Die dritte und die vierte Generation: Theo Hartl hat das Unternehmen an seine Töchter Lisana (l.) und Catalina übergeben. Zutaten beziehen sie soweit möglich mittlerweile aus der Region.	Fotos: Münchner Kindl Senf
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Die dritte und die vierte Generation: Theo Hartl hat das Unternehmen an seine Töchter Lisana (l.) und Catalina übergeben. Zutaten beziehen sie soweit möglich mittlerweile aus der Region.

Fürstenfeldbruck

Münchner Kindl Senf: Pioniere der Bio-Bewegung

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Bio ist für die Firma „Münchner Kindl Senf“ nicht einfach nur ein Trend. Seit mittlerweile 35 Jahren stellt das Brucker Familienunternehmen Bio-Senf her. Auslöser für die Umstellung war eine Katastrophe unfassbaren Ausmaßes: das Reaktorunglück in Tschernobyl.

Fürstenfeldbruck – Es war der 26. April 1986, als sich in der heutigen Ukraine das Reaktorunglück ereignete, unter dem die Region um Tschernobyl bis heute leidet. Theo Hartl hatte da gerade in dritter Generation gemeinsam mit Eberhard König die Senf-Manufaktur seines Vaters Albert übernommen. Theos Frau Katrin war mit Tochter Lisana schwanger. „Die unfassbare Umweltkatastrophe war mitunter der Anlass für Familie Hartl, sich mehr mit Umwelt und Nachhaltigkeit auseinander zu setzen“, sagt Unternehmenssprecherin Aline Pronnet.

Die Ernährung im Hause Hartl wurde komplett auf Bio umgestellt. „Als Theo Hartl dabei zum ersten Mal einen der frühen Bioläden betrat, fiel ihm sofort auf, dass es keinen Bio-Senf gab“, sagt Pronnet. Damit war die Idee geboren, das Senfhandwerk des Vaters auf ökologische Weise weiterzuführen. Der Start einer 35-jährigen Erfolgsgeschichte.

Münchner Kindl Senf: Beginn in der Garage neben dem Wohnhaus

Die begann recht klein: in einer Garage neben dem Wohnhaus. „Das war super“, berichten die Töchter Catalina und Lisana Hartl. „Papa war immer zuhause und es war auch immer etwas los.“ Heute führen Catalina uns Lisana Hartl das Unternehmen bereits in vierter Generation. Damals durften sie schon mithelfen und haben Meerrettichstangen mit dem Gartenschlauch abgespritzt oder Gewürze abgewogen.

Münchner Kindl Senf: Nach und nach finden sich Mitstreiter

Die Umstellung auf Bio benötigte einige Jahre, denn anfangs waren die Rohstoffe nicht aus regionalem ökologischem Anbau verfügbar. Genau darauf legte Theo Hartl jedoch wert: auf den Verzicht auf Gentechnik, Spritzmittel und billige Ökoimporte. Weil für viele Rohstoffe der Lieferant fehlte, wurde Hartl selbst aktiv und produzierte kurzerhand den Bio-Branntweinessig selbst.

Nach und nach fanden sich jedoch Mitstreiter, es entwickelten sich Partnerschaften mit Lieferanten, die zum Teil bis heute bestehen. „Durch die Regionalität unserer Rohstoffe können wir jederzeit zu den Feldern fahren, auf denen der Senf, die Sonnenblumen oder die Zuckerrüben wachsen“, sagt Lisana Hartl.

Münchner Kindl Senf: Voraussetzung für das Siegel

Das Unternehmen Münchner Kindl Senf, das im vergangenen Jahr das 100-jährige Bestehen gefeiert hat, stellt heute ausschließlich Bio-Senf her. Darüber hinaus tragen einige der Produkte inzwischen auch das Bayerische Bio-Siegel, wie Catalina Hartl betont. Das Siegel gibt es nur, wenn alle Zutaten mit landwirtschaftlichem Ursprung in Bayern erzeugt und verarbeitet worden sind. Das ist freilich nicht bei allen Produkten möglich. „Die Feigen für unseren Feigensenf wachsen nun einmal nicht in Bayern“, sagt ein Unternehmenssprecher. Aber auch hier wird darauf geachtet, das ausschließlich Bio-Produkte zum Einsatz kommen.

Und so kann das Unternehmen nur ein Jahr nach dem Firmengeburtstag gleich das nächste Jubiläum feiern, wenn auch nur ein halbrundes 35 Jahre Bio bei Münchner Kindl Senf macht sich übrigens auch auf den bayerischen Feldern bemerkbar. Alleine für die Brucker Firma wird auf 75 Hektar ökologische Landwirtschaft betrieben.

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