Die neue Tarifstruktur beim MVV - hier ein Ausschnitt mit Fokus auf die Region FFB.

Fürstenfeldbruck

Langsam wird es ernst: Fragen und Antworten zur MVV-Tarifreform

Auf Bus- und S-Bahnnutzer rollt die größte Änderung seit 20 Jahren zu: Die MVV-Tarifreform tritt am 15. Dezember in Kraft. Dann ist beim MVV vielleicht nicht alles, aber vieles neu. 

Gibt es bei der Reform mehr Gewinner oder mehr Verlierer?

Die MVV-Tarifreform macht die Benutzung von Bussen und S-Bahnen im Durchschnitt um sieben Prozent günstiger. Teils werden Verbindungen auch teurer: Es gibt Gewinner und Verlierer, wobei die Zahl der Gewinner die Zahl der Verlierer um ein Vielfaches übersteigt, wie die Verantwortlichen betonen.

Was ist der Kern der Veränderungen?

Aus den alten 16 Tarif-Ringen werden sieben neue Zonen. Und ganz München bildet künftig eine einzige Zone. „Bus und Bahn werden vor allem für die Leute günstiger, die häufig fahren“, sagt Norbert Specht vom MVV. „Die IsarCard kostet in der Zone M dann nur noch sensationelle 55,20 Euro monatlich, statt bisher 66,60 Euro und im Jahresabo 43,50 Euro.“ Das Jahresabo gibt es für 522 Euro. Wer in der M1-Zone wohnt, zahlt künftig 88,90 Euro im Monat.

Wie findet jeder den Fahrpreis für seine Strecke heraus?

Im Internet unter www.mvv-muenchen.de/tarifreform können Fahrgäste den MVV-Tarif-Check nutzen Hier kann man sich ausrechnen lassen, was künftig wie viel kostet.

Was ändert sich konkret in Olching und Alling, Eichenau, Gröbenzell und Puchheim?

Alle Haltestellen in Esting, Neu-Esting, Geiselbullach, Graßlfing und Olching selbst liegen künftig einheitlich in der Übergangszone 1/2. Wer mit dem Bus zum S-Bahnhof fährt, muss bei Weiterfahrt nach München nicht zusätzlich für den Bus bezahlen. Übergangszone bedeutet: Man befindet sich praktisch in zwei Zonen gleichzeitig und kann beide je nach Richtung nutzen.

Im selben Übergangsbereich liegen Alling (außer Biburg und die kleinen Ortsteile), Eichenau, Gröbenzell und Puchheim. Wer innerhalb dieser Kommunen fahren möchte, braucht eine Fahrkarte für Tarifzone 1.

Was sollten Fahrgäste in und um Maisach wissen?

Der S-Bahnhof Malching und die Bushaltestellen in Deisenhofen, Frauenberg, Galgen, Germerswang, Malching, Oberlappach, Obermalching, Rottbach, Stefansberg, Überacker und Weiherhaus liegen künftig im Übergangsbereich 2/3, genau wie der Ort Maisach selbst. Kuchenried liegt ebenfalls in 2/3. Das heißt: Ganz Maisach liegt dann in Tarifzone 2, kann aber auch Tarifzone 3 nutzen. Ganz Maisach? Nein. Gernlinden liegt ausschließlich in Zone 2.

Wie kommen Türkenfelder ohne Mehrkosten zu den Regionalzügen ab Geltendorf?

Der Bahnhof Geltendorf wandert in den Übergangsbereich 4/5. Türkenfelder Fahrgäste können so ohne Mehrkosten mit der S4 nach Geltendorf und dort in einen Regionalzug nach München steigen.

Wie profitieren Jesenwang und Adelshofen von den neuen Tarifen?

Alle Bushaltestellen in Jesenwang (mit Pfaffenhofen) und Adelshofen (samt Luttenwang und Nassenhausen) liegen künftig in der Überlappung 3/4. Sie können damit innerhalb einer Tarifzone nach Fürstenfeldbruck fahren. Busfahrten zu den Bahnhöfen Grafrath, Mammendorf und Schöngeising müssen nicht zusätzlich bezahlt werden, sofern der Fahrgast nach München weiterreist.

Warum fahren Passagiere aus Fürstenfeldbruck, Egenhofen und Oberschweinbach bald oftmals gratis mit dem Bus?

Die Haltestellen in Egenhofen, Dirlesried, Furthmühle, Herrnzell, Poigern, Rottenfuß und Weyhern, überhaupt alle Halte in der Großgemeinde Egenhofen, liegen im Übergang 3/4 – auch Oberschweinbach und Günzlhofen. Wer von dort im Bus nach Mammendorf fährt und weiter nach München, muss den Bus nicht bezahlen. Alle Haltestellen in Fürstenfeldbruck liegen künftig in 2/3. Dort gilt die selbe Bus-Preis-Befreiung.

Weshalb bleibt Germering beim MVV eine geteilte Stadt?

Im Gegensatz zu Fürstenfeldbruck bleibt die Stadt Germering auch nach der Tarifreform zweigeteilt. Der S-Bahnhof Harthaus liegt in der Zone M1, der Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen in Zone 1. Eine Vereinheitlichung der Fahrpreise wäre nur möglich gewesen, wenn man Harthaus verschlechtert – sprich die Tickets von dort aus verteuert – hätte, was man aber nicht wollte, erklärte MVV-Sprecher Specht. Ganz Germering in die Zone M1 zu legen, hätte wegen der enormen Fahrgastzahlen aber zu hohe Finanzausfälle zur Folge gehabt.

Muss man für die ganze München-Zone zahlen, wenn man nur in die Außenbereiche der Landeshauptstadt will?

Nein, deshalb wurde extra der Bereich M1 geschaffen. Er hilft, harte Tarifsprünge zu vermeiden. Wer etwa aus Fürstenfeldbruck nach Pasing fahren möchte, muss damit nicht für die gesamte M-Zone bezahlen.

Wo ändert sich der Fahrpreis durch die Tarifreform besonders deutlich?

Wie aus einem Papier des Landkreises hervorgeht, werden tatsächlich sehr viele Fahrten mit der Isar-Card billiger. Zu den Verlierern indes gehört beispielsweise, wer mit der Isar-Card Monat von Malching nach Laim möchte. Er zahlt künftig 113,40 Euro statt bisher 103,70, also 9,4 Prozent mehr. Gleich um 25 Prozent teurer wird die Verbindung mit der Isar-Card-Monat von Gernlinden nach Laim. Deutlicher billiger, nämlich um 30,4 Prozent, wird beispielsweise die Isar-Card-Monat für die Strecke zwischen Mammendorf und Pasing.

Was ändert sich für Fahrgäste sonst noch ab dem 15. Dezember?

Mit der Reform einhergehen sollen auch Vereinfachungen für Seltenfahrer. So kann man künftig am Automaten einfach den Zielort eingeben und bekommt dann eine Übersicht über in Frage kommende Tickets. Wichtig für Schüler und Azubis: Wer von ihnen kein Abo hat, braucht eine neue Kundenkarte. Die kann man online bestellen. Ob zusätzlich zu dieser Reform das viel diskutierte 365-Euro-Ticket kommt, wird Anfang Dezember entschieden. Dafür müsste die öffentliche Hand (Freistaat? Landkreise?) weitere 30 Millionen Euro in den MVV pumpen.

Gibt es auch Kritik an den neuen Regelungen?

Namentlich Martin Runge (Grüne) hatte die Reform mehrfach scharf kritisiert. Der Landtagsabgeordnete und Kreisrat bemängelte unter anderem, dass vieles teurer werde. In einer Sitzung des Kreistages bezeichnete Runge die Reform als „Murks“ und „Gschmarri vom MVV“. Auf Runges Vorwürfe gegen die Reform angesprochen, reagierte Norbert Specht vom MVV deutlich. Runge sei für eine Diskussion nicht zugänglich. Auf Einladungen an einer nachgelagerten Debatte habe er nicht reagiert. Sein Interesse bestehe nur darin, öffentlich gegen die Reform zu wettern.

MVV-Tarifreform - Alle Fragen und Antworten gibt es hier.

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