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Auch das gemeinsame Kochen ist für die Schützlinge des P6 NEO wichtig. Diesmal bereiten sie mit Pädagogin Sara Fremmer (l.) und Sozialpädagogin Monika Quessel Schinkennudeln und danach selbstgebackenen Kuchen zu. Viele Ehrenamtliche helfen mit, dass täglich Frühstück und Mittagessen angeboten werden können 

P 6 Neo

Methadon: Der umstrittene Rettungsanker

Seit 30 Jahren darf Methadon an Heroinabhängige ausgegeben werden. Am 1. März 1988 bekamen in Nordrhein Westfalen erstmals Süchtige das Medikament als Ersatz für die Droge. Seit fast 20 Jahre gibt es Methadon-Substitution auch in Fürstenfeldbruck. Für Abhängige ist die Anlaufstelle ein Rettungsanker – für manche Bürger bis heute ein Ärgernis.

Fürstenfeldbruck – Mit Gründung des AID-Verein (Amperinitiative zur qualifizierten Betreuung Drogenabhängiger) durch die Allgemeinmedizinerin Dr. Astrid Beck und Jochen Habsch wurde ein erster Schritt getan. Die Ärztin betreut Heroinabhängige, verschreibt Methadon und gibt das Medikament kontrolliert in Räumlichkeiten der Einrichtung P 6 an die Süchtigen aus.

Martin S. (Name geändert) kennt das P 6 von Anfang an: „Meine Hausärztin Frau Beck hat mich dorthin vermittelt und ich bin bis heute froh über das Angebot, sonst wäre ich womöglich weiter in der Szene abgerutscht“, sagt der 53-Jährige. Mit 28 Jahren kam er mit Heroin in Kontakt und wurde abhängig.

Heute spürt Martin S. längst kein Verlangen mehr nach der Droge, er ist mit dem Methadon gut eingestellt. „Hätte ich damals nicht die Kurve gekriegt, wäre ich wahrscheinlich schon längst tot“, sagt Martin S. AID war anfangs in der Pucher Straße 6 (daher der Name P 6) untergebracht, später in einem Gebäude Auf der Lände.

„Seit eineinhalb Jahren haben wir unsere Anlaufstelle, das P 6 NEO in der Hasenheide“, erzählt Pädagogin Sara Fremmer. Mit dem Umzug in die neuen Räumlichkeiten wurde das P 6 NEO auch zur staatlich geförderten Kontakt- und Begegnungsstätte (KuB) für Suchtkranke. Das heißt: „Wir können seither verstärkt Programme und mehr Lebenshilfen auch für die so genannten weichen Drogen wie Alkohol oder Nikotin anbieten“, sagt Fremmer.

„Wir geben Hilfe bei Abstinenz oder kontrolliertem Konsum, zum Beispiel können Betroffene ein Konsumtagebuch führen und einzeln oder in der Gruppe über ihre Erfahrungen sprechen“, erklärt die Pädagogin das zusätzliche Angebot. Auch Angehörige, wie Eltern oder Partner von Suchtkranken, können sich an die KuB wenden – natürlich unterliegen Sara Fremmer und Sozialpädagogin Monika Quessel der Schweigepflicht.

Manche der überwiegend männlichen Besucher kommen täglich, manche nutzen nur sporadisch die freiwilligen Angebote der Einrichtung. „Zu uns kann jeder kommen, auch wenn er nicht substituiert wird“, so Sara Fremmer. Die Lebenserhaltung habe oberste Priorität;. „Mit dem Medikament Methadon kann man in der Suchtkrankheit Stabilität schaffen und mit unseren anderen Angeboten wie das tägliche gemeinsame Frühstück oder Mittagessen sorgen wir für Alltagsnormalität und Struktur.“ (akk)

Kontaktaufnahme

Von Mittwoch bis Sonntag und feiertags, 18 bis 20 Uhr, ist die Hotline des AID-Telefons besetzt. Unter der Nummer (01 52) 22 35 11 53 können Interessierte anonym Kontakt aufnehmen.

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