Der letzte Jahrgang: Die Absolventen präsentieren sich zum sozusagen historischen Foto für die Familienalben.
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Der letzte Jahrgang: Die Absolventen präsentieren sich zum sozusagen historischen Foto für die Familienalben.

Rückblick

Erinnerung an eine besondere Zeit in der Brucker Landwirtschaftsschule

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Generationen von Bauern haben an der Landwirtschaftsschule ihren Beruf von der Pieke auf erlernt und wertvolle Kontakte geknüpft. In manchen Familien drückten einst die Großväter und später die Enkel die Schulbank. Diese Ära ging nun zu Ende – die Erinnerungen bleiben.

Fürstenfeldbruck – Der letzte Jahrgang hat heuer an der Landwirtschaftsschule Fürstenfeldbruck im Grünen Zentrum Puch seinen Abschluss gemacht. Zwölf Absolventen sind nun Wirtschafter des Landbaues und Bachelor Professional für Agrarwirtschaft. Die Schule schloss indessen für immer ihre Pforten. Es war ein Ende mit Ansage, das trotzdem manchen wehmütig macht.

99 Jahre wurde an der Schule an verschiedenen Standorten in der Kreisstadt unterrichtet (siehe Kasten). Das 100-jährige Bestehen zu feiern, war der Einrichtung nicht mehr vergönnt. Die Zahl der Anmeldungen hatte in den vergangenen Jahren immer mehr abgenommen. Schon der jetzige Abschlussjahrgang mit zwölf Schülern, der 2019 an den Start ging, konnte die drei Semester nur noch per Ausnahmegenehmigung absolvieren.

Landwirtschaftsschule: Der Jahrgangsbeste

Als letzter Jahrgangsbester geht dabei Florian Wolf mit einer Note von 1,37 in die Annalen ein. Der 21-Jährige arbeitet auf dem elterlichen Hof in Ebersried (Landkreis Dachau) nahe Egenhofen. Die Familie, die Spargel, Erdbeeren und Äpfel anbaut, hat auch Felder im Landkreis Fürstenfeldbruck. Obwohl er dem letzten Jahrgang angehörte, hat Wolf nicht allzu viel Abschiedsstimmung wahrgenommen. „Die Lehrer haben es ab und zu mal erwähnt, dass es das letzte Jahr ist, aber sonst war es im Großen und Ganzen wie in den ersten Semestern“, sagt er.

Für seine guten Leistungen hat Wolf ein Stipendium zur Weiterbildung bekommen. „Ich werde die höhere Landbauschule in Rotthalmünster besuchen“, sagt er. Dort wird er ein Jahr lang in Vollzeit und bei sehr individuellem Unterricht zum Agrarbetriebswirt ausgebildet.

Ebenfalls dem letzten Abschlussjahrgang gehörte Christian Hackl aus Grafrath an. Er ist damit in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Anton Hackl besuchte die Schule Mitte der 80er-Jahre. Seitdem hatte sich sowohl in der Landwirtschaft als auch im Unterricht einiges verändert – seit Corona vor allem auch in Sachen Digitalisierung.

Landwirtschaftsschule: Corona-Einschränkungen

„Im Sommersemester haben wir uns noch viele Betriebe vor Ort angeschaut“, erzählt Christian Hackl. „Mit Corona bekamen wir aber saubere Einschränkungen.“ Abgesehen von den Prüfungen fand der Unterricht von Dezember bis März ausschließlich online statt. Den Umgang mit dem PC müssen heutige Landwirte aber ohnehin mehr beherrschen als noch die früheren Generationen. Denn die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt.

„Vor allem die Düngeverordnung macht uns Landwirten das Leben heute schwer“, sagt Vater Anton Hackl. Die Vorschriften, die es zu beachten gilt, und die Nachweise, die man führen muss, lassen sich im Prinzip nur noch mit dem Computer bewältigen. Die Bürokratie macht dennoch vielen Bauern den Garaus. „Die Auflagen zum Klima- und Umweltschutz haben ihre Berechtigung“, sagt Anton Hackl. „Man sollte aber auch darauf achten, dass sie praxistauglich sind.“ Viele Landwirte – und zwar nicht nur die kleineren – würden das nicht mehr mitmachen.

Landwirtschaftsschule: Viele Miichviehhalter

Die Landwirtschaft hat sich seit der Schulzeit des Vaters aber auch in anderen Bereichen stark gewandelt. „Wir waren damals 18 Schüler, davon 16 aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck.“ Der überwiegende Teil habe eine Milchviehhaltung gehabt. „Zuletzt waren vielleicht noch zwei aus dem Landkreis und kaum noch Milchviehbauern darunter“, sagt Anton Hackl. Entweder geben die Bauern ihre Betriebe ganz auf, oder sie satteln auf Ackerbau um.

Dass die Landwirtschaftsschule nun schließt, bedauert der Grafrather Landwirt. „Es war eine schöne Zeit damals, und es herrschte ein guter Zusammenhalt“, erinnert sich der 55-Jährige. So besonders sei die Gemeinschaft gewesen, dass noch heute viele Bauern von ihrer Schulzeit erzählen.

Doch nun ist die Landwirtschaftsschule Geschichte. Angehende Bauern müssen sich Alternativen suchen. „Nach der Landwirtschaftslehre können Interessenten die Fachschule in Pfaffenhofen, die Ökoschule in Weilheim oder die Technikerschule in Landsberg besuchen“, sagt Schulleiterin Marianne Heidner.

In Puch werde die Hauswirtschaftsschule fortgeführt, und auch das staatliche Versuchsgut und das Amt für Landwirtschaft bleiben. Zudem sollen verstärkt Kurse des Bildungsprogramms Landwirtschaft (Bilap) dort stattfinden. Über ihren letzten Abschlussjahrgang sagt Heidner Ähnliches wie Hackl über seine Schulzeit: „Es war eine gute Klassengemeinschaft. Ich bin stolz auf die Absolventen.“

Nur ein Jahr fehlte zum großen Jubiläum

Nur ein Jahr hat der Landwirtschaftsschule zum großen Jubiläum gefehlt: Vor 99 Jahren, also 1922, wurde die Schule gegründet und war zunächst zehn Jahre lang im Lazarettflügel der Unteroffiziersschule im Kloster Fürstenfeld untergebracht.

Bis 1951 beheimatete die Aumühle die Schule, ehe sie ins Gebäude an der Bismarckstraße umzog. Ihren letztlich finalen Standort bezog die Schule vor noch gar nicht allzu langer Zeit.

2011 war die Landwirtschaftsschule die erste Einrichtung, die das neu gegründete Grüne Zentrum Puch mit Leben füllte – neben dem Amt für Ernährunge, Landwirtschaft und Forsten, dem Bauernverband, dem Maschinenring, dem Versuchsgut, der Waldbauernvereinigung und dem Landschaftspflegeverband. ad

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