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Interview mit dem Landratskandidaten der Grünen: „Bei der Energiewende müssen wir selbst anpacken“

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Von: Thomas Steinhardt

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Jan Halbauer (Grüne) will Landrat werden.

Sieben Kandidaten bewerben sich im Landkreis um das Amt des Landrats. Darunter der Amtierende selbst. Das Tagblatt hat allen Kandidaten Fragen zu ihrem Programm gestellt. Heute ist Jan Halbauer (Grüne) an der Reihe.

Eines Ihrer Ziele ist die Versorgung des Landkreises mit 100 Prozent erneuerbaren Energien. Wie soll das zu schaffen sein?

Wir brauchen Mut zur Veränderung. Mit mir wird das Landratsamt ein modernes und ökologisches Gesicht bekommen. Denn nur, wenn die öffentliche Hand entschlossen agiert, können wir gemeinsam etwas bewegen. Nehmen Sie beispielsweise den Status Quo der landkreiseigenen Gebäude: Neun von 29 Gebäuden sind erst mit Photovoltaikanalagen ausgestattet. Wir können problemlos sofort beschließen, dass wir pro Jahr zwei PV-Anlagen installieren. Das wäre ein entscheidender Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Mal davon abgesehen, dass wir die heimische Wirtschaft damit fördern.

Zusatzfrage: Wie kann ein Landrat die Windkraft ausbauen?

Indem ein Landrat das Thema gemeinsam mit den Bürgern und Bürgermeistern anschiebt und auf die eigene Agenda setzt. Wir können nicht immer auf andere Landkreise und Bundesländer zeigen, wenn es um die Energiewende geht. Wir müssen selbst anpacken! Mehr Bürgerinformation und -beteiligung, aktive Standortsuche für Windräder und die Einbindung von Industrie und Energieversorgern in schlüssige Versorgungskonzepte: das ist das Rezept, mit dem auch ein Landrat die Windkraft wiederbeleben kann.

Sie fordern mehr Bäume, mehr Grünflächen, mehr Fassadenbegrünung. Was kann ein Landrat wirklich dazu beitragen, dass dies gelingt?

Viel. Wie oben bereits erwähnt, soll das Landratsamt eine Vorbildfunktion einnehmen. Wir müssen alle unsere landkreiseigenen Gebäude ökologisch umbauen: PV-Anlagen auf das Dach, Fassaden begrünen, den Baumbestand auf unseren Grundstücken erhalten, klimaneutrale Heizanlagen installieren. Darüber hinaus soll das Klimaschutzmanagement des Landratsamts eine deutlich größere Rolle in diesem Prozess einnehmen und mit mehr Mitteln ausgestattet werden.

In ihrem Wahlprogramm fordern Sie den viergleisigen Ausbau der S4 bis Fürstenfeldbruck. Die örtliche CSU scheitert daran seit Jahren. Wie glauben Sie, die vier Gleise bei der Staatsregierung durchsetzen zu können?

Indem wir nicht locker lassen und Sachargumente immer wieder vorbringen. Die örtliche CSU hat wohl eher einfach geschluckt, was die Staatsregierung ihr vorgesetzt hat. Gemeinsam mit den Bürgermeistern von Puchheim bis Geltendorf werde ich ein Bündnis schmieden, die Umwelt- und Verkehrsverbände einbinden und im Monatsrhythmus der Staatsregierung auf die Füße steigen. Öffentlicher Druck kann Wunder bewirken, man darf eben Entscheidungen aus dem Ministerium nicht als gottgegeben hinnehmen.

Viele sorgen sich, dass eine Mehrheit der Grünen das Ende des Individualverkehrs bedeuten könnte. Was sagen Sie dazu?

Diese Sorge ist unbegründet. Der Individualverkehr kann und muss in unserer Gesellschaft zukunftssicher umgebaut und nicht beendet werden. Wir brauchen ein besseres und attraktiveres Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel, sichere und komfortable Infrastruktur für Fahrräder und Pedelecs, Carsharing und vor allem eine gute Vernetzung sämtlicher Verkehrsmittel. Autofahrer gegen Radler oder Bahnnutzer auszuspielen halte ich für einen vollkommen verkehrten Ansatz.

Die Grünen setzen stark darauf, dass viele Pendler aufs Fahrrad umsteigen. Wie soll das im Winter gelingen?

Die stärkere Nutzung des Fahrrads ist doch nur eine – selbstverständlich wetterabhängige – Alternative von vielen. Wir Grüne setzen in aller erster Linie mal auf einen Ausbau der Schiene. Hier brauchen wir dringend vier Gleise bis Fürstenfeldbruck, um im Landkreis ein attraktives Angebot für Pendler zu haben. Selbstverständlich stehen wir auch für einen massiven Ausbau der Radl-Infrastruktur: Fahrradschnellwege zwischen den Gemeinden, bauliche Radwege innerorts, intelligente Ampelschaltungen, sichere Kreuzungen, abschließbare Fahrradboxen an Bahnhöfen und vieles mehr. Die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis – und nicht nur hier – fahren gern und viel mit dem Rad; das werden wir unterstützen, ausbauen und so komfortabel und sicher wie möglich machen.

Weil Sie aktuell ja auch Stadtrat sind: Wie würden Sie die Rolle des Landrats bei der Konversion des Fliegerhorst Fürstenfeldbruck sehen?

Die Konversion des Fliegerhorstes ist ein sehr spannendes Projekt. Hier soll ein ökologischer Musterstadtteil entstehen. Ein Stadtteil der kurzen Wege, CO2-neutral und optimal angebunden an den öffentlichen Personennahverkehr. Eine gesunde Mischung aus Wohnen, Leben und Arbeiten. Dazu gehören auch Einheimischenmodelle und vor allem die Schaffung günstigen Wohnraums. Der Landrat muss hier eine moderierende Rolle einnehmen und vor allem im Bereich der nachhaltigen Unternehmensansiedlung die Beteiligten unterstützen.

Wenn Sie Landrat werden sollten, was wäre Ihre erste Amtshandlung?

100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 zur Priorität Nummer 1 im Landratsamt machen. Das Recht auf Arbeit für Flüchtlinge nach Ablauf von drei Monaten Aufenthalt in Deutschland konsequent und ohne Umwege in unserer Ausländerbehörde umsetzen. Darüber hinaus muss die 3+2- Regelung endlich Berücksichtigung finden; das fördert die Integration und wird auch von zahlreichen Ausbildungsbetrieben im Landkreis immer wieder angemahnt und gefordert.

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