In Fürstenfeldbruck

Mit 70 Jahren bewältigte er seinen ersten Triathlon 

Einmal im Leben einen Marathon laufen, einmal einen Schwimmwettbewerb bestreiten, einmal mit dem Rad gegen andere antreten. Kombiniert ergibt das einen Triathlon. Der Herausforderung stellen sich meist Menschen jüngerer und mittlerer Semester. Jürgen Reisch ist bereits 70 Jahre alt, als er sich jetzt in dieses Abenteuer stürzte.

Fürstenfeldbruck Schon immer waren Schwimmen, Radfahren und Laufen die Lieblingssportarten des Rentners. Um eine neue Herausforderung zu finden, entschied sich Jürgen Reisch dazu, es mal mit einem Triathlon zu versuchen. Vor einem Jahr verfolgte der ehemalige Diplom-Ingenieur für Datentechnik den Wörthsee-Triathlon noch als begeisterter Zuschauer und ließ sich inspirieren. Als er die Anmeldung für den diesjährigen Wettbewerb ausgefüllt und abgeschickt hatte, blieben noch drei Monate Zeit fürs Training. Eigentlich genug Zeit, dachte Reisch.

Doch schnell musste er feststellen, dass das Alter auch seine Probleme und zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt. „Ich durfte nicht krank werden und musste Körper und Geist in Einklang bringen.“ Er entschied sich dazu, jeden Tag – mit Ausnahme der Sonntage – eine der Disziplinen zu trainieren. Zudem stellte er seine Ernährung um und verzichtete komplett auf Alkohol. „Auch sonntags gab es kein Bier zur Weißwurst.“

Die Anfänge seien schwierig gewesen, so der 70-jährige Vater von zwei Söhnen („Der eine hat keinen Sinn für Sport, der andere geht demnächst nach China in eine Kung-Fu-Schule“). Muskelkater, Prellungen, Überdehnungen und leichte Zerrungen waren ständige Begleiter des Seniors im Alltag. Trotzdem zahlte sich seine Hartnäckigkeit aus, denn schon bald setzten die ersten Erfolge ein. Hinzu kamen andere positive Effekte. „Ich nahm ab und baute gleichzeitig Muskulatur auf. Das sagte mir, dass ich es schaffen kann.“

Um sein Training zu bereichern, sammelte Reisch noch andere Erfolge. Gold im deutschen Sportabzeichen und die Teilnahme am zehn Kilometer langen Stadtlauf in Fürstenfeldbruck verbuchte er für sich. Dann war es soweit, der Wörthsee und sein Traditions-Triathlon lockte.

Allerdings brachte der Tag an sich schon einige Herausforderungen mit sich. 30 Grad Außentemperatur, schwüle, stickige Luft und eine Wasserwärme von 25 Grad. „Das hatte ich versucht, in meinem Training zu berücksichtigen,“ beruhigte sich Reisch selbst. „Spannender war es, ob ich alle drei Disziplinen hintereinander schaffte, denn das habe ich nie trainiert.“

Der Startschuss fällt. Zunächst 600 Meter Schwimmen. Die Strecke teilt sich der Senior gut ein, verliert dadurch allerdings etwas Zeit. Er hofft, die Sekunden und Minuten bei Radfahren und Laufen wieder gut zu machen. Es folgen 20 Kilometer im Sattel mit dem extra angefertigten Rad. Reisch holt prompt deutlich auf und schafft in dieser Disziplin einen persönlichen Rekord. Dann sechs Kilometer Laufen. Es sei ein Kampf im Inneren gewesen, so der Rentner. Die Beine sagen Nein, der Kopf das Gegenteil. Doch durch Disziplin und Selbstbeherrschung kann er sogar weiter aufholen.

Am Ende stand fest: Jürgen Reisch hat sein persönliches Ziel, das Turnier-Zeitlimit von 130 Minuten zu unterbieten, mit einer Stunde und 58 Minuten erreicht. Und damit nicht genug: Weil es nur zwei Sportler in seiner Altersklasse gab, erhielt er zudem eine Silbermedaille.

Die Erkenntnis von Jürgen Reisch: „Ich habe gelernt, dass man seinem Körper vieles abverlangen kann, auch im Alter. Man kann immer über sich hinauswachsen,“ so der Rentner. Im nächsten Jahr seine Zeit zu schlagen würde ihn reizen. Das hänge aber von seiner Gesundheit und Fitness ab.

Christoph Unland

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