Diese Autoreifen haben nichts im Wasser zu suchen. Beim World Cleanup Day haben Susanne Schiffer und Julian Parello mehrere Reifen aus dem Weiher des Bezirksfischereivereins gezogen 
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Diese Autoreifen haben nichts im Wasser zu suchen. Beim World Cleanup Day haben Susanne Schiffer und Julian Parello mehrere Reifen aus dem Weiher des Bezirksfischereivereins gezogen 

Fürstenfeldbruck

Müllsammler fischen Autoreifen aus Weiher

  • VonHans Kürzl
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Autoreifen im Weiher, zerbrochene Gläser und Kartons am Straßenrand: Die Natur wird immer mehr zur Müllhalde. Nun haben rund 40 Bürger im Gebiet der Hasenheide mit vereinten Kräften aufgeräumt – im Rahmen eines weltweiten Ramadamas.

Fürstenfeldbruck – Zweimal hat Julian Parello seinen Wurfhaken in dem Weiher in der Hasenheide ausgeworfen, den der Bezirksfischereiverein betreibt. Zweimal nur, und schon hat Parello einen dicken Fisch an der Angel – in Form eines Autoreifens. Dass das noch steigerungsfähig ist, zeigt sich ein paar Minuten später. Mit etwas Mühe zieht Parello einen Reifen mitsamt Felge aus dem Weiher. Die Glas- und Plastikflaschen wirken da fast schon wie Beiwerk.

Parello ist wie viele Brucker beim World Cleanup Day unterwegs – einem weltweiten Ramadama. Im Vorjahr beteiligten sich insgesamt rund elf Millionen Menschen in über 160 Ländern – in Deutschland waren es über 83 000. Heuer hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) eine gemeinsame Aufräumaktion in der Hasenheide organisiert. Und die zeigt: Müll gibt es genug.

Julian Parello wundert sich, was die Menschen für einen Aufwand betreiben, um Autoreifen und Co. in der Natur zu entsorgen – zumal man sich zum Weiher ein wenig durch die Büsche schlagen muss. „Wenn ich zum Wertstoffhof fahre, ist das locker in ein paar Minuten erledigt“, sagt der Brucker.

Im Vorfeld des World Cleanup Day hat Susanne Schiffler, Jugendleiterin des Bezirksfischereivereins, schon mal Gelände und Weiher gesichtet. „Zehn Reifen liegen da bestimmt herum.“ Die alle herauszufischen, sei keine Aufgabe mehr für Kinder, sondern für kräftige Burschen. Ansonsten sind die Kleinen durchaus willkommen. Rund 40 Personen zählt Sebastian Heiß, beim AWB für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, beim Start gegen 10 Uhr – darunter auch etliche Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln.

„Eigentlich könnte man es auch Ramadama nennen“, sagt Heiß. Der englische Begriff sei dem Bezug zum weltweiten Aktionstag geschuldet. Nach dem coronabedingten Ausfall im Frühjahr sei so eine Säuberungsaktion schon notwendig, sagt Heiß. „Daher haben wir eher kleinteilig in der Hasenheide angefangen.“ Vorstellbar sei so eine Aktion auch am Pucher Meer.

Ausgerüstet mit Leuchtwesten, Sicherheitshandschuhen und Greifwerkzeugen zogen die Müllsammler schließlich los. Selbstverständlich wurde auch auf die geltenden Corona-Regeln geachtet. Für Georg Tscharke, den Vorsitzenden des städtischen Umweltbeirates, machen die zwei Stunden Müllsammeln auf jeden Fall Sinn – egal wie man es nennt. „Hauptsache, dass so etwas überhaupt stattfindet.“

Auch der Bereich in der Hasenheide sei gut gewählt: „Hier besteht in Sachen Umwelt und Sauberkeit eine Problemzone“, sagt Tscharke. Außerdem erinnere die Aufräumaktion daran, „dass wir immer noch zu wenig darauf bedacht sind, Müll von vorn herein zu reduzieren oder zu vermeiden“.

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