Uwe Ludwig verstarb im Alter von 70 Jahren.

Nachruf

Das Lebenswerk des Marien-Apothekers in Fürstenfeldbruck

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Die Marien-Apotheke an der Dachauer Straße war über 30 Jahre lang sein Reich. Die Kunden kannten Uwe Ludwig aber nicht nur im weißen Kittel hinterm Tresen.

Fürstenfeldbruck – Wenn er auf seinem Fahrrad mit dem eigens angefertigten Apothekenschild Medikamente auslieferte, war auch das ein vertrauter Anblick. Unter großer Anteilnahme seiner vielen Freunde, Bekannten, ehemaligen Mitarbeiter und Kollegen wurde der Marien-Apotheker jetzt zu Grabe getragen.

Eine eigene Apotheke zu haben, war eigentlich nie sein Plan. Geboren 1948 in Franken und aufgewachsen im Chiemgau, kam Uwe Ludwig zum Pharmaziestudium nach München. Mit der Approbation in der Tasche suchte er keine feste Anstellung, sondern wollte Urlaubs- und Krankheitsvertretungen machen - und zwischendurch genug Zeit zum Leben haben. Viel Geld brauchte er nicht, mit übermäßigem Besitz und Statussymbolen hatte Uwe Ludwig nichts am Hut.

Doch Anfang der 1980er-Jahre passierten zwei Dinge, die seinem Leben eine andere Wendung gaben. Er wurde zum ersten Mal Vater und er erfuhr von einer älteren Apothekerin in Bruck, die Unterstützung gebrauchen konnte. So kam er zu Hedwig Heitmeyr in die Marien-Apotheke. Da er nun eine Familie zu ernähren hatte, blieb er dort und übernahm das Geschäft, als die heute 96-Jährige sich zur Ruhe setzte.

Die Kunden mochten seine herzliche, fröhliche Art, die er auch den Mitarbeiterinnen gegenüber nicht ablegte. „Wie viele Brezn sind wir heute?“ Mit dieser Frage begann er jeden Arbeitstag, gefolgt von der Radlfahrt zum Bäcker, um die entsprechende Anzahl an Brezn für die Belegschaft zu besorgen. Kein Wunder, dass ihm seine Damen eines Tages bei einem Wiesn-Besuch ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Bester Chef der Welt“ verehrten.

Der Umgang mit den Kunden machte ihm Freude, der Umgang mit der kaufmännischen Seite des Geschäfts war für den Mann mit dem markanten Schnauzbart eher ein notwendiges Übel. „Die Apotheke war sicher nicht gewinnoptimiert“, erzählt Ludwigs zweite Ehefrau Christiane. Als ihr Mann sich 2013 zur Ruhe setzte, war er froh, die zunehmende Bürokratie und den Konkurrenzdruck aus dem Internet los zu sein. Er fand einen Nachfolger, dem er alles übergab – bis auf die Marienstatue, die schon zu Hedwig Heitneyrs Zeiten den Verkaufsraum geschmückt hatte. Sie steht heute im Wohnzimmer der Ludwigs. „Mein Mann war kein disziplinierter Kirchgänger, aber in seinem Wesen zutiefst katholisch“, sagt Christiane Ludwig. Bei jedem Besuch in München trug er seine Anliegen ans Grab Pater Rupert Mayers in der Unterkirche des Münchner Bürgersaals. Dort holte er sich schon während des Studiums Kraft für seine Examen. Dort bat er für seine beiden Kinder aus erster Ehe um himmlische Unterstützung bei den Abiturprüfungen.

Radeln, Skifahren, Wandern, Reisen – den Ruhestand gestaltete er aktiv und abwechslungsreich. Eine elektrische Eisenbahn, die Jahr und Tag verpackt im Keller gestanden hatte, kam zu späten Ehren. Und beim offenen Singen mit Kreisheimatpfleger Sepp Kink war Uwe Ludwig häufig dabei.

Eine fortschreitende Erkrankung veränderte ihn, doch sein offenes, kontaktfreudiges Wesen behielt der Marienapotheker bis zum Schluss. Er wurde 70 Jahre alt.

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