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Herzzerreißend: Julias Duett mit dem toten Romeo in der Grabkammer aus Preljocajs „Romeo and Juliet“ von 1996 war einer der großen Momente des Festivals.

Dance First

Meilenstein des zeitgenössischen Tanzes

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Grandioses Finale des Tanzfestivals „Dance First“: Die Kompanie von Angelin Preljocaj hat es in 90 fulminanten Minuten geschafft, das seit 30 Jahren währende Werk des französischen Star-Choreographen auf den Punkt zu bringen. Das Programm „Playlist #1“ ist eine Retrospektive und zeigte zehn kurze Ausschnitte aus Preljocajs bedeutendsten Werken.

Los geht es mit Arbeit. Weiß gekleidete Tänzerinnen stellen in zwei Nummern die Tanzsprache des Choreographen vor: Abstrakte und geometrische Bewegungen werden schnell, äußerst präzise und synchron ausgeführt. Alle Mitglieder der Kompanie müssen die einzelnen Teile exakt gleich tanzen. Um das sicherzustellen, hat Preljocaj sogar ein spezielles System, wie er die Bewegungen festsetzt: Sie werden aufgeschrieben, so wie Musik durch Noten. Erst durch den Charakter der Tänzer bekommt das Ganze eine Seele.

Wie ein Puzzle setzt sich dann das Werk Preljocajs Stück für Stück zusammen. Nach der hörbaren und sichtbaren Körperarbeit – Beine und Arme klatschen aufeinander und auf den Bühnenboden, auf dem nackten Rücken einer Tänzerin zeigen sich die Muskeln, Sehnen und Knochen – wird es graziler und theatralischer. In mehreren Duetten werden die Einzelteile zu wunderschönen Hebungen und Sprüngen, die Tänzer agieren jetzt viel mehr miteinander.

Erster Höhepunkt ist das Spiel von sechs Männern und Frauen mit drei Stühlen: die Reise nach Jerusalem. Immer wieder und immer schneller tauschen sie ihre Plätze, man wünscht sich eine Zeitlupe, um noch besser die Bewegungen studieren zu können.

Der Schluss wird gekrönt von einem Ausschnitt aus „Snow White“ (2008): Die Hexe, das Schneewittchen und ein Apfel ergeben einen faszinierenden Todeskampf. Ein Meilenstein zeitgenössischen Tanzes ist schließlich das Liebesduett aus „Romeo und Juliet“ (1996), gefolgt von herzzerreißenden Szenen in der Grabkammer. Wie erst der Liebhaber mit der vermeintlich toten Julia tanzt, dann das erwachte Mädchen mit dem toten Romeo – besser und ergreifender kann man Gefühle nicht durch Bewegung transportieren.

Ein Kunstwerk, auch ein Tanz-Kunstwerk, ist in den Augen von Preljocaj etwas Vergängliches, Flüchtiges. Es wird einerseits durch den Künstler erschaffen, andererseits aber erst durch die Zuschauer zum Werk: durch deren Blick in einem bestimmten Moment auf etwas Bestimmtes. Was das Publikum in Fürstenfeldbruck gesehen hat, hat es begeistert. Langer Applaus für die Tänzer. Ihr Werk ist so vergänglich nicht – der Abend wird noch lange in den Köpfen der Zuschauer bleiben.

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