Hans-Joachim Hecht ist wieder mit dabei, wenn die BrainGames in Bruck eröffnet werden. 

Schach-BrainGames

Mit 79 immer noch ein Top-Schnelldenker

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Die BrainGames sind Deutschlands größtes Schnellschachturnier. Auch dieses Jahr locken sie wieder 200 Spieler aller Länder nach Fürstenfeldbruck. Mit Hans-Joachim Hecht (79) tritt auch Deutschlands erfahrenster Schacholympionike an. Der Brucker Großmeister freut sich auf das bunt gemischte Teilnehmerfeld aus Profis und Amateuren.

Fürstenfeldbruck – Hans-Joachim Hecht hat noch keine der sechs Ausgaben der BrainGames verpasst. „Die BrainGames sind ein Turnier mit hoher Strahlkraft“, meint der gebürtige Berliner, der seit 1983 in Fürstenfeldbruck lebt. „Wegen des hohen Preisgelds kommen internationale Spitzenspieler nach Fürstenfeldbruck. Gleichzeitig nehmen Amateurspieler teil, die die Atmosphäre genießen wollen. Das schafft eine schöne Stimmung.“

Niemand muss sich fürchten, von Profis vorgeführt zu werden. „Das Feld wird ständig angepasst, so dass man zunehmend gegen gleichstarke Spieler spielt. Das macht es für jeden interessant“, erklärt Hecht. Letztes Jahr gewann Hecht sieben seiner neun Spiele, beendete das Turnier einen halben Punkt hinter der Spitze auf dem 11. Rang – bei 200 Teilnehmern.

Unter den Spielern der BrainGames sind renommierte Profis wie die Russen Igor Khenkin und Vladimir Epishin, die ihren Lebensunterhalt mit Schach verdienen. „Es sind einige gute Gegner dabei, gegen die ich gerne einmal spielen würde“, so Hecht. Er freut sich auch auf ehemalige Wegbegleiter wie Klaus Klundt, mit dem er zur Olympiade 1970 fuhr und für die Schachabteilung des FC Bayern in der Bundesliga antrat.

Schnellschach ist eine Variation des regulären Schach. „Eine Begegnung dauert nur 30 Minuten“, erklärt Hecht. Während sich Partien beim üblichen Schach oft über mehrere Stunden dehnen, was sie für Zuschauer unattraktiv macht, steht beim Schnellschach jedem Spieler nur ein bestimmtes Zeitkontingent zur Verfügung. Dieses wird mittels einer Schachuhr gemessen. Hat ein Spieler einen Zug beendet, schlägt er auf die Uhr und die Zeit des Gegners beginnt zu laufen. Neigen sich beide Kontingente dem Ende entgegen, kommt es zu schnellen Zügen und hektischen Schlägen auf die Uhr, wodurch das Spiel eine ganz neue Dynamik bekommt.

Zur Atmosphäre der BrainGames tragen auch die Organisation und die Räumlichkeiten bei. „Jeder spielt neun Partien. Dazwischen gibt es Pausen und Verpflegung. So entstehen gute Gespräche“, meint Hecht. Dank zahlreicher Sonderkategorien können auch Amateure auf einen Preis hoffen. „Es gibt eine Wertung für Senioren, mehrere für Spieler mit niedriger Stärke und eine für Teams“, erklärt Hecht. „Ein Preis wird sogar ausgelost“, sagt Hecht und lacht. „So bleibt jeder motiviert.“

Hecht hat schon viele große Turniere erlebt. Er ist der erfahrenste deutsche Schach-Olympionike. Von 1962 bis 1986 gehörte er ständig zum Kader der Nationalmannschaft, ließ Olympiaden nur aus politischen Gründen ausfallen. 1966 in Havanna stellte die BRD keine Mannschaft, 1976 in Israel blieb er wegen Sicherheitsbedenken zuhause. „Insgesamt kam ich auf zehn Teilnahmen“, meint Hecht schmunzelnd. „Darauf bin ich schon stolz.“

In besonderer Erinnerung blieb Hecht die Olympiade 1979 in Buenos Aires. „Die Bundesrepublik erreichte den vierten Rang, ganz oben mit den großen Schachnationen“, schwärmt Hecht. „Das war ein riesiger Triumph.“

Hechts größter persönlicher Erfolg geschah abseits der Olympiade. 1973 bekam er vom Weltschachbund den Titel des Großmeisters verliehen. Im gleichen Jahr schlug er den ehemaligen Weltmeister Boris Spassky und gewann die Internationale Deutsche Meisterschaft. „Spassky hatte sich wohl noch nicht von seiner Niederlagen gegen Bobby Fischer erholt, bei der er im Vorjahr seinen Weltmeistertitel verlor“, meint Hecht bescheiden. „Für mich war es dennoch etwas Besonderes. Auch wenn ich eigentlich gar nicht so gut gespielt habe. Ich wäre auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen, aber da hatte Spassky wohl Angst um seinen Ruf.“

1976 gewann Hans-Joachim Hecht mit der Schachgesellschaft Solingen den Europacup. Gegen Endspielgegner Moskau stand es unentschieden, ein Entscheidungsspiel endete ebenfalls remis. „Die Beteiligten einigten sich daraufhin, den Titel zu teilen“, erzählt Hecht mit einem Lachen.

Seine schönste Olympiade erlebte Hecht 1986 in Dubai. „Das war wie aus Tausendundeiner Nacht“, schmunzelt er noch heute. Die Scheichs bemühten sich nach Kräften um ihre Gäste. „Wir wurden gehegt und gepflegt wie nirgendwo sonst.“ Weil die Veranstalter auch die Reisekosten der Teilnehmer trugen, war die Olympiade mit Teilnehmern aus mehr als 100 Ländern auch Hechts größte.

Inzwischen spielt er nur noch zum Spaß: „Um mit auf höchstem Niveau mitzuhalten, muss man sich vorbereiten, die Spielzüge des Gegner studieren und seine Vorlieben kennen. Das ist mir inzwischen zu viel. Ich versuche einfach, so gut wie möglich zu spielen.“ Auf den Seniorenpreis schielt er bei den BrainGames dennoch, wie er lachend zugibt. „Bei den Senioren bin ich meist ganz gut dabei. Ich hoffe, ich kann dieses Jahr wieder gewinnen.“ (Christian Masengarb)

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