„Paradise“ von Maged Mohamed: Fünf schwarz gekleidete Männer und eine Braut suchen nach der Liebe. Foto: tb

Veranstaltungsforum

Bis in luftige Höhen getanzt

Fürstenfeldbruck – „Bavarian Summit“ war der Abend im Brucker Stadtsaal überschrieben. Und das Gipfeltreffen junger bayerischer Nachwuchs-Choreographen im Rahmen des Tanzfestivals „Dance First“ erreichte wirklich die angekündigten Höhen.

 „Junge Choreographen haben es nicht leicht“, sagt der künstlerische Leiter Heiner Brummel zu Beginn. Doch beim Festival zum 15-jährigen Bestehen des Veranstaltungsforums haben die Talente eine große Bühne nur für sich. Und sie nutzen die Chance.

Sechs ihrer Stücke sind zu sehen. Alle thematisieren Beziehungen: So geht es in „Myopic Bounds“, dem Choreographie-Debüt von Tänzer Dustin Klein (29), um Grenzen zwischen Menschen, aber auch um innere Grenzen und Freiheitsdrang. Wie die beiden Tänzer Nicha Rodboon und Jonah Cook die monotonen, aber immer schneller werden Bewegungen in einem Lichtkegel und in Nebelschwaden ausführen, ist ganz fantastisch. Auch in einem weiteren Klein-Duett mit dem Titel „Auf der Matte bleiben“ glänzen die beiden. In einer Raumschiff-Atmosphäre und zu Elektro-Beats zeigen sie,

wie die Technisierung der Welt Beziehungen zerstört.

Emotionaler geht es bei Rosalie Wanka zu, die ihre Choreographie „Hauthunger“ selbst tanzt. Mit Oriel Toledo arbeitet sie sich am Thema Berühren und Berührt-Werden ab. Viel Applaus bekommt dann „Paradise“ des gebürtigen Ägypters Maged Mohamed. Fünf schwarz gekleidete Männer und eine Braut suchen nach der Liebe. Die Tänzer werfen Farbstaub in die Luft – wie bei einem indischen Holi-Fest –, doch zum Schluss entscheidet sich die Braut für ihre Freiheit.

Zart, intensiv und unwahrscheinlich berührend ist die Uraufführung von „At a Loss for Words“ von David Russo (Jahrgang 1979). Tänzer wie Choreograph ernten Jubelstürme. Ebenso kurzweilig (und zwar im besten Sinne des Wortes) ist Russos „Breathless“: Drei Tänzer schleudern eine Tänzerin durch den Raum, das scheinbare Chaos ist zusammengesetzt aus exakt abgestimmten Bewegungsabläufen.

Krönender Abschluss des Ganzen ist das Duett von Lucia Lacarra und Marlon Dino. Die Stars vom Bayerischen Staatsballett demonstrieren in „Sprial Twist“ bei verschlungensten und schwerelosen Hebungen absolute Körperbeherrschung.

Lacarra und Dino verlassen München nun nach 14 Jahren – es passt nicht mit dem neuen Chef der Compagnie. Sie tanzen ab August unter anderem in Dortmund und Madrid. Das Brucker Publikum hat das Ehepaar mit frenetischem Jubel verabschiedet.

Dance-First-Termine

Noch drei Aufführungen gibt es im Rahmen von Dance First: „Made in FFB“ am Sonntag, 24. Juli, 18 Uhr, „Swan Lake“ am Freitag, 29. Juli, 20 Uhr, und „Carmen“ am Samstag, 30. Juli, 20 Uhr. Karten unter Telefon (0 81 41) 6 66 54 44.

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