1860 trauert um „Atom-Otto“

1860 trauert um „Atom-Otto“
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So wird die Bühne aussehen: Bühnenbildner Peter Sommerer und Regisseurin Susanne Frey wollen die „Monstrosität“ des Händel-Oratoriums Jephta darstellen.

Projekt des Brucker Bach-Chors

Monströses Theaterstück erfordert extreme Proben

Fürstenfeldbruck – zwei Jahre Vorlaufzeit. Drei Monate Proben. 130 Musiker. Wenn an Ostern im Brucker Forum der Vorhang für das Händel-Oratorium „Jephta“ des Bach-Chors aufgeht, ist das der Höhepunkt einer intensiven Arbeit.

Seit rund drei Monaten proben die Musiker für die Aufführung. Zuvor haben Regisseurin Susanne Frey und Bühnenbildner Peter Sommerer ein Gestaltungskonzept erarbeitet, das laut Frey die „Monströsität und große Dramatik des Stoffs“ betonen soll. Denn im Stück muss die Hauptfigur Jephta seine Tochter opfern. Die fügt sich ihrem Schicksal. In letzter Sekunde folgt dann die Rettung.

Dabei nimmt der Chor eine zentrale Stellung ein: Beinahe philosophisch sind die Betrachtungsweisen, mit denen die Musiker das Geschehen kommentieren. Wie der musikalische Leiter Gerd Guglhör erzählt, spreche die Musik den Zuhörer dabei unmittelbar an und löse starke Emotionen aus. Das käme nicht nur in den Chorstücken zum Ausdruck: „Die Arien sind so genau gezeichnet. Diese Themen vergisst man nicht.“

Einen besonderen Reiz macht für das Team dabei die szenische Gestaltung aus. Für Solistin Julla von Landsberg ist die Rolle der Iphis eine große Herausforderung – aber auch eine Bereicherung. Sie ist begeistert von der persönlichen Entwicklung des glücklichen Mädchens Iphis zu einer starken Frau, die ihr Schicksal annehmen kann.

Für Guglhör entsteht durch das Zusammenspiel der Charaktere die eindrucksvollste Szene des Oratoriums. Nämlich als der liebende Vater Jephta versteht, dass er sein einziges, fröhliches Kind, Gott opfern muss.

Jephta ist ein Stück der Extreme, wie Maria Hammer meint. Die Musikassistentin findet es eindrucksvoll, wie Händel sich in seinem letzten Oratorium all seiner Möglichkeiten bedient. Der Chor nimmt aktiv am Geschehen teil und bewegt sich auf der Bühne – für die Sänger ist das gar nicht so einfach. Denn wenn die Musiker zum Beispiel mit Plakaten im Takt wedeln, in einem anderen Rhythmus aber währenddessen singen müssen, kann das schon für Verwirrung sorgen. Mittlerweile, so Guglhör, hätten die Sänger diese Bewegungen aber so verinnerlicht, dass sie es zuverlässig umsetzen könnten.

Viel Zeit zum Üben bleibt dem Ensemble auch tatsächlich nicht mehr: In weniger als zwei Wochen stehen die Aufführungen bereits an. In der letzten Probenwoche treffen sich die Mitstreiter deshalb täglich. Dann proben sie bis tief in die Nacht. Doch wie Guglhör verrät, schweißen gerade solche intensiven Zeiten ein Ensemble extrem zusammen. Er sagt: „Das wird zu einer richtigen Bühnensucht.“

Die szenische Aufführung

von „Jephta“ bringt der Bach Chor am Karsamstag, 26. März, 19.30 Uhr, und am Ostersonntag, 27. März, 20 Uhr auf die Bühne im Veranstaltungsforum. 45 Minuten vor Aufführungsbeginn gibt es eine 15-minütige Werkeinführung. Karten sind erhältlich bei München Ticket unter der Telefonnummer (01 80) 54 81 81 81 und beim Kreisboten unter der Nummer (0 81 41) 4 01 64 10. Zusätzlich gibt es eine Abendkasse.

Die Handlung

Das Oratorium von Händel ist nicht gerade leichte Kost. Es geht um Jephta. Um im Krieg den Sieg zu erringen, leistet der Heeresführer einen Schwur: Wenn seine Armee gewinnt, wird er Gott das erste Wesen opfern, das er in seinem Haus antrifft. Als der siegreiche Feldherr nach Hause zurückkehrt, trifft er seine einzige Tochter Iphis an und muss sie – seinem Gelübde gemäß – opfern. Obwohl sie dieses Schicksal annimmt, wird Iphis am Ende verschont – zumindest in Händels Verarbeitung der Geschichte. Im Alten Testament – woraus die Geschichte stammt – wird das barbarische Menschenopfer am Ende vollstreckt. Händel komponierte das Oratorium 1751. Uraufführung war im Royal Opera House.

von Maria-Mercedes Hering

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