Marianne Schuster choreografierte 30 Jahreden Ball der Landwirtschaft

Choreografin beim Ball der Landwirtschaft

Madame Française sagt leise Servus

Seit 30 Jahren wird der Ball der Landwirtschaft mit einer Münchner Française eröffnet. Die Choreografie dazu entwickelte stets Marianne Schuster. Heuer wachte die Tanzlehrerin jedoch zum letzen Mal über die Schritte.

Fürstenfeldbruck – „Nach 30 Jahren wird es einfach Zeit, dass das jemand Jüngeres übernimmt“, sagt Marianne Schuster. Seit Jahrzehnten schwingt die 69-Jährige das Tanzbein und geht vor allem in der Faschingszeit mit ihrem Mann auf viele Bälle. Die Aufgabe, den Landwirtschaftsschülern das Tanzen beizubringen, ist ihr aber eher zufällig in den Schoß gefallen.

1986 arbeitete Schuster beim Brucker Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Damals war die Landwirtschaftsschule noch ein Internat, und die meistens weiblichen Schüler der Hauswirtschaft mussten streng getrennt von den männlichen Schülern der Landwirtschaft leben. Hermann Well, Vater der Well-Geschwister, unterrichtete zu der Zeit musische Erziehung. Er kam schließlich auf die Idee, den Schülern als Zeitvertreib abends das Tanzen beizubringen.

„Die Mädchen und Jungs waren natürlich begeistert, dass sie etwas zusammen unternehmen durften“, erzählt Schuster. Bald klappte das Tanzen so gut, dass Well sich entschloss, die Münchner Française beim nächsten Ball der Landwirtschaft aufzuführen. Schuster durfte bei den Proben dabei sein und schrieb jede einzelne Figur mit. „Aus den gemeinsamen Tänzen entwickelten sich manchmal auch Beziehungen. Wir waren also ein Heiratsinstitut.“ Heute ist das anders. Die Landwirtschaftsschüler tanzen mit ihren Freunden oder Bekannten. Selbst hat Schuster die Française noch nie getanzt. „Ich habe sie immer nur anderen Menschen beigebracht“, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin.

Die Münchner Française entwickelte sich aus verschiedenen Kontratänzen des 18. Jahrhunderts. Sie wird von Paaren getanzt, die sich gegenüber stehen. Die Figuren des klassischen Eröffnungstanzes sind teilweise sehr anspruchsvoll.

Schuster fängt immer kurz nach den Weihnachtsferien mit den Proben an. „Wir sind stets zwölf bis 16 Paare“, erklärt sie. Viele seien davor noch nie mit Gesellschaftstänzen in Berührung gekommen. „Manche haben wenig oder kein Taktgefühl“, meint Schuster und schmunzelt. „Aber trotzdem bin ich immer wieder fasziniert, was die Jugendlichen nach den vier Proben leisten können.“

Pannen gab es in den vergangenen 30 Jahren natürlich trotzdem. „Es kam öfters vor, dass eine der Damen mitten im Tanz ihren Schuh verloren hat“, erzählt die Choreografin. „Deshalb habe ich seit einigen Jahren einen Probedurchgang mit hohen Schuhen eingeführt.“ Trotzdem seien die Aufführungen zu 99 Prozent ein Erfolg gewesen. „Mein Ziel war es, den Ball mit einem gewissen Niveau zu eröffnen.“ Im kommenden Jahr wird Schuster genau beobachten, ob ihre Nachfolgerin das auch schafft.

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