Öffentlicher Personennahverkehr

MVV-Reform: emotionaleDebatte im Kreistag

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Vor der Zustimmung zur geplanten MVV-Tarifreform ist es im Kreistag zu einer längeren emotionalen Debatte gekommen. Martin Runge (Grüne), der die Reform mit deutlichen Worten kritisierte, musste sich selbst einige Kritik anhören.

Runge betreibe nur Werbung in eigener Sache und verhalte sich rein destruktiv, fand etwa Peter Falk (SPD). Er strich die Vorteile der Reform heraus. Auch die Grünen-Fraktion im Kreistag, so war er überzeugt, würde zustimmen, wäre sie nicht von Runge zum Contra überredet worden. Die Grünen bestritten das in Zwischenrufen massiv. Für die Masse der Fahrgäste werde die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch die Reform im nächsten Jahr billiger, sagte Falk.

„Ich freue mich, wenn die Landtagswahl vorbei ist“, hielt Andreas Magg (SPD) dem Stimmkreis-Ost-Kandidaten Runge entgegen. Er fühle sich von dessen Worten nicht gerade sachgemäß beglückt. Magg betonte: „Ich habe Vertrauen in die Fachverwaltung hier.“ Michael Schrodi (SPD) erkannte in der Kritik des Gröbenzeller Kreisrats einen „leider typischen Runge“ mit dem Versuch, zu skandalisieren.

Runge hatte die MVV-Reform als „Murks“ bezeichnet und als „Gschmarri vom MVV“. Den Verantwortlichen unterstellte er wissentlich unredliches Handeln. Runge warnte vor deutlichen Preissteigerungen (bis zu 87 Prozent) bei allen Zeitkarten und „Chaos pur“. Die Rechnung des MVV, wonach nur sehr wenige Fahrgäste mehr zahlen müssten als bisher, stellte er in Frage. Den Berechnungen lägen keine realen Fahrgastzahlen zugrunde. Gerade die Fahrgäste im münchennahen Landkreis Fürstenfeldbruck zählten zu den Verlierern der Reform, sagte Runge, dessen Fraktion am Ende freilich deutlich unterlag.

Das Ergebnis lautete 47:12 Stimmen, dafür waren vor allem CSU, SPD und weite Teile der FW. Landrat Thomas Karmasin sprach von der Reform als einer „unendlichen Herkulesarbeit in vielen Jahren der Beratung“. Dass es einige Verlierer geben werde, sei unstrittig, die große Mehrheit werde aber günstiger wegkommen. Außerdem werde das komplizierte Ringsystem vereinfacht. Nachverhandlungen schloss er aus. Es gebe nur zwei Alternativen: Zustimmen oder Ablehnen. Peter Falk führte auch ins Feld, dass die Alternative zur Reform nur ein Weiter-So wie bisher mit einer linearen Tariferhöhung im Herbst sei.

Norbert Specht vom MVV bezeichnete die Reform als ausgewogenen Kompromiss zwischen Stadt und Land. Die bisher teils üblichen 100 Prozent umfassenden Preissprünge zwischen Ringen werde es nicht mehr geben. Der Entfernungstarif bleibe weiter das Ziel. Bisher sei dessen Einführung an technischen Voraussetzungen gescheitert. Bald werde es einen Pilotversuch (smartphonebasiert) geben. Die Vision: Man meldet sich beim Einsteigen an, beim Aussteigen ab und der Rechner zieht im Hintergrund den automatisch festgestellten Entfernungspreis ein. Specht: „Soviel Innovation wie jetzt gab es seit zehn Jahren nicht beim MVV.“

Johann Thurner (FW) begrüßte die Reform, betonte aber auch, dass Pendler aus den sehr münchennahen Orten stärker als andere belastet werden. Er erwartet, dass die Betroffenen künftig mit dem Auto so weit fahren, bis sie in der Flatrate-Zone M sind. Das solle die Stadt München bedenken. Runge prophezeite: Der große Aufschrei werde nächstes Jahr kommen, wenn den Leuten die Preissteigerungen wirklich bewusst würden. 

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