Endlich dürfen sie sich gegenseitig wieder den Marsch blasen: Paul Roh (l.), Leiter der Stadtkapelle, und seine Nachwuchsmusiker haben bei der ersten Probe nach dem Lockdown sichtlich Spaß.
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Endlich dürfen sie sich gegenseitig wieder den Marsch blasen: Paul Roh (l.), Leiter der Stadtkapelle, und seine Nachwuchsmusiker haben bei der ersten Probe nach dem Lockdown sichtlich Spaß.

Fürstenfeldbruck

Musiker dürfen wieder gemeinsam proben

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Viele Monate war es wegen Corona recht still geworden um die Stadtkapelle. Jetzt dürfen die Mitglieder dank niedriger Infektionszahlen wieder gemeinsam musizieren. Beim Auftakt zeigt sich die Stadtjugendkapelle besonders motiviert.

Fürstenfeldbruck – Aus den Fenstern im ersten Stock des Hauses 10 im Veranstaltungsforum ertönt Musik – Blasmusik, live gespielt. Nach vielen Monaten ist das wieder erlaubt. Es ist die erste Präsenzprobe der Stadtkapelle nach dem Lockdown. Und alle sind froh, dass sie sich wieder gegenseitig den Marsch blasen können statt nur dem Laptop zu Hause.

Die Juniorbläser, die Stadtjugendkapelle und die Stadtkapelle – sie alle nehmen nacheinander auf den in exakten ausgemessenen, corona-konformen Abständen aufgestellten Stühlen im Probenraum Platz. Die meisten sind überpünktlich da. Auch Sonja Lechner (17) und Tamina Seitz (16) steigen mit Saxophon und Querflöte eine Viertelstunde vor dem Probenstart der Stadtjugendkapelle von ihren Fahrrädern. Sie freuen sich, die Musikerkollegen wiederzusehen und gemeinsam zu üben.

Die Online-Proben der letzten Monate fanden beide „nicht so motivierend“. Und doch hat der Leiter der Stadtkapelle Paul Roh es auf diesem Wege geschafft, seine Musiker zusammenzuhalten. Während des Lockdowns bot er jede Woche digitale Übungsstunden an. Zwei Drittel der Musiker hätten teilgenommen. Der Rest habe abgewinkt – die Leute wollten nach Homeschooling und Homeoffice nicht auch noch ihr Hobby am Bildschirm betreiben.

„Ich kann das schon verstehen“, sagt Roh. Diejenigen, die mitmachten, hätten aber sogar neue Stücke einstudiert. Außerdem veröffentlichten die Jugendlichen Musikvideos auf YouTube – das nächste soll noch diese Woche online gehen. Es ist eine Spaß-Version des Hits „Wellerman“, für den die Stadtjugendkapelle einen eigenen Text geschrieben und witzige Szenen gedreht hat.

Auftritte in Biergärten

Da wird geplattelt, auf einer Regentonne getrommelt und mit Kehrbesen Musik gemacht. Die Videoproduktionen waren für die Jugendlichen auch ein Anreiz, wieder verstärkt ihr Instrument zu üben.

Inzwischen gibt es schon wieder Auftritte in Biergärten, wie Paul Roh erzählt. Er hofft, dass im Juli ein Sommerkonzert auf dem Freigelände des Veranstaltungsforums möglich ist – und dass im Oktober das Jahreskonzert im Stadtsaal stattfinden kann.

Benedikt Trouw, Vorsitzender der Stadtkapelle, ist heilfroh über den engagierten Dirigenten. „Er hat uns durchgezogen. Unsere Musiker haben schon online geprobt, als andere noch überlegten, ob das überhaupt geht.“

Der Vereinschef hat es sich nicht nehmen lassen, an diesem besonderen Abend ebenfalls im Haus 10 vorbeizuschauen, um die Stadtjugendkapelle zu begrüßen. „So viele Musiker auf einem Haufen habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen.“ Austritte habe es während der Zwangspause nicht gegeben, erzählt Trouw. Es seien sogar neue Fördermitglieder eingetreten, um den Verein in der Zeit ohne Einnahmen finanziell zu unterstützen.

Paul Roh glaubt allerdings, dass er ein paar Musiker verlieren wird – diejenigen, zu denen während des Lockdowns der Kontakt abgerissen ist. Manche hätten sich anderen Hobbys zugewandt und das Musizieren vielleicht nicht allzu sehr vermisst. „Der Schritt zum Aufhören ist dann leichter.“

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