Brauerei-Chef Guido Amendt freut sich auf sein Volksfest in Graßlfing
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Das Anstoßen klappt schon. Jetzt freut sich Brauerei-Chef Guido Amendt (l.) auf sein kleines Volksfest.

Bayerische Tradition während Corona

Mini-Volksfeste: Wirte sehen sich gerüstet

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Volksfeste gibt es heuer keine – doch die Lust auf Bier und Brezen ist da. Einige Wirte locken mit Angeboten. Doch ist das in Zeiten steigender Corona-Zahlen eine gute Idee?

  • Da die Volksfeste entfallen, reagieren die Wirte mit ähnlichen Angeboten im kleineren Rahmen.
  • Beim „Volksfest dahoam“ sind einige festliche Attraktionen im Landkreis schon im Gange.
  • Die Gastronomen sehen sich hinsichtlich der steigenden Infektionszahlen gut gerüstet.

Landkreis – Den Start seiner Brauerei am Olchinger Stadtrand hatte sich Guido Amendt ganz anders vorgestellt. Mitten im Corona-Lockdown öffnete die kleine Bierfabrik im Gut Graßlfing ihre Tore. Der Gerstensaft sollte dort nicht nur hergestellt sondern auch gleich getrunken werden – inklusive bayerischer Schmankerl und gemütlichem Ambiente. Daraus wurde im Frühling bekanntlich nichts.

Jetzt soll Amendts Traum Wirklichkeit werden – im Rahmen der Aktion Volksfest dahoam des bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Die Idee: Statt in Massen auf Volksfesten sollen die Bayern Bier, Brezen und Brauchtum im örtlichen Wirtshaus genießen. „Das Ganze hat so auch einen kulturellen Wert“, sagt Amendt.

Doch das Coronavirus ist noch längst nicht besiegt. Zuletzt sind die Zahlen im Landkreis stark gestiegen. Amendt ist sich dessen bewusst. Er sieht sich aber gut gerüstet. „Wir haben ein exzellentes Hygienekonzept“, sagt er. Der Brauer sieht mehr Probleme bei privaten Feiern, wo in der Regel niemand auf Einhaltung der Standards achte. Im Gegensatz dazu werde er einen Mitarbeiter abstellen, der sich ausschließlich um die Hygiene kümmert.

Wie gut das Angebot vom 1. bis 11. Oktober angenommen wird, wird sich zeigen. Bei den Musikern, die auf einer Bühne dezent für Stimmung sorgen sollen, hat Amendt aber schon offene Türen eingerannt. „Die Musiker waren begeistert. Viele hatten seit Monaten keinen Auftritt mehr.“

Tracht und gute Laune mit Maske und Abstand

Bereits in vollem Gang sind die „Brauchtumswochen“ im Marthabräu in Fürstenfeldbruck. In der Festhalle gibt es „ein kleines Volksfest“, wie die Vizegeschäftsführerin Nadin Fischer erklärt. „Man spürt den Drang der Menschen nach bayerischer Gemütlichkeit“, so Fischer. Viele kämen in Tracht und mit guter Laune. An die notwendigen Regeln mit Registrierung, Abstand, Maske und separaten Wegen hielten sich die Leute. Fischers Fazit: „Das Angebot wird gut angenommen, es ist aber nie zu voll.“

Wir werden keine Achterbahn vor dem Hotel aufstellen.

Harald Schöffler, Hotel Schiller Olching

Mit von der Partie beim Volksfest dahoam ist auch das Hotel Schiller in Olching. Im Restaurant beschränkt man sich jedoch auf den kulinarischen Teil. „Wir haben eine Spezial-Karte mit bayerischen Spezialitäten und Wiesn-Bier“, sagt Geschäftsführer Harald Schöffler. Die Bedienungen tragen Lederhosen und Dirndl. Ein erhöhtes Infektions-Risiko sieht Schöffler nicht. Der Betrieb gehe wie bisher mit entsprechenden Schutzmaßnahmen weiter. „Und wir werden auch keine Achterbahn vor dem Hotel aufstellen.“

Auf ein ganz altes Konzept setzt das Brauhaus Germering. Am 10. Oktober gibt es an der Dorfstraße eine so genannte Gassenschänke. Wie im 19. Jahrhundert üblich, können die Gäste eigene Gefäße mitbringen und sich den Gerstensaft zum Mitnehmen abfüllen lassen. Wenn es schon kein Volksfest gibt, lässt sich so zumindest eine andere alte Tradition erleben.

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