Christoph Maier tritt für die SPD an.

Kommunalwahl 2020

Interview mit dem SPD-Landratskandidaten: „Ich fühle eine Sehnsucht nach sozialem Zusammenhalt“

  • schließen

Sieben Kandidaten bewerben sich im Landkreis um das Amt des Landrats. Darunter der Amtierende selbst. Das Tagblatt hat allen Kandidaten Fragen zu ihrem Programm gestellt. Heute ist Christoph Maier (SPD) an der Reihe.

Die SPD befindet sich in gefühlt stetigem Abwärtstrend – der Zuspruch sinkt. Trotzdem haben Sie sich zur Kandidatur entschlossen. Warum?

Maier: Ich empfinde es als Ehre, für die Sache der sozialen Demokratie bei einer Wahl antreten zu dürfen. Ich bin seit einem Jahr unterwegs im Landkreis und fühle eine große Sehnsucht nach sozialem Zusammenhalt. Die Landratswahl ist vor allem eine Personenwahl. Und da bringe ich einiges mit. Kurzum: Wenn ich nicht eine gute Chance sehen würde, zu gewinnen, würde ich nicht antreten.

Sie setzen im Wahlkampf durchaus offensiv auf das Thema Klimaschutz. Machen sie hier den Grünen auf deren ureigenem Feld Konkurrenz?

Ein Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit ist das Thema Energie. Mein Sohn ist bei Fridays for Future aktiv und ich finde nicht, dass sich meine Generation beim Klimaschutz mit Ruhm bekleckert hat. Ich habe also in diesem Feld Motivation und Kompetenz mit unserem Konzept „Klimaschutz konkret – jetzt machen!“ werde ich direkt durchstarten. Mein Amtsvorgänger ist mit seinem Klimaschutzkonzept ja, wie er selbst einräumt, krachend gescheitert. Das wird mir nicht passieren.

Als Ziel bezeichnen Sie es in Ihrem Wahlprogramm, in den nächsten sechs Jahren 3000 Wohnungen bauen zu wollen. Betrachtet man die Zuständigkeiten und Kompetenzen eines Landrats: wie glauben Sie, dass Ihnen das gelingen könnte?

Wir wollen das in einer gemeinsamen Anstrengung von Kommunen und Landkreis hinkriegen. Die Kommunen errichten die Wohnungen, bleiben Eigentümer und entscheiden später, wer dort wohnt. Die Wohnbaugesellschaft des Landkreises kümmert sich als Dienstleister um Entwicklung, Bau und Verwaltung. Finanziert über das kommunale Wohnungsbauförderprogramm des Freistaates (KommWFP). Eigentlich nicht so schwierig, die sozialdemokratisch regierten Städte Puchheim und Olching machen es ja vor.

Ebenfalls kündigen Sie den Bau von über 20 Windrädern an. Wie kann das gelingen?

Wir wollen bis 2026 100 Prozent regenerative Stromerzeugung, mit zusätzlich 3,2 km² PV und 20 neuen Windrädern. Wir haben es berechnet. Wir müssen in einen schnellen Diskurs mit allen relevanten Gruppen unserer Gesellschaft kommen: Bürger, Unternehmen, Stadtwerke, Landwirte und Politik. Das Ziel ist ein lokaler Klimapakt. In diesem Kontext werden wir auch Standorte für die Windräder suchen, diskutieren und vereinbaren. Ganz wichtig wird dabei auch eine echte Beteiligung der Bürger an den Anlagen mit finanziellen Vorteilen sein. Das muss ein Projekt für alle werden.

Sie möchten gerne einen Sozialausschuss im Kreistag einführen. Welche Themen soll der behandeln? Was wäre sein Ziel?

Ich stehe für eine soziale Idee von Demokratie. In einem eigenen Sozialausschuss sollen alle Themen, die das soziale Miteinander des Landkreises fördern, behandelt werden. Das geht von Fragen der Pflege über die Koordination der Integration für Menschen mit Migrationshintergrund bis zu Frage von steigender Obdachlosigkeit im Landkreis und der Armutsbekämpfung, insbesondere bei Kindern und Älteren. Das soll die Förderung von Ehrenamt durch Qualifizierungsprogramme genauso beinhalten wie Themen der gesellschaftlichen Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Landkreis unabhängig von ihrer geschlechtsspezifischen Identität, ihrer Behinderung oder ihrer Herkunft. Das braucht die Förderung einer lebendigen Zivilgesellschaft, bessere Netzwerke, Schaffung von Anreizen für innovative Projekte. Alles Themen und Entscheidungen, die nicht in die bisher vorhandenen Ausschüsse passen und einen Sozialausschuss mit teils vorberatender, teils beschließender Funktion benötigen.

Wie beurteilen Sie die Finanzlage des Landkreises?

Die Finanzlage leidet sehr unter dem leider hausgemachten Sanierungsstau. Ein professioneller und fortlaufender Gebäudeunterhalt, so z.B. an unseren weiterführenden Schulen, hätte viel Geld gespart. Allein beim Olchinger Gymnasium kommt das den Steuerzahler mit einer Mehrbelastung von 20 Millionen Euro teuer zu stehen. Investitionen möchte ich grundsätzlich so tätigen, dass möglichst viele Menschen im Landkreis etwas davon haben: Also z.B. weiterführende Schulen nicht an der Kreisgrenze bauen, sondern gut erreichbar für viele möglichst in S-Bahnnähe. Gegenüber dem Kreistag und den die Kreisumlage zahlenden Städten und Gemeinden stehe ich für Transparenz in der Haushaltsführung. Anders als in der Vergangenheit sollen Haushaltsplan und Rechnungsergebnis möglichst übereinstimmen und nicht zu Lasten der Umlagezahler voneinander abweichen. Auch habe ich nicht den Eindruck, dass die üppige Förderlandschaft – insbesondere z.B. im Bereich des Kilmaschutzes – bislang im Kreis hinreichend genutzt wird.

Wenn Sie ins Amt kämen, was würden Sie als Ihre erste Aufgabe betrachten?

Ich werde den Menschen durch Taten das Gefühl zurückgeben, dass an der Spitze des Landratsamtes jemand steht, der sich wirklich für ihre Themen interessiert. Ich will Impulsgeber und Kümmerer sein. Gesellschaftlichen Diskurs und Konsens für die Lösung der großen Fragen organisieren. Der Landkreis hat Besseres verdient, als Schlusslicht bei fast allen, unser Lebensumfeld beeinflussenden, relevanten Themen unter den Speckgürtellandkreisen rund um die Landeshauptstadt zu sein.

Wie beurteilen Sie Ihren Wahlkampf bisher? Welche Bitten/Themen/Probleme aus der Bevölkerung wurden an Sie herangetragen?

Ich mache ja eine ganze Menge im Wahlkampf. Klassische politische Veranstaltungen, Social Media, eine Bandtour durch den Landkreis, Treffen mit fast allen relevanten Interessenvertretern und vor allem hunderte von Gesprächen vor Ort. Dabei habe ich vor allem viel Unzufriedenheit gehört mit dem Status Quo und der Amtsführung meines Amtsvorgängers. Überlange Bearbeitungszeiten und schlechte Kommunikation bei den Baugenehmigungen nerven die Menschen, auch das Versagen bei der S-Bahn und ein Verkehrsinfarkt ohne Aussicht auf Besserung. Marode Schulen wie in Olching und Puchheim machen Schüler und Eltern richtig sauer. Für jedes der vielen nicht gelösten Probleme gibt es immer nur Ausreden. Ich spüre eine große Sehnsucht nach einem der anpackt, einem Macher. Ich habe viel Lust auf einen Wechsel wahrgenommen. Und ich mache Wahlkampf, um diesen Wechsel zu erreichen und Landrat für die Menschen in Fürstenfeldbruck zu werden.

Auch interessant:Der große Überblick über die Kommunalwahl in der Region FFB.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kult-Bäcker setzt auf Ehepaar als Nachfolger
Im Herbst vergangenen Jahres hat Puchheims Kult-Bäcker Martin Schönleben seine Kunden mit einer Hiobsbotschaft geschockt: Er kündigte an, dass er sich selbst beruflich …
Kult-Bäcker setzt auf Ehepaar als Nachfolger
Corona-Krise in FFB: Hilfs-Krankenhäuser werden eingerichtet
In Reaktion auf die Corona-Krise hat das Landratsamt beziehungsweise die Führungsgruppe Katastrophenschutz weitere Maßnahmen ergriffen. Unter anderem werden …
Corona-Krise in FFB: Hilfs-Krankenhäuser werden eingerichtet
Stadt Olching sucht Näher von Schutzmasken
In der Corona-Krise ist Zusammenarbeit gefragt. Um die zahlreichen systemrelevanten Mitarbeiter wie auch Ehrenamtlichen mit entsprechenden Schutzmasken versorgen zu …
Stadt Olching sucht Näher von Schutzmasken
Blaulicht-Ticker: Betrunkener radelt durch Olching
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulicht-Ticker: Betrunkener radelt durch Olching

Kommentare