutungen gab es dann keine. 

Gleiches gilt für Eichenau. Der Pegel des Starzelbaches war am Abend und in der Nacht zum Dienstag stark angestiegen. Zeitweise lag er nur drei Zentimeter unter der Decke einer Betonbrücke. Dort hätte sich das Wasser gestaut und wäre dann in angrenzende Wohngebiete gelaufen. Deshalb bereiteten die Retter den mobilen Hochwasserschutz Beaver vor – einen mit Wasser gefüllten Schlauch, der Fluten ableiten soll. Zum Einsatz kam er laut Eichenaus Kommandant Christian Weber nicht. Am Dienstagmorgen wurde der Beaver wieder abgebaut. Einen kleinen Hochwasser-Einsatz verzeichnete die Feuerwehr in Kottgeisering. Dort war Wasser in ein Wohnhaus gelaufen. Die Helfer setzten einen Nass-Sauger ein, um das Wasser zu entfernen. Glimpflich ausgegangen ist wohl auch die Ausuferung der Maisach bei Nassenhausen. Dort standen am Montag mehrere Hektar Feld unter Wasser. Ein Teil davon gehört dem Landwirt Markus Schlemmer. Er befürchtete am Dienstag lediglich, Müll und Treibgut von seinen Wiesen entfernen zu müssen. Die Überflutung sei aber enorm gewesen. „So etwas gab es schon lange nicht mehr.“

Update Montag, 17.38 Uhr

Dauerregen hat am Montag Rinnsale zu Bächen anschwellen lassen und Felder in Seen verwandelt. Straßen wurden überflutet. Keller liefen voller Wasser. Um ein Haar wäre auch Lothar Messners Traum vom Fliegen baden gegangen. Starkregen hatte das Wasser in die Lichtschächte seines neu gebauten Hauses in Luttenwang gedrückt. Im Keller des 55-Jährigen steht sein ganzer Stolz: ein Flugsimulator für eine Boeing 737. „Zum Glück stand er auf einem Podest“, sagt Messner. Die Luttenwanger Feuerwehr konnte das Wasser gerade noch rechtzeitig abpumpen. 

Bei Nassenhausen hat die Maisach Felder und Wiesen auf einer Fläche von vielen Fußballfeldern überflutet.

Auch ein neues Doppelhaus in Wenigmünchen wurde Opfer der Wassermassen. Benedikt Sticht zog dort vor einer Woche mit seiner Familie ein. Dass Wasser in ihr Haus drang, bemerkten die Bewohner kurz nach Mitternacht. Das Wasser hatte eine Sicherung aktiviert, das Babyfon für das kleine Kind der Familie gab einen Warnton ab. „Die Feuerwehr war nach wenigen Minuten da“, sagt Sticht. 

Ein ansonsten unscheinbarer Graben in Puchheim-Ort ist zum größeren Bach angeschwollen.

Trotzdem wurde ein Netzwerkschrank für Smarthome-Anwendungen geflutet und zerstört. Außerdem vernichtete das Wasser Fotoalben und andere unersetzbare Erinnerungen. Die Einsatzkräfte waren die ganze Nacht damit beschäftigt, die braune Brühe abzupumpen. Aus dem Notfall-Lager des Landkreises in Eichenau wurden dazu Pumpen, Schläuche und Beleuchtung herbeigeschafft.

Die Feuerwehr Wenigmünchen im Wasser-Einsatz.

 Ausrücken musste auch die Feuerwehr Germering. Wie Vize-Kommandant Thomas Mayrhofer berichtet, war ein Regenrohr an der VR-Bank im Zentrum verstopft. Das Wasser strömte in das Gebäude. Eine Dachdecker-Firma sorgte dafür, dass das Wasser wieder abfließen konnte. In Fürstenfeldbruck mussten Helfer die Unterführung der B 2 unter der Bahnlinie auspumpen. Laub und Dreck hatten die Gullys verstopft. 

In Olching war eine Fußgängerunterführung am Bahnhof unpassierbar. Die Straße zwischen Kottgeisering und Pleitmannswang war am Abend komplett überflutet. Lothar Messner kann dem ganzen Schlamassel trotzdem etwas Positives abgewinnen. „Wir haben viele neue Leute von der Feuerwehr kennengelernt“, sagt der Neu-Luttenwanger.

Das war die Erstmeldung vom Montag in der Früh

Das Rinnsal in Puchheim-Ort am Bolzplatz führt normalerweise nur wenig Wasser. Durch die starken Regenfälle vom Sonntag und Montag ist es aber zu einem ansehnlichen Bach angeschwollen. Auch auf einigen Feldern gerade im Westkreis haben sich bereits größere Pfützen gebildet. In Olching am S-Bahnhof ist eine Unterführung überflutet. Auch die Brucker Feuerwehr musste ausrücken. In der Unterführung am Tulpenfeld (B2) stand das Wasser. Eine Firma hat jetzt die Gullys gesäubert.  In Wenigmünchen (Egenhofen) sind laut Kreisbrandrat Hubert Stefan mehrere Keller in einem Neubaugebiet vollgelaufen. Grund war die große Menge an Oberflächenwasser. Auch in Germering und Oberschweinbach hatte die Feuerwehr wasserbedingte Einsätze. Beim Dötelbauer (Alling) ist ein Weiher übergelaufen.

Der Deutsche Wetterdienst hat eine Warnung für die Region herausgegeben. Demnach tritt bis Dienstag ergiebiger Dauerregen auf. Erwartet werden bis zu 90 Liter pro Quadratmeter. (tog/st)

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