In Bruck

Magere Wahlbeteiligung gibt Rätsel auf

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Der erste Wahlgang ist vorbei. In zwei Wochen müssen die Brucker nochmal an die Urnen treten. Dann entscheiden sie, ob Erich Raff (CSU) oder Martin Runge (BBV und Grüne) Brucker OB wird. Die Verantwortlichen hoffen, dass sich mehr Bürger an der Stichwahl beteiligen.

Fürstenfeldbruck – Nicht einmal die Hälfte der Brucker Bürger hat am Sonntag von ihrem Recht Gebrauch gemacht, den künftigen OB zu wählen. Nur 44,9 Prozent traten an die Wahlurnen (12 400 von 27 650 Berechtigten). Das sind noch weniger als im ersten Wahlgang 2014. Damals waren es 48,4 Prozent. „Vor allem die junge Generation unter 25, aber auch die Bürger unter 30 waren unterdurchschnittlich vertreten“, sagt Wahlleiter Christian Kieser auf Nachfrage. „Es ist furchtbar schade.“ Vielleicht werde der Sozialkunde-Unterricht in den Schulen nicht ernst genug genommen, mutmaßte Kieser am Montag. Er befürchtet: „Bei der Stichwahl geht die Beteiligung noch weiter in den Keller.“

Klaus Quinten, Fraktionsvorsitzender der BBV und Jan Halbauer, Vorsitzender der Grünen, können sich die geringe Beteiligung nicht erklären. Zwar ist ihr Kandidat Martin Runge mit 59 schon weit über 30. Aber mit Philipp Heimerl (28, SPD) und Florian Weber (30, Die Partei) seien immerhin zwei junge Kandidaten vertreten gewesen.

Für die Stichwahl, in der der Gröbenzeller Vize-Bürgermeister Runge gegen den amtierenden Brucker Rathauschef Raff antritt, sei nun unter anderem entscheidend, wer mehr – auch junge – Bürger mobilisieren kann.

Eine große Rolle wird wohl auch spielen, für wen sich die SPD ausspricht. Ihr Kandidat Philipp Heimerl war mit nur 16,6 Prozent der Stimmen als Drittplatzierter am Sonntag ausgeschieden. Der 28-Jährige hat bereits angekündigt, dass es in der SPD eine starke Tendenz Richtung Runge gebe. Würden alle SPD-Wähler aus dem ersten Wahlgang sich nun für den Gröbenzeller entscheiden, läge er zuzüglich seiner eigenen Stimmen (29,9 Prozent) bei 46,5 Prozent. Schwenkten zusätzlich die Weber-Wähler (er hat sich für Runge ausgesprochen) um, hätte der Ex-Landtagsabgeordnete 49,7 Prozent.

Auf „die konservative Seite“ tendiert dagegen Georg Stockinger von den Freien Wählern. Seine 3,6 Prozent könnten Raff (43,4 Prozent) zwar zum Wahlsieg verhelfen – allerdings müsste er noch weitere CSU-Wähler mobilisieren. Nicht festlegen will sich derzeit die ausgeschiedene OB-Kandidatin Elisabeth Staffer (3,3 Prozent, Wählergruppe „Leben in Bruck“).

Die Ergebnisse in den 24 Wahllokalen ähneln sich übrigens. Überdurchschnittlich punkten konnte der CSU-Kandidat Erich Raff aber in den Stadtteilen Puch und Aich. Hier wäre Raff mit jeweils über 50 Prozent direkt zum OB gewählt worden (Aich: 57,4 Prozent; Puch: 52,3 Prozent).

Runge war besonders im Brucker Osten und der Mitte beliebt. Im Wahllokal in der Stiftung Kinderhilfe und der Volkshochschule konnte er 36 beziehungsweise 42,1 Prozent der Stimmen erlangen. In der Realschule nahe dem Brucker Bahnhof sprachen dem Gröbenzeller 37,5 Prozent ihr Vertrauen aus.

Schlecht sah es für den Drittplatzierten Philipp Heimerl vor allem in Puch und Aich aus. Er zeigte sich am Sonntag enttäuscht. Jetzt gelte es, die Wahl innerhalb der SPD zu analysieren. „Wir müssen die Frage klären, woran es gelegen hat“, so Heimerl am Montag. Von der mageren Wahlbeteiligung zeigte auch er sich enttäuscht. „Es ist furchtbar, dass sich vor allem die Jungen nicht einbringen.“ Das bedeute für den Stadtrat auch, dass „wir mehr auf das Thema Kommunalpolitik aufmerksam machen müssen.“

So sieht das auch der amtierende Bürgermeister Raff. „Ich werde meine Enttäuschung über die schlechte Wahlbeteiligung nicht verhehlen“, sagte er am Montag. Das Ziel von CSU, aber auch von den Kontrahenten BBV und Grüne, ist es, die Nicht-Wähler ins Boot zu holen. Auch wenn alle wissen: Dafür haben sie nur noch bis zur Stichwahl am 21. Mai Zeit.

Die Wahllokale:

Insgesamt gab es 24 Wahllokale.

 Rathaus: Erich Raff (CSU) 232 Stimmen, 41,4 Prozent; Philipp Heimerl (SPD) 114, 20,3 %; Georg Stockinger (Freie Wähler) 21, 3,7 %; Martin Runge (BBV/Grüne) 155, 27,6 %; Elisabeth Staffler (Leben in Bruck) 17, 3,0 %; Florian Weber („Die Partei“) 22, 3,9 %. 

Jahnhalle 1: Raff 189, 37,9 %; Heimerl 95, 19,0 %; Stockinger 21, 4,2 %; Runge 150, 30,1 %; Staffler 20, 4,0 %; Weber 24, 4,8 %

 Jahnhalle 2: Raff 163, 43,2 %; Heimerl 61, 16,2 %; Stockinger 13, 3,5 %; Runge 98, 26,0 %; Staffler 15, 4,0 %; Weber 27, 7,2 % 

Werkstatt für Behinderte 1: Raff 220, 40,1 %; Heimerl 99, 18,0 %; Stockinger 22, 4,0 %; Runge 173, 31,5 %; Staffler 12, 2,2 %; Weber 23, 4,2 % 

Werkstatt für Behinderte 2: Raff 187, 42,8 %; Heimerl 79, 18,1%; Stockinger 22, 5,0 %; Runge 104, 23,8 %; Staffler 7, 1,6 %; Weber 38, 8,7 %

 Kinderhilfe: Raff 218, 36,3 %; Heimerl 111, 18,5 %; Stockinger 23, 3,8 %; Runge 217, 36,1 %; Staffler 11, 1,8 %; Weber 21, 3,5 % 

VHS: Raff 148, 29,0 %; Heimerl 109, 21,3 %; Stockinger 8, 1,6 %; Runge 215, 42,1 %; Staffler 14, 2,7 %; Weber 17, 3,3 %

 Ferdinand-von-Miller Realschule: Raff 195, 32,3 %; Heimerl 112, 18,6 %; Stockinger 18, 3,0 %; Runge 226, 37,5 %; Staffler 34, 5,6 %; Weber 18, 3,0 %

 Schule Nord 1: Raff 198, 38,8 %; Heimerl 116, 22,7 %; Stockinger 18, 3,5 %; Runge 146, 28,6 %; Staffler 18, 3,5 %; Weber 15, 2,9 % 

Schule Nord 2: Raff 211, 47,2 %; Heimerl 72, 16,1 %; Stockinger 15, 3,4 %; Runge 118, 26,4 %; Staffler 18, 4,0 %; Weber 13, 2,9 % 

Schule Nord 3: Raff 241, 46,3 %; Heimerl 73, 14,0 %; Stockinger 16, 3,1 %; Runge 153, 29,4 %; Staffler 24, 4,6 %; Weber 14, 2,7 % 

Schule West 1: Raff 190, 43,5 %; Heimerl 73, 16,7 %; Stockinger 8, 1,8 %; Runge 139, 31,8 %; Staffler 13, 3,0 %; Weber 14, 3,2 % 

Schule West 2: Raff 202, 48,3 %; Heimerl 72, 17,2 %; Stockinger 25, 6,0 %; Runge 95, 22,7 %; Staffler 15, 3,6 %; Weber 9, 2,2 % 

Schule West 3: Raff 186, 45,8 %; Heimerl 59, 14,5 %; Stockinger 12, 3,0 %; Runge 125, 30,8 %; Staffler 14, 3,5 %; Weber 10, 2,5 % 

Schule West 4: Raff 150, 42,1 %; Heimerl 49, 13,8 %; Stockinger 9, 2,5 %; Runge 110, 30,9 %; Staffler 26, 7,3 %; Weber 12, 3,4 % 

Stadtteilzentrum West: Raff 185, 44,9 %; Heimerl 76 , 18,5%; Stockinger 12, 2,9 %, Runge 115, 27,9 %; Staffler 14, 3,4 %; Weber 10, 2,4 %

 Viscardi Gymnasium: Raff 236, 45,5 %; Heimerl 77, 14,8 %; Stockinger 15, 2,9 %; Runge 153, 29,5 %; Staffler 22, 4,2 %; Weber 16, 3,1 %

 Seniorenwohnen Buchenau: Raff 265, 44,0 %; Heimerl 106, 17,6 %; Stockinger 19, 3,2 %; Runge 175, 29,1 %; Staffler 19, 3,2 %; Weber 18, 3,0 % 

Puch: Raff 158, 52,3 %; Heimerl 42, 13,9 %; Stockinger 19, 6,3 %; Runge 71, 23,5 %; Staffler 5, 1,7 %; Weber 7, 2,3 %

 Aich: Raff 140, 57,4 %; Heimerl 30, 12,3 %; Stockinger 9, 3,7 %; Runge 56, 23,0 %; Staffler 4, 1,6 %; Weber 5, 2,1 %

 Briefwahlbezirk 1: Raff 426, 55,5 %; Heimerl 75, 9,8 %; Stockinger 22, 2,9 %; Runge 204, 26,6 %; Staffler 21, 2,7 %; Weber 20, 2,6 % 

Briefwahlbezirk 2: Raff 337, 44,2 %; Heimerl 111, 14,6 %; Stockinger 26, 3,4 %; Runge 253, 33,2 %; Staffler 23, 3,0 %; Weber 12, 1,6 % 

Briefwahlbezirk 3: Raff 339, 45,6 %; Heimerl 105, 14,1 %; Stockinger 35, 4,7 %; Runge 229, 30,8 %; Staffler 20, 2,7 %; Weber 16, 2,2 % 

Briefwahlbezirk 4: Raff 350, 44,5 %; Heimerl 142, 18,1 %; Stockinger 33, 4,2 %; Runge 214, 27,2 %; Staffler 27, 3,4 %; Weber 20, 2,5 % Quelle: Stadt FFB

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