Wer länger nach Arbeit sucht , tut sich oft schwer, den Anschluss zu halten. Foto: dpa

Förderprogramm läuft aus 

Langzeitarbeitslose beim Job-Speed-Dating

Menschen, die schon lange auf der Suche nach Arbeit sind, tun sich oft schwer, den Anschluss zu halten. Um sie zu fördern, gibt es das ESF-Programm. Das Jobcenter hat dafür ein Speed-Dating mit Arbeitgebern veranstaltet.

Fürstenfeldbruck – Es sind zwar keine Bewerbungsgespräche, die an diesem Nachmittag im Verwaltungszentrum der Sparkasse stattfinden. Dennoch werden wichtige Kontakte geknüpft. Fünf Arbeitgeber-Vertreter und rund 45 Kunden des Jobcenters sitzen an einem Tisch bei Kaffee und Kuchen. Sie tauschen sich aus. Ulrich Schreiber, Vertreter eines Personaldienstleisters, hat sich gerade noch mit einem anderen Gesprächspartner unterhalten, da kommt ein Herr im Sakko direkt auf ihn zu. Er habe zuvor beim Vortrag gehört, dass Schreiber Personal für den gewerblich-technischen Bereich suche, sagt er. Dann erläutert er direkt seinen Werdegang und übergibt seinen Lebenslauf. Schreiber ist sofort hellhörig: „Ich höre mit Interesse, was Sie sagen.“ Denn er habe zufällig gerade „absolut kurzfristig Bedarf“. Die Visitenkarten werden ausgetauscht, ein Termin für die nächste Woche schon einmal anvisiert.

Das Jobcenter will Firmen noch einmal auf die Möglichkeiten des sogenannten ESF-Programms aufmerksam machen, das nur noch bis Dezember läuft. Dabei erhalten die Arbeitgeber bis zu 18 Monate lang Zuschüsse, wenn sie Langzeitarbeitslose einstellen – teilweise 75 Prozent des Lohnes werden aus dem ESF-Programm finanziert. Oder das Jobcenter bezahlt den Busführerschein, Kostenpunkt 12 000 Euro.

Dass man die möglichen Arbeitgeber gleich kennenlerne, sei ein Novum, sagt der sich forsch vorstellende Herr, der 52-jährige Lakis, der nicht mit seinem vollen Namen in der Zeitung stehen möchte. Dadurch würden unseriöse Firmen, die nur die Förderung für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen abkassieren und diese dann weiterschicken, schon einmal aussortiert. Er selbst war früher bei BMW tätig, ist dann in die Textilindustrie gewechselt. Er war viel im Ausland unterwegs. Doch nun ist seine alte Branche in Deutschland eigentlich nicht mehr existent, wie er sagt. Seit drei Jahren sucht er nun schon einen Job. „Und ab 50 tut man sich schwer.“ Er schreibe eine Bewerbung nach der anderen, bei nicht einmal zehn Prozent bekomme er eine Antwort.

Da kann so ein persönlicher Kontakt natürlich schon besser im Gedächtnis bleiben. Das ungezwungene Gespräch sei wichtig für die Arbeitssuchenden, sagt Barbara Maier vom Jobcenter: „Damit sie merken, ich werde als Mensch wahrgenommen.“ Sie ist beim ESF-Programm für die Kontakte mit den Arbeitgebern zuständig. Deutschlandweit sei das Brucker Jobcenter eines der erfolgreichsten in diesem Rahmen, sagt Maier. 85 Langzeitarbeitslose habe man seit Beginn des Programms 2015 vermittelt.

Auch Harald Volkwein hat Werbung gemacht. Der Kreishandwerksmeister spricht von den 8000 Betrieben im Landkreis, die „durch die Bank einen riesen Bedarf“ haben. Klassisches Beispiel sind die Bäcker und Metzger, die händeringend suchen. Das Handwerk wirbt nicht nur um die jungen Schulabgänger, auch ältere Menschen seien gefragt. „Es geht immer was“, sagt Volkwein. Jeder habe die Chance, sich bei einem Betrieb einzubringen, man müsse nicht höchstqualifiziert sein. Einen Fuß in die Tür bringen, dann nachqualifizieren – Volkwein sieht Möglichkeiten bei genügend Motivation: „Da kommt viel darauf an, ob man will.“

Trotzdem gibt es immer noch circa 2000 Menschen im Landkreis, die mehr als zwei Jahre lang nach Arbeit suchen. Das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, führe dazu, dass die Menschen sich zurückziehen würden, depressiv werden oder in Suchterkrankungen abrutschen würden, sagt Maier. Der Arbeitsmarkt für einfache Stellen – Reinigungs- oder Kantinenkräfte, eine Poststelle – sei mittlerweile von den Firmen vollständig ausgelagert.

Das Speed-Dating halten aber alle Beteiligten für eine gute Sache. „Die Idee ist grundsätzlich gut“, sagt auch Ulrich Schreiber, der ja vielleicht einen Mitarbeiter gewonnen hat. So wie es aussieht, bleibt die Plattform dennoch ein Unikat. Barbara Maier sagt, da das ESF-Programm im Dezember ausläuft, sei der Vorlauf für eine zweite Auflage einfach zu kurz.

von Fabian Dilger 

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