Das Millerkreuz ist technisch in die Jahre gekommen und nicht mehr sicher. Davon überzeugten sich auch Stadtwerke-Sprecherin Monika Lidmilla (linkes Foto, l.) und Barbara Kink vom Museum. 
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Das Millerkreuz ist technisch in die Jahre gekommen und nicht mehr sicher. Davon überzeugten sich auch Stadtwerke-Sprecherin Monika Lidmilla (linkes Foto, l.) und Barbara Kink vom Museum. 

Fürstenfeldbruck

Das Miller-Kreuz darf nicht mehr leuchten

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Viele Jahre hing über die Kar- und Ostertage ein großes Kreuz mit roten und weißen Glühbirnen an der Leonhardikirche. Es ist ein Geschenk des Ehrenbürgers Oskar von Miller. Doch seit einigen Jahren ist es in der Versenkung verschwunden – aber warum eigentlich?

Fürstenfeldbruck – Es ist weit mehr als menschengroß und besteht aus 120 kleinen Glühbirnen. Drähte auf der Rückseite des metallenen Körpers zeugen von der einstigen Technik, die das große Kreuz einst erhellte. In der Mitte war rotes Licht, außen weißes, berichtet Barbara Kink vom Museum Fürstenfeldbruck. Jedes Jahr an Gründonnerstag wurde das Kreuz an der Leonhardikirche mit Blick zur Amper aufgehängt. „Es muss für die Bevölkerung wahnsinnig beeindruckend gewesen sein, wenn plötzlich buntes Licht von der Kirche gestrahlt hat“, vermutet Kink.

Daran erinnern sich auch die Bürger zurück. Wann hängt das Kreuz wieder an der Kirche – diese Frage erreichte das Tagblatt. Die Antwort ist niederschmettern: vorerst gar nicht mehr. Denn die alte Technik ist nicht mehr sicher.

Viel bekannt ist nicht zu diesem Werk. Gefertigt hat es Oskar von Miller. Der berühmte Brucker Sohn und Pionier der Wasserkraft und Elektrifizierung wurde am 6. Februar 1893 zum Ehrenbürger ernannt – ein Jahr nachdem erstmals Wasser durch die Turbinen des Kraftwerks Schöngeising flossen und Strom nach Bruck brachten. Zum Dank schenkte er dem Markt das Kreuz. Am Abend des Gründonnerstag im Jahr 1893 hing es erstmals am Giebel der Leonhardikirche. „Es war genau eingepasst“, erinnert sich Kultur- und Brauchtumsreferentin Birgitta Klemenz. „Es hat sehr schön ausgesehen.“ Eine Urkunde über die Schenkung ist in keinem Archiv zu finden.

Grund, an dieser Geschichte zu zweifeln, gibt es nicht. „Die Millers waren religiöse Leute“, erklärt Klemenz. Durch das Kreuz verbanden sie Technik und Tradition. Seit jenem Gründonnerstag befestigten es Mitarbeiter der Stadtwerke an der Leonhardikirche. Doch warum dort? Die Kirche befindet sich im Eigentum der Stadt und nicht des Erzbistums, erklärt Klemenz. Nach der Säkularisierung hatte der Markt das Gotteshaus erworben. „Es ist ein Symbol des Selbstbewusstseins und der technischen Aufgeschlossenheit.“ Denn beim Thema Elektrifizierung sei Bruck immer vorne dran gewesen.

Das Kreuz liegt im Energiemuseum und soll im Juli in einer Ausstellung des Museums gezeigt werden – allerdings unbeleuchtet. Wie es früher von der Leonhardi-Kirche gestrahlt hat, zeigt das Gemälde von Ludwig von Senger, das um das Jahr 1900 datiert ist.

Bis vor etwa fünf Jahren strahlte das Kreuz von der Leonhardikirche – am Ende nur noch in weißem Licht. Dann verkündeten die Mitarbeiter der Stadtwerke, dass sie es nicht mehr montieren könnten. „Die Drähte und Leitungen sind nicht richtig isoliert“, erklärt Stadtwerke-Sprecherin Monika Lidmilla. „Wir können es unter dem Aspekt der Sicherheit nicht aufhängen.“ Dafür müsste man es grundlegend restaurieren und es neu verkabeln. Doch dann verliert das Miller-Kreuz womöglich sein charakteristisches Aussehen, und das will niemand.

Derzeit fristet das Miller-Kreuz im Energiemuseum der Stadtwerke sein Dasein. Aber zumindest unbeleuchtet sollen es die Brucker wieder sehen können. Denn das Museum plant im Juli die Ausstellung „Faszination elektrisches Licht“ und möchte es als Leihgabe zeigen. Überhaupt könnte man sich vorstellen, das Vermächtnis des berühmten Sohns im Depot zu haben, sagt Barbara Kink. „Wir würden es schon gerne nehmen.“ Und ob es eines Tages doch wieder leuchtet, wird die Zeit zeigen. Bis dahin bleibt es den Bruckern in Erinnerung, wenn sie am Karfreitag zur Leonhardikirche blicken.

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