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Sie wollten ihren Kunden mehr als nur Zeitungen und Snacks bieten: Silvia und Michael Löcker eröffneten die Lokstation vor 13 Jahren. Sie wollen aber dafür sorgen, dass Reisende am Brucker Bahnhof weiterhin einen Anlaufpunkt haben. 

Nach 13 Jahren

Eine Ära geht zu Ende: Institution am Brucker Bahnhof sperrt zu

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Sie waren eine Institution am Brucker Bahnhof. Jahrelang versorgten Silvia und Michael Löcker Reisende nicht nur mit Kaffee und Snacks. Jetzt hören die Betreiber der Lokstation auf.

Fürstenfeldbruck – Die Einrichtung steht noch, doch die Regale und Kühltheken sind bereits fast leer. Heute sperren Silvia und Michael Löcker ihre Lokstation ein letztes Mal auf, dann soll ein DB-Store den Kult-Kiosk am Fürstenfeldbrucker Bahnhof ersetzen.

Wenige Tage zuvor sitzt Michael Löcker, zufrieden seinen Zigarillo paffend, in seinem kleinen Büro und erzählt von den Plänen, die er und seine Frau jetzt haben. Im Hintergrund läuft das Ö3-Webradio, eine Hommage an seine österreichische Heimat. Der 59-Jährige wirkt entspannt, obwohl es noch viel zu tun gab und er sich vor einigen Wochen auch noch einen Arm gebrochen hatte.

Vor 13 Jahren hat es den gelernten Hotelfachmann in die Kreisstadt verschlagen. Zuvor hatte er in München am Ostbahnhof eine Filiale einer Bäckereikette betrieben. Dann übernahm er von einem ehemaligen Chef den Kiosk in der Brucker Bahnhofshalle. Die Geburtsstunde der Lokstation.

„Seitdem hab ich jeden Tag pünktlich aufgesperrt, egal ob es geschneit oder gehagelt hat.“, sagt Löcker. Und das ist gar nicht so selbstverständlich, denn er und seine Frau leben im Landkreis Mühldorf, was bei viel Verkehr eine einfache Fahrt von zwei Stunden ausmacht. „Teilweise muss man halt dann um zwei Uhr aufstehen. Alles Gewöhnungssache“, sagt der 59-Jährige achselzuckend und gesteht, dass er eigentlich nie ein Frühaufsteher war.

Seine Frau Silvia fuhr jeden Morgen mit ihm nach Bruck, und weil sie die Kinder versorgen musste, mittags mit der Bahn wieder zurück. „Das waren dreieinhalb Stunden Fahrt für fünf Stunden Arbeit. Das lohnt sich doch nicht“, meint Löcker. Er selbst hat auch keine große Lust mehr, jeden Tag die insgesamt 200 Kilometer zu pendeln. Da kam die Nachricht der Bahn, man wolle noch in diesem Jahr einen DB-Store aufmachen, gerade recht.

„Bevor sie mich rauswerfen, hab ich lieber selber gekündigt“, erklärt der gebürtige Salzburger. Und obwohl ihm die Bahn einen Bewerbungsbogen für die DB-Store-Pacht mitgeschickt hat, zieht er es vor, in Frührente zu gehen. „Es gibt zu viele Regeln, die man als Pächter der Bahn befolgen muss, das entspricht nicht meiner Art zu arbeiten.“

Denn für Löcker war die Lokstation nicht nur ein Kiosk wie jeder andere. Er hat stets versucht, etwas österreichischen Schmäh in seinen Laden zu bringen und seinen Kunden etwas Besonderes zu bieten. Das fing mit den ausgesuchten Kaffeespezialitäten an – auch einen „Kurzen Braunen“ bekam man hier – und hörte bei der guten Qualität seiner belegten Semmeln und Brezen nicht auf. Auch zuhören konnte Löcker, und so gab es manche Kunden, die fast täglich auf eine Tasse Kaffee und einen Ratsch vorbeikamen.

Vieles wird er vermissen, weiß Löcker schon jetzt. Vor allem seine lieb gewonnenen „Exil-Österreicher“, wie er scherzhaft seine in Bruck lebenden Landsleute bezeichnet. Auch seine Stammkunden und langjährige Angestellten werden ihm fehlen. Doch auf der anderen Seite freut er sich darauf, sich wieder intensiver seinen Hobbys widmen zu können, dem Garteln, der Fischzucht oder dem Muszieren. „Ich wollte schon immer Piano spielen lernen, jetzt hab’ ich die Zeit dazu.“

Seine Frau Silvia wird noch nicht mit ihm in den Ruhestand gehen. Sie fängt noch mal ganz von vorne an und beginnt eine Ausbildung zur Altenpflegerin. „Sie hatte schon immer das Mutter-Theresa-Syndrom“, scherzt Löcker.

Und für alle, die jetzt nicht mehr wissen, wo sie in der Früh noch einmal fünf Minuten Ruhe vor der Arbeit finden können, gibt der 59-Jährige einen vielversprechenden Ausblick. „Wahrscheinlich wird mein Nachbar von der Station 22 mein Konzept übernehmen, und ich werde ihn beraten“, sagt Löcker. Dann könnte es bald heißen: „Willkommen in der Lokstation 22“.

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