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Fast 400 Pferde und 37 Zugteilnehmer ziehen am Samstag bei der Leonhardifahrt durch Brucks Straßen.

Brucker Brauchtum

Sturmvorläufer verwehen Leonhardifahrt

Ausnahmezustand in Bruck: Die größte Brauchtumsfeier der Kreisstadt, die Leonhardifahrt, ging über die Bühne. Die Teilnehmer des traditionellen Umzugs und Zuschauer mussten heuer ihre Hüte gut festhalten. Der Vorläufer des Sturms Herwart blies kräftig durch die Gassen.

Fürstenfeldbruck – Noch vor Beginn der eigentlichen Leonhardifahrt kommen einige Besucher am frühen Samstagnachmittag vor der Leonhardikirche zusammen. Hier findet alljährlich das Votivamt statt, eine Messe für den Heiligen Leonhard. Doch die Gläubigen müssen heuer abgehärtet sein. Petrus, der Wettergott, lässt Windböen über den Platz vor der Amperbrücke pfeifen. Viele Gäste suchen Schutz in Häusereingängen und unter Bäumen.

Wenig später hält Erich Raff die Eröffnungsrede auf einem Podium vor der Sparkasse. Der Oberbürgermeister begrüßt die Zuschauer, die auf den Umzug warten. Raff sagt, er hoffe, dass alle „winderprobt“ seien. Der Vorläufer des Herbststurms Herwart bläst kräftig durch die Brucker Straßen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb heuer weniger Besucher gekommen sind als im vergangenen Jahr, als es regnete.

Lisa aus Fürstenfeldbruck hat mit ihrer Hündin Hera trotz des Sturms vorbeigeschaut. Ihre Nachbarin hatte sie animiert, sich das Spektakel einmal anzusehen – es ist ihre erste Leonhardifahrt. „Ich mag Pferde sehr gerne und da muss ich mir das hier schon mal anschauen“, sagt die 27-Jährige. Auch Hera kann die Augen nicht von den stattlichen Vierbeinern lassen, die da an ihr vorbeireiten.

Alle Fotos von der Leonhardifahrt 2017 in Fürstenfeldbruck

Leonhardifahrt 2017 in Fürstenfeldbruck - Alle Fotos

37 Zugteilnehmer und fast 400 Pferde laufen am Samstagnachmittag durch Bruck. Zu den Festwägen gesellen sich darüber hinaus noch Blaskapellen aus dem Landkreis, Schützenvereine und sogar ein Gespann mit Besuchern aus der Partnerstadt Livry-Gargan aus Frankreich ist mit dabei.

Dick eingepackt verfolgt die neunjährige Marie den Umzug. Sie ist mit ihrer Mutter das erste Mal bei der Leonhardifahrt dabei. Vollkommen gefesselt steht sie in der ersten Reihe und beobachtet ihre Lieblingstiere, was Mutter Brigitte verrät. Auf die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder kommen will, antwortet Marie, „oh ja“, und strahlt.

Das Pärchen Steffi und Max aus dem Westen der Kreisstadt sind dagegen so etwas wie Stammgäste. „Das ist bestimmt schon unsere fünfte Fahrt“, erzählt die 31-Jährige. Sie kommen aber nicht nur wegen der Pferdewägen oder Marschmusik, sondern vor allem, um die alte Tradition zu wahren. „Ich denke, dass solche Veranstaltungen wichtig sind für die Identität einer Stadt“, sagt der 34-jährige Brucker. Für ihn passen alte Brauchtumspflege und das moderne, digitale Leben sehr gut zusammen.

Nach Raffs Eröffnungsrede fasst Kulturreferentin Birgitta Klemenz die lange Tradition der Veranstaltung zusammen. Die erste Leonhardifahrt in Bruck datiert auf das Jahr 1921. Seit 1966 fahren regelmäßig bunt geschmückte Pferde- und Ochsengespanne die Hauptstraße entlang, um den Segen des Heiligen zu erlangen. Und als hätte der Wind dem Umzug einen Schubs gegeben, ziehen bereits die ersten Wägen am Podium vorbei, während Birgitta Klemenz noch mit ihren Ausführungen beschäftig ist.

Von Tom Eldersch

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