Fahrgäste wappnen sich

Lokführer warnt: Bahnsteige werden zu Rutschbahnen

Landkreis - Schnee und Eis sind nicht nur auf den Straßen gefährlich. Auch aus Bahnsteigen können regelrechte Rutschbahnen werden. Ein Lokführer warnt davor – und die Fahrgäste wappnen sich.

Lokführer Andreas Schuster (40) aus Gröbenzell ruft speziell die Eltern von Kindern zur Achtsamkeit auf. „Bitte sagt euren Kindern, die sollen an den Bahnhöfen nicht rennen und wirklich den Sicherheitsstreifen benutzen. Die Bahnsteige sind teilweise nicht richtig geräumt und stellenweise sauglatt“, schrieb er in einem Beitrag im Internet-Netzwerk Facebook.

Er ergänzte in dem Beitrag, der weit verbreitet wurde: „Hab keine Lust jedes Mal mit einem Adrenalinüberschuss in der Gegend rumzufahren oder dann Zwangsurlaub zu bekommen, weil mir jemand vor oder zwischen den Zug fällt.“

Tatsächlich: Spielende Kinder auf den Bahnsteigen jagen auch Ingrid Steininger (54) oft einen Schrecken ein. Sie ist selbst Mutter und benutzt die S 4 zwischen Aubing und Fürstenfeldbruck fast täglich. „Wenn die Schulkinder da herum rennen, sage ich auch manchmal etwas zu ihnen. Natürlich immer nett“, erzählt sie.

Allerdings seien die Bahnsteige häufig gut geräumt, wobei sie schlechte Erfahrungen mit glatten Treppen gemacht hat. „Da halte ich mich dann sogar am Handlauf ein, nachdem ich letzten Winter einmal ausgerutscht bin und mir die Bänder gezerrt habe. Das muss ich nicht noch einmal haben.“

Ludvig Brahka (50) – sie pendelt täglich auf der S 4 zwischen Grafrath und Geltendorf – beklagt, dass der Schnee häufig in der Mitte des Steigs angehäuft wird und der Aufenthaltsbereich damit sehr schmal wird.

Der Sicherheitsstreifen sei manchmal fast nicht mehr zu erkennen. Speziell für Sehbehinderte müsse das schwierig sein. „Die können die Rillen doch dann nicht mehr mit ihrem Stock ertasten.“

Horst Schulke hat unterdessen auch Verständnis für die Bahn. „Natürlich können sie nicht morgens um sieben alle Bahnsteige perfekt geräumt haben, wenn es nachts stark geschneit hat.“ Er benutzt regelmäßig die S 4 ab Buchenau für die Fahrt nach München und ärgert sich eher über verspätete Züge und mangelnde Kommunikation. „Verspätungen sind schon mehr die Regel als die Ausnahme. Vor allem im Winter. Dass dann aber oft gar keine Durchsage gemacht wird ist schon ärgerlich.“ Dass die Unterführung zu den Bahnsteigen jetzt beheizt ist, begrüßt er.

Lokführer Andreas Schuster warnt seine Fahrgäste.

Ein Sprecher der Bahn betont, dass es allein in Bayern über 1000 Bahnsteige mit einer Fläche von 1,9 Millionen Quadratmetern gibt. Dafür seien 2500 Räumkräfte unterwegs. Teils würden die Räumarbeiten von Kommunen übernommen, oft würden aber auch private Unternehmen beauftragt. „Wir tun natürlich unser Möglichstes, um dem Schnee und Eis Herr zu werden. Leider können wir aber trotzdem nicht überall gleichzeitig sein.“ Die Bahn versuche, mögliche Fehlerquellen so gut es geht zu beheben. Das Unternehmen setzt auch auf Information. So warnte dieser Tage auch der Streckenagent vor Eis und Schnee.

Wie Lokführer Schuster gegenüber der Münchner tz erklärte, fahre er mit einer Geschwindigkeit von rund 60 Stundenkilometern an einen Bahnsteig hin. Wenn Kinder dann rumrennen würden oder Erwachsene deutlich vor dem Sicherheitsstreifen rumständen, werde es ihm als Lokführer „ganz anders“. Denn einen Unfall wollen Schuster und seine Kollegen auf jeden Fall vermeiden. Der 40-Jährige ist alleinerziehender Papa, hat eine 13-jährige Tochter, Larissa. Und die fährt jeden Tag S-Bahn. „Um sie mache ich mir natürlich Sorgen – so kam ich auf die Idee zu dem Facebook-Post.“ Von der positiven Reaktion auf seinen Eintrag war Schuster überrascht. Er sei eben der Typ, der sage, wenn ihm etwas auffalle.

Von Marco Gierschewski

Rubriklistenbild: © dpa

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