Sabine Schellhorn und Michael Lukas stellten im Haus 10 am Kloster ihre Werke aus. foto: weber

Sie malen die Welt schwarzweiß, wie es ihnen gefällt

Fürstenfeldbruck – Sabine Schellhorn macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. „Es zieht sich durch alle meine Projekte, dass ich Sachen neu anordne“, sagt die Fränkin, die in Bremen lebt und ab morgen gemeinsam mit dem Münchner Künstler Michael Lukas in der Kulturwerkstatt Haus 10 ausstellt.

Schellhorn hat zum Beispiel einen neuen Fluss geschaffen, die Wesamper. Die Kombination aus Weser und Amper – zu gleichen Teilen eine Hommage an die Wahlheimat der Künstlerin und den Ausstellungsort – besteht aus schwarzem Teppichstoff und schlängelt sich über die weiße Wand gleich links neben dem Eingang. Auch Schwarzweiß-Bilder dieses und anderer Fantasieflüsse sind zu sehen sowie eine ganze Serie von Flussdeltas – in Form von Zeichnungen, Ministeckbildern und sogar als Filetstickerei. Wer in Erdkunde bewandert ist, erkennt in den Kunstwerken den Nil und den Mississippi, den Ganges und die Lena.

Flüsse faszinieren die Künstlerin wegen ihrer grafischen Formen und weil sie überraschende Assoziationen mit Pflanzen und Blutgefäßen hervorrufen. Tatsächlich könnten die feinen Linien in ihren Bildern auch Blattadern oder Herzkranzgefäße sein. Andere Linien hat sie auf einer viele Meter langen Kassenbon-Rolle festgehalten, die in Bögen von der Decke hängt. Das Werk zeigt den Horizont, wie sie ihn auf der Fahrt von Bremen nach München aus dem Zugfenster wahrgenommen und blind abgezeichnet hat.

Ihren Kollegen Michael Lukas hat die 54-Jährige bei einer Ausstellung im Haus der Kunst in München kennengelernt. Die beiden stellten fest, dass sie die Begeisterung für das Thema Landschaft teilen. Lukas zeigt in Bruck unter anderem eine Installation aus Digitalfotos, die er ebenfalls auf einer Zugfahrt zwischen München und Bremen aufgenommen hat. Aufgrund der Geschwindigkeit sind die Bilder teilweise verzerrt, teilweise brüchig und fragmentiert. In den 1990-er Jahren begann Lukas, sich für die vertikale Sicht auf die Welt zu interessieren. In großformatigen Acryl- und Ölbildern setzt er Landschaften mit anderen Elementen in Beziehung, zum Beispiel mit Zellstrukturen. Er wagt kühne Dimensionssprünge, kombiniert Makro und Mikro und schafft Bilder von kühler Ästhetik, die man lange betrachten möchte.

In anderen Werken spielt er mit Materialien und Kontrasten, oft intuitiv und selbst vom Resultat überrascht. Lukas hofft auf einen Dialog mit dem Brucker Publikum und wird deshalb nicht nur bei der morgigen Vernissage, sondern auch an den Sonntagen im Haus 10 anzutreffen sein. „Ich freue mich, wenn die Leute das Gespräch suchen“, sagt der 56-Jährige. Seine Werke fordern zur Auseinandersetzung auf, sowohl gedanklich als auch verbal. Fragen zur scheinbar falsch gehenden Digitaluhr an der Wand kann Sabine Schellhorn beantworten. Die Uhr zeigt die entsprechend dem Sonnenstand exakte, nach Längen- und Breitengrad ermittelte Brucker Ortszeit. Sie liegt etwa eine Viertelstunde hinter dem mitteleuropäischen Standard. In Sachen Kunst – das zeigt diese Ausstellung einmal mehr – ist Bruck aber durchaus auf der Höhe der Zeit. (Ulrike Osman)

Die Ausstellung

zeit:zonen mit Werken von Sabine Schellhorn und Michael Lukas wird morgen um 19.30 in der Kulturwerkstatt Haus 10 eröffnet und läuft vom 3. bis zum 18. September. Geöffnet ist sie jeweils am Freitag von 16 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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