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Sind die Märkte auch nur Opfer der Industrie, weil von ihnen verlangt wird, Lebensmittel in großen Mengen vorrätig zu haben?

Interessensgemeinschaft

Lebensmittel-Retter Fürstenfeldbruck grenzen sich vom Containern ab

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Die Verschwendung von Lebensmitteln ärgert viele Menschen. Doch wie soll man das Phänomen in unserer Überflussgesellschaft eindämmen? Es gibt verschiedene Versuche – legale und weniger legale. Die Kämpfer gegen die Verschwendung sind sich alles andere als einig.

Emmering – Spätestens seit die beiden jungen Frauen aus Olching Lebensmittel vom Hof einer Supermarktes mitgenommen haben, die weggeworfen werden sollten, ist in der Region das sogenannte Containering in aller Munde. Die Studentinnen bekamen eine Geldstrafe aufgebrummt und legten Einspruch ein. Inzwischen wurde die Strafe auf einige Stunden Sozialarbeit reduziert. Doch auch das akzeptieren die Olchingerinnen nicht. Sie lassen es auf einen Prozess ankommen. Ihre Argumentation: „Containern ist kein Verbrechen!“

Sabine Kemmet aus Emmering hält von diesem Vorgehen gar nichts. Die 46-Jährige hat im Juni damit angefangen, nach dem Food-Sharing-Vorbild aus München, eine Fürstenfeldbrucker Gruppe aufzubauen. Aber das Konzept gefiel ihr nach einiger Zeit nicht mehr ganz. Sie änderte es ab: „Beim Foodsharing kriegt jeder etwas ab, so lange der Vorrat reicht.“

Sabine Kemmet und ihre Mitstreiter versuchen nun die Lebensmittel nach Bedarf zu verteilen. „Also eine Alleinerziehende bekommt eher was als ein Banker“, erklärt sie. Deshalb hat die 46-Jährige ihre Gruppe umbenannt. Sie heißt jetzt „Interessensgemeinschaft (IG) Lebensmittel-Retter Fürstenfeldbruck“.

Die Art, wie sie an Lebensmittel herankommt, ist die gleiche geblieben: Sabine Kemmet spricht oder schreibt die Supermärkte in ihrer Umgebung an, ob sie Ware haben, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen ist und die nicht an die Brucker Tafel geht. „Wir wollen ausdrücklich nicht als Konkurrenz zur Tafel gelten. Die gehen immer vor“, stellt die Lebensmittelretterin klar. Wird ihr Ware angeboten, holt sie diese ab und verteilt sie beispielsweise auf dem Parkplatz des Emmeringer Rathauses. Wann und wo die Lebensmittel abgegeben werden, steht auf der Facebook-Seite der IG.

Sowohl Sabine Kemmet als auch ihre Abnehmer müssen vor dem Empfang der Ware eine Haftungsbefreiung unterschreiben. Damit sichert sich vor allem der Supermarkt ab, da er ja Lebensmittel, deren MHD überschritten ist, abgibt. „Nur Produkte deren Verbrauchsdatum abgelaufen sind, werden nicht mehr verteilt“, erklärt Sabine Kemmet. Inzwischen hat die junge Gemeinschaft schon Lebensmittelretter in Emmering, Maisach, Olching, Gröbenzell und Fürstenfeldbruck und die 46-jährige Initiatorin hofft, dass die Gruppe noch weiter wächst.

Doch die Containern-Aktion in Olching macht es der IG schwer. „Wir unterstützen das Containern in keiner Weise. Das ist illegal und bringt auch uns als Lebensmittelretter in Verruf. Die Supermärkte sind seit dem Vorfall vorsichtiger, auch uns gegenüber, geworden“, moniert Kemmet. Sie will ihre IG professionell aufstellen und bringt das auch in Vereinbarungen, die sie mit den Händlern trifft, zum Ausdruck.

Für Kemmet sind die Märkte auch nur Opfer der Industrie, weil von ihnen verlangt wird, Lebensmittel in großen Mengen vorrätig zu haben. „Dass da etwas weggeworfen wird, ist nur logisch.“ Die 46-Jährige weiß aber auch, dass sich die Warenhäuser durch die Abgabe an die IG im Monat bis zu 150 Euro Müllgebühren sparen und dass Produkte so noch dankbare Abnehmer finden.

Kommentar

Der Königsweg in Sachen Lebensmittelrettung ist noch nicht gefunden. Eins ist jedoch sicher: Containern ist nach derzeitiger Gesetzeslage illegal. Es handelt sich ganz klar um Diebstahl. Dass der Prozess in Fürstenfeldbruck daran etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich. Begrüßenswert ist, dass es so viele Menschen gibt, die dafür kämpfen, genießbare Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Auf lokaler Ebene kann das ganz gut funktionieren – wie man bei Sabine Kemmet und ihren Lebensmittelrettern sieht.

 Doch um das Problem der Verschwendung von Nahrung essenziell anzugehen, muss sich sowohl in der Lebensmittelbranche als auch im Konsumverhalten der Verbraucher etwas ändern. So ein bisschen zwischen den Fronten stehen derzeit die Supermärkte. Dabei gibt es auch von dieser Seite durchaus Ansätze, nicht einfach alles unüberlegt wegzuwerfen. Man kann also nur hoffen, dass Supermärkte und Lebensmittelretter, trotz der Anfeindungen der Anhänger des Containerns gegenüber dem Marktleiter in Olching, vielleicht Wege finden, das Vertrauen wieder aufzubauen und noch öfter gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Die räumliche Distanz zum örtlichen Supermarkt oder zu bereitwilligen Abnehmern älterer Ware ist nicht so groß. (Tom Eldersch)

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