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Leukämie-Diagnose bei Noah (5): Familie erreicht Welle der Hilfsbereitschaft - „Bin überwältigt“

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Von: Peter Loder

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Noah ist an Leukämie erkrankt.
Noah ist an Leukämie erkrankt. © Privat

Schwerer Schicksalsschlag für die Familie von Noah (5): Er ist an Leukämie erkrankt. Inzwischen wurde eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Vereine, Polizei und Unternehmen wollen helfen.

Update vom 22. September: Der Bericht über das Schicksal des fünfjährigen, an Leukämie erkrankten Noah (siehe Ursprungsmeldung) hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Nach dem am Mittwoch, 14. September, erschienenen Tagblatt-Artikel haben sich bei den Eltern des Buben „unzählig viele Leute“ gemeldet und ihre Unterstützung angeboten. „Die Resonanz ist unglaublich“, schildert der hörbar bewegte Vater. „Wir sind überwältigt von der Anteilnahme und möchten uns hierfür bedanken.“

Noah (5) hat Leukämie: Berichterstattung löst Welle der Hilfsbereitschaft aus - „Sind überwältigt“

Mittlerweile hat sich auch die in Köln ansässige Zentrale der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS) eingeschaltet und will mit der Familie weitere Aktionen besprechen und bereits eingeleitete Initiativen koordinieren. Nachdem die dort eingehenden Registrierungsanfragen täglich ausgewertet werden, wurde laut Angaben einer DKMS-Sprecherin nach Erscheinen des Artikels eine steigende Resonanz verzeichnet.

Neben Privatpersonen richten vor allem Sportvereine Mitmach-Appelle an ihre Mitglieder und haben der Familie des ehemaligen Fußballers, dessen Ehefrau in den nächsten Tagen ihr drittes Kind erwartet, ihre Hilfe zugesagt. Olchings Landesliga-Trainer Martin Buch, ein Ex-Teamkollege des Vaters, hat ebenso einen Registrierungs-Aufruf gestartet wie Müllers ehemaliger Klub in Günzlhofen, der FC Aich und der FC Emmering, wo Noah erst vor wenigen Monaten mit dem Fußballspielen begonnen hatte.

Nach Leukämie-Diagnose: Riesige Hilfsbereitschaft für Noah (5) - Stammzellenspender gesucht

Inzwischen unterstützt sogar die Polizei Fürstenfeldbruck die Spendersuche. „Auch die unmittelbaren Angehörigen von Noah bei der bayerischen Polizei unterstützen den Hilferuf der Familie und möchten mit der (...) Verbreitung möglichst viele Menschen erreichen“, heißt es in einer Pressemitteilung vom 22. September. Das Schreiben endet mit einem eindringlichen Appell: „Helfen Sie mit Leben zu retten und lassen sie sich typisieren!“

Doch nicht nur die Polizei - etliche Unternehmen wollen sich ebenso beteiligen. Auf der Facebook-Seite des Tagblatts wurde der Artikel rekordverdächtige 232-mal geteilt und verbreitete sich so rasend schnell in ganz Deutschland. Zu den Unterstützern gehört auch Türkenfelds Bürgermeister Emanuel Staffler, der auf der offiziellen Facebook-Seite seiner Gemeinde schreibt: „Eine herzzerreißende Geschichte aus dem Landkreis: Wer helfen will, ist eingeladen, sich als Knochenmark-Spender zu registrieren.“

Möglich ist das unter www.dkms.de.

Ursprungsartikel vom 13. September 2022:

Fürstenfeldbruck - Nur eine Knochenmarkspende kann sein junges Leben retten. Verzweifelt wenden sich die in Fürstenfeldbruck wohnenden Eltern an die Bevölkerung: „Helfen Sie uns, lassen Sie sich registrieren und typisieren.“ Besonders dramatisch: Die Mutter ist hochschwanger und erwartet Ende September ihr drittes Kind.

Zwei kerngesunde Buben, keine Sorgen, ein guter Job, schöne Urlaube (zuletzt noch im Juni in Italien) – so schildert der in Bruck geborene und aufgewachsene, mittlerweile 40-jährige Vater das Familienleben vor dem Schicksalstag. Noah („Ein richtiger Bazi“) geht in den Kindergarten, ist überall beliebt und interessiert sich für jede Art des Sports.

Diagnose Leukämie: Großvater leidet mit seinem Enkel Noah (5)

Wie beim Papa, einem ehemaligen Fußballer, der eng mit den Brucker Panther-Handballern verbunden ist, dreht sich auch bei Noah und seinem drei Jahre älteren Bruder Elias alles um das, was rund ist. Auch die kleinen Tennisbälle, die Opa Heinz trotz seiner 74 Jahre noch in höherklassigen Ligen spielt.

Der Großvater leidet ebenfalls sehr mit seinem Enkel, kommt bei jedem Wetter vorbei, um mit den von Noah so gern aufgebauten Legosteinen zu spielen oder mit ihm – sofern möglich – auf der Wiese zu kicken. „Noah konnte es kaum erwarten, bis er fünf Jahre alt war und mit dem Fußball in einem Verein beginnen konnte“, erinnert sich der Vater, der im westlichen Landkreis mit seinem Kompagnon eine Versicherungsagentur betreibt. Dann kam der 13. Juli 2022.

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Es war der letzte Arbeitstag von Ehefrau Beate vor dem Mutterschaftsurlaub. Die 39-Jährige erwartet Ende September das dritte Kind. Die Eltern wissen bereits, dass es nach den zwei Buben ein Mädchen sein wird. Zwei Tage zuvor hatte sie bei Noah ein latentes Fieber mit maximal 38,5 Grad Körpertemperatur festgestellt.

Am Sonntag fühlten sich die Eltern so unwohl, dass sie den Notarzt riefen. Er vermutete einen viralen Infekt und empfahl, am nächsten Tag einen Kinderarzt aufzusuchen, was Beate Müller auch umgehend tat. An den folgenden Tagen habe Noah nur geschlafen, so der Vater.

Niederschmetternde Diagnose Leukämie: Noah (5) fortan „in einem Hochsicherheitstrakt“

Die Mutter hatte bereits ein ungutes Gefühl und fuhr mit dem Bub erneut zum Kinderarzt. Dessen Diagnose: Milz und Leber waren doppelt so groß wie normal, die Lymphknoten angeschwollen, die Blutwerte spielten verrückt. Umgehend wurde Noah ins Münchner Dritte-Orden-Krankenhaus gebracht. „Als uns der Arzt in einen separaten Raum zum Gespräch bat, wusste ich sofort: Jetzt wird es ernst“, erinnert sich der aus seinem Büro herbeigeeilte Vater. Die Diagnose war niederschmetternd: Leukämie. Noah wurde in die Haunersche Kinderklinik verlegt und verbrachte fünf Tage auf der Intensivstation.

Nach weiteren elf Tagen in stationärer Isolation durfte der Fünfjährige wieder nach Hause. „In einen Hochsicherheitstrakt“, wie der Vater die seitdem herrschende Situation in dem Einfamilienhaus beschreibt. Denn nach einer ersten intensiven Chemotherapie muss das Immunsystem des Buben geschützt werden. Besuche sind nur den engsten Verwandten und Freunden erlaubt, Gäste werden draußen auf der Terrasse am Waldrand empfangen - gleich neben einem Mini-Fußballplatz, auf dessen kleine Tore vor sechs Wochen noch Noah seine Schusskünste trainiert hat.

Noah (5) an Leukämie erkrankt: Leben der Familie ändert sich schlagartig

Das Leben der Familie hat sich von einer Sekunde auf die andere schlagartig verändert und spielt sich wechselweise nur noch zwischen der Klinik und zuhause ab. „Wir können nicht mehr schlafen, erleben extreme Höhen und Tiefen und leben in ständiger Angst vor der neuen Auswertung der Blutwerte bei Noah oder dass das Fieber wiederkommt“, schildert Florian M. den aktuellen Alltag seiner Familie.

Ein Trost: Beruflich halten ihm sein Geschäftspartner und die neun Angestellten den Rücken frei. Doch auch das kann die Sorgen nicht lindern. Einzige Hoffnung: Dass sich möglichst viele noch nicht bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrierten Mitbürger typisieren lassen. Jährlich erkranken in der Bundesrepublik 500 Kinder an Leukämie.

Die meisten werden nach einer Chemotherapie geheilt. Bei Noah ist das anders: Er benötigt eine Knochenmarktransplantation, um das Rückfallrisiko deutlich zu reduzieren. Der verzweifelte Appell des Vaters und der werdenden Mutter an die Bevölkerung: „Die Registrierung dauert nur wenige Minuten. Bitte tun Sie es schnellstmöglich, denn jeder von Ihnen könnte der passende Spender sein!“

Hilfe für Noah: Knochenmark-Registrierung

Die Online-Registrierung bei der 1991 gegründeten Deutschen Knochenmarktspenderdatei unter www.dkms.de dauert nur drei Minuten und ist bis zum 61. Lebensjahr möglich. Nach drei bis vier Werktagen kommen per Post drei Wattestäbchen, die man jeweils 60 Sekunden in den Mund steckt, an der Backe reibt und dann zurückschickt.

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