Sabrina Leidenroth von der Caritasberät MPU-Kandidaten

Caritas berät zur Medizinisch-psychologischen untersuchung

Der lange Weg zurück zum Führerschein

Raserei, zu viele Punkte, Alkohol, Drogen: Gründe, den Führerschein zu verlieren gibt es viele. Zusätzlich droht dann noch oft eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Die Brucker Caritas unterstützt Verkehrssünder bei diesem Spießrutenlauf.

Fürstenfeldbruck – Der Lappen ist weg und dann flattert auch noch ein Schreiben der Fahrerlaubnisbehörde ins Haus. Ein Sachbearbeiter hat entschieden: Man muss zur MPU. Das bedeutet: Man muss der Behörde in einem langwierigen und kostspieligen Prozess beweisen, dass man wieder geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Kein einfaches Unterfangen. Deshalb berät und begleitet die Sozialpädagogin und Suchtberaterin Sabrina Leidenroth von der Caritas MPU-Kandidaten auf ihrem langen und steinigen Weg zurück zum Führerschein.

In Gruppenseminaren sollen sich Fahrer, die ihren Schein verloren haben, über ihr Fehlverhalten austauschen. Dabei sollen sie sich insbesondere mit ihrem Trink- und Konsumverhalten auseinandersetzen. Es sind aber auch ganz profane Dinge, die die Delinquenten beschäftigen: Was kommt in dem Verfahren auf mich zu? Wie lange dauert es? Mit welchen Kosten habe ich zu rechnen? Und warum wird überhaupt eine MPU angeordnet?

Gerade auf letztere Frage gibt es viele Antworten, weiß Suchtberaterin Leidenroth: Bei Alkoholsündern am Steuer etwa komme es darauf an, wie viel sie getrunken haben. Wer 1,6 Promille oder mehr im Blut hat, wird um den „Depperltest“ nicht herumkommen.

Eine MPU kann aber auch Menschen treffen, die gar nicht mit dem Auto unterwegs sind. Wenn man zum Beispiel ein Vergehen nach dem Betäubungsmittelgesetz begehe, könne die Behörde ebenfalls eine Untersuchung verlangen. Und auch wer stark betrunken mit dem Drahtesel unterwegs ist, kann in die Fänge der MPU geraten.

Die besteht aus mehreren Untersuchungen. Da wäre zunächst die medizinische Kontrolle. Hier wird überprüft, ob der Fahrer überhaupt noch in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen. Vor allem nach Schlaganfällen muss überprüft werden, ob man noch motorisch fähig ist, zu fahren. Bei alkoholbedingten Untersuchungen müssen über einen längeren Zeitraum Abstinenznachweise erbracht werden. Dies kann über Urin- oder Haaranalyse geschehen.

Der zweite Teil findet dann im Gespräch mit einem Psychologen statt. Dabei wird analysiert, ob der Kandidat ein Problem mit Sucht hat sowie, ob er das Vergehen verstanden und sich geändert hat. Schwierig kann es sein, herauszufinden, ob die Person nur vorgibt sich geändert zu haben oder wirklich geläutert ist. „Die Fahrerlaubnisbehörde erhält den Polizeibericht, in dem die Daten der Trunkenheitsfahrt festgehalten sind. Diese erhält der Gutachter mitsamt der Führerscheinakte. Anhand dieser Informationen kann der Gutachter Hinweise ableiten, ob derjenige ein Gewohnheitstrinker ist oder nur einmal über die Stränge geschlagen hat“, erklärt Sabrina Leidenroth. Vor allem in diesem Teil bestehen viele Fahrsünder ihre MPU nicht.

Die dritte Untersuchung ist ein Reaktionstest. Dabei soll am Computer herausgefunden werden, ob die Reflexe der Person gut genug sind, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Zum Beispiel muss man hier zu einem bestimmten Zeitpunkt schnellstmöglich die richtige Taste drücken. Für Menschen, die mit einem Computer nicht zurechtkommen, gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Prüfer eine Testfahrstunde zu machen.

Alles in allem kann eine MPU über ein Jahr dauern und kostet den Fahrsünder in der Regel leicht über 1000 Euro. Daher ist es extrem ärgerlich, wenn man dann nicht besteht. Oft erlebt Suchtberaterin Leidenroth in dem langwierigen Prozess aber einen ernst zu nehmenden Wandel bei den Kandidaten. „Viele erleben so etwas wie einen Weckruf in den Seminaren und ihnen wird klar, sie müssen etwas ändern.“ (tel)

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