Nur noch bis Ende Mai versorgen Dr. Rainer Ewers und seine Mitstreiter in der Bereitschaftspraxis Patienten in eigener Regie. 

In Fürstenfeldbruck

„Man hat uns quasi rausgeworfen:“ Bereitschaftsärzte werden neu organisiert

Wechsel in der ärztlichen Bereitschaftspraxis des Klinikums: Die BruPrax GmbH – ein Zusammenschluss von Ärzten aus dem Landkreis – hört Ende Mai auf. Die Praxis übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung (KVB). Für die Patienten bringt das längere Öffnungszeiten – für die übrigen Ärzte mehr Bereitschaftsdienst.

Fürstenfeldbruck– In gewisser Weise waren sie Pioniere in der Region: Elf niedergelassene Hausärzte und Internisten schlossen sich Ende 2002 zur BruPrax GmbH zusammen und riefen die ärztliche Bereitschaftspraxis im Krankenhaus ins Leben. „Zu dieser Zeit gab es noch nicht so viele Bereitschaftspraxen in Kliniken“, erinnert sich Dr. Rainer Ewers, Brucker Hausarzt und Geschäftsführer der GmbH. Man habe das von München aufs Land übertragen wollen. „Es ist ein tolles Angebot für die Bevölkerung.“

Als Geschäftsführer der GmbH verhandelte Ewers mit der Klinikleitung und der KVB. „Die Klinik war sofort dafür.“ Das inzwischen zwölfköpfige Ärzte-Team steht dann für die Patienten bereit, wenn andere Praxen zu haben: Am Mittwoch- und Freitagabend, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Der Dienstplan wird abgesprochen, Probleme habe es nie gegeben. „In den 16 Jahren haben wir knapp 110 000 Patienten behandelt“, sagt Ewers. „Die halbe Landkreis-Bevölkerung war also schon mal da.“ Auch die übrigen Ärzte schätzten das Angebot, denn es entlastete sie ein Stück vom Notdienst.

Und auch in der Kreisklinik hat sich das Konzept bewährt. Denn immer wieder kommen Menschen in die Notaufnahme, die eigentlich keine Notfälle sind. „Die werden in die Bereitschaftspraxis weitergeschickt“, erklärt Klinik-Vorstand Alfons Groitl. Die BruPrax sei ein Vorreiter und leiste seit Jahren gute Arbeit. Daher hätte er gerne mit den Medizinern weitergearbeitet.

Doch nun ist damit Schluss. Denn die KVB will flächendeckend Bereitschaftspraxen in Krankenhäusern einrichten. Das Team der BruPrax hätte zwar weitermachen können, berichtet Ewers. Aber mit längeren Öffnungszeiten und ohne einige Zuschläge, so dass sich der Dienst finanziell gar nicht mehr rentiert hätte. „Ich bringe keinen Arzt dazu, sich am Mittwoch von 14 bis 21 Uhr in die Praxis zu setzen und dann kommen drei Patienten“, sagt der 66-jährige Hausarzt.

Das bedeutete das Ende der BruPrax am 28. Mai. „Mit diesen Drohungen hat man uns quasi rausgeworfen.“ Die KVB übernimmt die Bereitschaftspraxis zum 29. Mai. Sie ist künftig am Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 bis 21 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 16 bis 21 Uhr sowie am Samstag, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 21 Uhr geöffnet. „Zum Bereitschaftsdienst sind grundsätzlich alle niedergelassenen Ärzte verpflichtet“, erklärt KVB-Sprecherin Birgit Grain.

Für die Mediziner imLandkreis Bruck und Dachau bedeutet die Umorganisation, dass künftig alle – laut Ewers rund 300 Mediziner vom Urologen bis zum Hautarzt – über ein Computersystem zum Bereitschaftsdienst eingeteilt werden. Entweder fahren sie zu Patienten wie bisher, oder sie besetzen die Praxen in den Krankenhäusern in Bruck und Dachau. Wer das nicht wolle, könne über ein Internetportal den Notdienst tauschen oder an andere Ärzte verkaufen, erklärt Ewers. Es gebe Mediziner, die viele dieser Bereitschaftsdienste machen würden. „Aber das wird immer schwieriger.“

Für Klinik und Patienten ändert sich außer den Öffnungszeiten erstmal nichts. Ob die neue Bereitschaftspraxis für die Notaufnahme eine Entlastung wird, das wagt Ewers zu bezweifeln. Ein Augenarzt könne bei einer Mandel- oder Blinddarmentzündung vielleicht nicht so genau eine Diagnose stellen, wie ein Internist oder Hausarzt. (von Ingrid Zeilinger)

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