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Die heidnische Göttin Perchta hat traditionell zwei Gesichter: ein hässliches (wie hier) und ein schönes.

Verschiedene Auslegungen alpenländischer Tradition

Maske spaltet Fürstenfeldbrucks Perchten-Verein

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Die Meinungen über Perchten gehen allgemein auseinander. Die einen verbinden mit den Umzügen um den Jahreswechsel Tradition und Brauchtum. Die anderen finden die fiesen Gestalten zum Fürchten. Und manchmal streiten die Perchten selbst untereinander über die Auslegung des Brauches.

Fürstenfeldbruck Seit Sommer gibt es in Bruck zwei Perchten-Vereine: die „Amperperchten“ und die „Brucker Perchten und Rauhnachtsgsindl“. Letzterer ist aus Ersterem hervorgegangen. 13 Mitglieder haben sich zum neuen Verein zusammengetan. Anführer der Brucker Perchten ist Klaus Trnka. Sein Sohn Johannes ist neuer Vorsitzender der Amperperchten. Grund für die Trennung waren Meinungsverschiedenheiten, die unter anderem im Zuge der „Wuide Hetz“ offenbar wurden.

Sollen Hexen und Geister das Brauchtum rund um die Perchten ergänzen?

Die Perchta-Maske, die beim Stück „Wuide Hetz“ zum Einsatz kommt, hat Klaus Trnka mitgestaltet. Er ist der Meinung, man müsse das Brauchtum öffnen für andere Wesen.

Die Verantwortlichen des Stücks holten die Amperperchten, die Klaus Trnka gegründet hat, bei der Produktion vor Monaten mit ins Boot. Vereinsmitglieder durften beim Drehbuch mitwirken, einige stehen bei der Aufführung selbst auf der Bühne. „Das ist eine Chance, unsere Geschichten mit neuen Masken zu erzählen“, sagt Klaus Trnka, der den Kraxenträger spielt, ein Wesen, das den Perchten früher den Weg mit Fackeln ausgeleuchtet und Menschen bei Hofbesuchen freundlich begrüßt haben soll, also ein freundliches Monster. Er habe immer versucht, den Perchten einen regionalen Sinn zu geben, obwohl der Brauch ja aus den Alpen stamme, sagt Trnka. Daher wolle er das Perchten-Brauchtum in Bruck öffnen für Wesen wie Hexen und Geister, die in der Region eine Bedeutung haben.

Gleichwohl ging diese progressive Sichtweise einigen Mitgliedern der Amperperchten zu weit. Sie möchten die Perchten einfach Perchten sein lassen. Bei der vergangenen Mitgliederversammlung konnte sich Klaus Trnka nicht durchsetzen. Er und andere, darunter seine Tochter Sophie, verließen daraufhin den Verein und gründeten die Brucker Perchten. Neuer Vorsitzender der Amperperchten ist seitdem Johannes Trnka (36), Klaus Trnkas Sohn. Er sagt: „Es gab unterschiedliche Auffassungen zur Aufstellung des Vereins. Auch bei der Perchta-Maske gab es unterschiedliche Meinungen.“

Die Perchten sind zwar hässlich, doch sie sollen Glück bringen

So sieht das schöne Gesicht der Perchta aus.

Sein Vater Klaus Trnka fuhr mit dem Regisseur der Wuiden Hetz nach Berchtesgaden zu einem Maskenschnitzer. Es entstand ein Unikat für die Perchta, die wichtigste Figur des Brauchtums. Diese wird normalerweise als doppelköpfige Göttin dargestellt. Sie hat ein schönes und ein hässliches Gesicht. Die Maske für die Wuide Hetz hat nur ein hässliches Gesicht. Wenn die Schauspielerin die andere Seite darstellen will, zieht sie die Maske einfach nach oben und zeigt ihr eigenes Gesicht. Klaus Trnka: „Die Leute sollen sehen: Es ist nicht alles Böse, was hässlich ist. Die Perchten sind Glücksbringer.“ Sein Sohn dagegen hält wenig von der neuen Perchta. „Wir möchten die Geschichte der Perchten im wesentlichen nicht ändern und sie den Besuchern so erzählen, wie wir es die vergangenen Jahr erfolgreich getan haben.“

Immerhin sind sich Vater und Sohn darin einig: Trotz all der Meinungsverschiedenheiten beim Perchten-Brauchtum gebe es familienintern keine Probleme. Beide wünschen sich gegenseitig alles Gute für ihren Verein.

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