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Gerade die Metzger haben Nachwuchsprobleme.

Fürstenfeldbruck

Mangel an Arbeitskräften bleibt großes Problem: Verzweifelte Suche nach Azubis

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Am 1. September beginnt für hunderte junger Menschen im Landkreis die Lehrzeit. Doch viele Unternehmen klagen, Stellen nicht besetzen zu können. Besonders betroffen sind das Handwerk und der Einzelhandel. Bei manchen Unternehmen setzt deshalb ein Umdenken ein.

Fürstenfeldbruck– So wenige waren es noch nie. Gerade einmal 33 Lehrverträge kann Franz Höfelsauer Ende August vorweisen. Ende 2018 waren es noch 76 Azubis, die im Landkreis ihr Berufsleben in einem Betrieb der Kreishandwerkerschaft begannen. Besonders schlimm sieht es für die Metzger aus. Dort gibt es laut Höfelsauer wie bereits im Vorjahr keinen einzigen Bewerber. „Die Situation ist wirklich prekär“, sagt der Ehrenobermeister, der Bäcker, Baufirmen, Friseure, Metzger und Schreiner vertritt. Insgesamt sieht es beim Handwerk im Landkreis allerdings ein wenig besser aus. Die Handwerkskammer meldet 214 Lehrverträge im Kreis – ein Jahr zuvor waren es aber noch 273 neue Azubis.

Auftragsbücher bei Schreinern sind voll

Kreishandwerksmeister Harald Volkwein rührt deshalb auch kräftig die Werbetrommel für seine Zunft. „Die Auftragsbücher sind voll“, erklärt der Schreiner aus Gröbenzell. Auch wer momentan noch keine Stelle habe, solle sich noch bewerben. „Die Betriebe suchen händeringend Nachwuchskräfte.“

Problem auch im Gastgewerbe

Das würde auch Gerhard Kohlfürst unterschreiben. Der Brucker Gastronom und Hotelier ist stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck. Und auch er tut sich seit Jahren schwer, Azubis zu finden. Am 1. September starten bei ihm zwar immerhin drei Köche und drei Hotelfachleute ins Berufsleben. Doch der Unternehmer bräuchte auch Restaurantfachleute und Fachkräfte im Gastgewerbe. Diese Stellen kann er aber schon seit längerem nicht mehr besetzen. „Der Fachkräftemangel bleibt das Problem Nummer eins“, sagt Kohlfürst.

Dass die Zeiten, in denen Unternehmer aus vielen Bewerbern wählen konnten, vorbei sind, weiß der Gastronom schon seit längerem. Personal bekomme nur, wer sich dafür ins Zeug lege. Deshalb nutzt Kohlfürst auch jede Chance, sich und seinen Betrieb zu präsentieren. „Wir sind bei so vielen Berufsinfotagen wie möglich dabei.“ Außerdem bietet Kohlfürst regelmäßig Praktika an.

Immer mehr wollen studieren

Dass sich immer weniger Menschen für eine Ausbildung interessieren, liegt für Gerhard Kohlfürst vor allem daran, dass immer mehr Schulabgänger ein Studium anstreben. Doch der Chef des Fürstenfelder gibt sich auch selbstkritisch. Seine Branche habe Fehler gemacht: Lange Arbeitszeiten sowie viele Schichten am Wochenende hätten zu einem schlechten Image der Gastronomie geführt. Deshalb will er jetzt gegensteuern – etwa mit freien Wochenenden, kürzeren Schichten sowie Fort- und Weiterbildungen.

Andere Arbeitszeitmodelle

Auch im Handwerk werden sich Firmen umstellen müssen, sagt Ehrenhandwerker Franz Höfelsauer. „Zum Beispiel durch neue Arbeitszeitmodelle.“ Auch er weiß um die sich verändernden Lebensmodelle junger Menschen, bei denen der Einklang von Arbeit, Freizeit und Familie immer mehr in den Vordergrund rückt. Doch Höfelsauer weiß auch, dass die Flexibilität im Handwerk ihre Grenzen hat. Die Arbeit finde eben in der Werkstatt oder auf der Baustelle statt – Home Office ist da nicht drin.

Jetzt hoffen Höfelsauer und Kohlfürst, dass sich noch möglichst viele Bewerber finden. Zu spät sei es längst nicht. Bis Jahresende könne man noch ins Lehrjahr einsteigen.

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