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Der Anbau kann im hinteren Teil des Geländes errichtet werden.

In Fürstenfeldbruck

Landratsamt: Stadt gibt grünes Licht für Erweiterung

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Im zweiten Anlauf hat der Bauausschuss grünes Licht für die Erweiterungspläne des Landratsamts gegeben. Doch dafür musste Landrat Thomas Karmasin mächtig kämpfen – und sich Kritik gefallen lassen.

FürstenfeldbruckZur großen Überraschung des Landrats hatte der Bauausschuss die Pläne abgelehnt und mit der Aufstellung eines Bebauungsplans gedroht. Karmasin war höchstpersönlich ins Brucker Rathaus gekommen, um die Kuh vom Eis zu holen. Man stehe sich nicht im Verhältnis Ober und Unter gegenüber, sagte Karmasin. „Wir sind normale Bauwerber.“

Der Kreistag hatte aus sechs Varianten einen Erweiterungsbau im rückwärtigen Grundstücksteil gewählt. Dem Ausschuss wurde nur diese Variante präsentiert. „Die Stadt hätte bei den sechs Varianten eingebunden werden müssen“, kritisierte Rolf Eissele (CSU). Karmasin verwies auf mehrere Abstimmungsgespräche mit der Verwaltung. „Wir waren uns keiner Schuld bewusst, schlecht kommuniziert zu haben.“ Wann die Verwaltung die Gremien in Kenntnis setze, könne er nicht entscheiden. „Dann muss diese Frage jemand anders beantworten“, meinte Gabriele Fröhlich (SPD) in Richtung OB Erich Raff (CSU). Hans Schilling (CSU) verwies auf zwei Ortstermine mit der Baukommission des Kreistags. „Wir haben am Anfang auch nicht hurra geschrien, aber es ist die sinnvollste Lösung.“

Mitarbeiter brauchen Platz

Karmasin warb noch einmal für die Pläne. Man habe um über 100 Mitarbeiter aufgestockt. Die müssten oft mit dem Auto zur Arbeit fahren. Alle Möglichkeiten, in den Büros nachzuverdichten, seien erschöpft. „Die Situation ist räumlich prekär und parkplatztechnisch schwierig.“

Da die Stadt bereits unter der Ära von Sepp Kellerer den Wunsch nach einem Parkdeck geäußert habe, sah Karmasin nun den richtigen Zeitpunkt für mehr Büros und Parkplätze gekommen. Das stellen die Stadträte nicht in Abrede. Aber sie möchten den Anbau lieber auf dem jetzigen Parkplatz an der Münchner Straße – einer bereits versiegelten Fläche. „Ich will nicht als größter Bauberserker in die Geschichte eingehen“, entgegnete Karmasin. Er wolle eine anschaubare Architektur für den Eingang zur Stadt.

Klaus Wollenberg (FDP) kritisierte, dass das Landesamt für Denkmalpflege nicht in die Planung eingebunden war. Die massive Veränderung des stufenförmigen Gebäudes, das durch die Glas-Fassade nun zum Würfel werde, stört ihn. „Kann man stattdessen nicht eine zarte Brücke im zweiten Stock machen?“ fragte Fröhlich. „Der Eingriff in die Bausubstanz reut einen schon ein bisschen“, gab der Landrat zu. Doch als das Amt in den 1970er-Jahren gebaut wurde, habe man sich eben noch keine Gedanken über Versiegelung und Platzbedarf gemacht. Und durch die Verglasung seien die Terrassengeschosse noch zu erkennen, meinte Ulrich Schmetz (SPD).

Biotop für Frösche und Fußgängerbrücke

Nach der ersten Absage hat die Behörde nachgebessert: Eine Grünfläche soll als Biotop für die Frösche hergerichtet werden. Karmasin sprach von einem Grünstreifen, der sich vom Landratsamt über die Berufschule bis zum Wittelsbacher Park ziehen soll. Für den Fuß- und Radweg wird eine Brücke über die Einfahrt zum Parkdeck gebaut. Diese soll barrierefrei sein, forderte Alexa Zierl (Die Partei & Frei).

Der Landrat war um einen Kompromiss bemüht. „Was können wir tun, um Ihnen die Zustimmung zu erleichtern?“ Der Basar war eröffnet. Zierl, dem in den Plänen jeglicher Klimaschutz fehlte, wünschte sich mehr Radstellplätze, die Möglichkeit, alle Parkplätze mit Stromladestellen zu versorgen und mehr Fotovoltaik und Dachbegrünung. Das sind alles Punkte, die das Bauamt im Rahmen des Bauantrags verhandeln muss. In Aussicht stellen konnte Karmasin zumindest, dass der Fuß- und Radweg öffentlich gewidmet wird. Nach zweistündiger Debatte hatte er die Mehrheit überzeugt. Mit 9:6 Stimmen genehmigte sie die Bauvoranfrage und verzichtete auf einen Bebauungsplan. Damit ist ein möglicher Rechtsstreit vom Tisch.

Kritik an Warnung

Bevor es um die Sache ging, musste sich Landrat Thomas Karmasin Kritik für seine Androhung, wer nicht richtig abstimme, mache sich strafbar, anhören. „Ich fühle mich in meiner Ausübung des Mandats als Stadtrat unter Druck gesetzt“, meinte Klaus Wollenberg (FDP). Auch Rolf Eissele (CSU) erklärte, das habe ihn in seinem Demokratieverständnis irritiert. Er werde nie jemanden bedrohen, er warne nur, konterte Karmasin. „Aber der Gedanke, man ist in der Ausübung des Mandats völlig frei, führt manchmal in die Irre.“ Der Stadtrat sei an Recht und Gesetz gebunden. „Diese Belehrung brauchen wir glaube ich nicht“, meinte Gabriele Fröhlich (SPD).

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