Nahverkehr

MVV-Tarifreform: Grüne wollen Nachbesserung

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Die geplante MVV-Tarifreform gerät in die Kritik. Martin Runge (Grüne) sieht große Preissprünge auf Landkreis-Bürger zukommen. Er verlangt: Der Kreistag darf nicht zustimmen.

Fürstenfeldbruck – Der vorliegende Entwurf sei gründlich misslungen, sagt der Landtagsabgeordnete Runge. Für einen „nicht geringen Teil“ der Fahrgäste aus dem Landkreis werde die Reform, die im nächsten Jahr in Kraft treten soll, immense Preissteigerungen mit sich bringen. „Wir sagen daher klar Nein.“

Im Kern der Kritik Runges stehen die Folgen der geplanten M-Zone, die die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Landeshauptstadt billiger und damit attraktiver machen soll. Problem: In den Randzonen knapp außerhalb Münchens kommt es in diesem Zusammenhang zu den genannten Preiserhöhungen. Runge: „Die Landräte haben sich von der Landeshauptstadt über den Tisch ziehen lassen.“

Der Abgeordnete und Kreisrat aus Gröbenzell rechnet vor: Kostete eine Wochenkarte von Germering (Unterpfaffenhofen), Gröbenzell oder Puchheim bis Pasing bisher 15.40 Euro, so würde sie nach der Reform (M+1) 28,70 Euro kosten (plus 86 Prozent) – wobei damit natürlich auch alle weiteren Fahrten innerhalb der Landeshauptstadt abgedeckt wären. Ebenfalls heftig seien die Preissteigerungen in der Zone M+2, etwa von Fürstenfeldbruck, Esting oder Gernlinden nach Pasing.

Die MVV-Wochenkarte würde statt bisher 22,10 Euro 38 Euro kosten (plus 72 Prozent), so Runge weiter. Ähnliche Steigerungen gebe es im Ausbildungstarif und im Tarif für Jugendliche genau wie bei der Isarcard 60, wobei hier zeitliche Beschränkungen wegfallen sollen. Er selbst habe die immensen Steigerungen beim Ausrechnen erst nicht glauben wollen, sagte Runge.

Am neuen Sozialticket kritisiert Runge, dass es nur in Form eines Monatstickets eingeführt werden soll. Für Menschen mit engem Budget seien Ermäßigungen bei Tageskarten, Streifenkarten oder Einzelfahrscheinen sinnvoller. Er betont freilich auch, dass Fahrten innerhalb des Landkreises tatsächlich in der Regel billiger würden, was gerade den Bussen zugute kommen werde, fordert aber trotzdem: Es darf nicht zugestimmt werden, der Kreistag muss nachverhandeln.

Hermann Seifert, Experte für den Nahverkehr im Landkreis, verteidigt die Reform. Er betont, dass von den genannten Preissteigerungen nur sehr wenige Fahrgäste betroffen seien. Er beruft sich dabei auf Zahlen aus der Verkehrsforschung. Er nennt als Beispiel: Von den 47 Prozent der Zeitkarten-Fahrer kämen nur 0,54 Prozent aus den aktuell geltenden Ringenzonen 4 und 5. Man dürfe nicht vergessen, dass Weiterfahrten in München in den neuen Preisen enthalten seien. Die Kernzone M habe die Stadt München unbedingt gewollt, erzählt er aus den Verhandlungen zur Reform, die im Übrigen ein Zwischenschritt hin zum Entfernungstarif sei. Beim Sozialticket könne man nachbessern, wobei der Verwaltungsaufwand zu beachten sei, sagt Seifert.

Der Brucker Kreistag muss am Donnerstag abstimmen. Die Gremien in Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg haben bereits zugestimmt, Widerstand dagegen formiert sich im Landkreis München. Problem hier: Einige Orte sind in die M-Zone gerutscht. Andere nicht.

Der Brucker Kreistag

kommt am Donnerstag um 15 Uhr im Landratsamt zusammen. Die Sitzung ist öffentlich. Zu Beginn können Zuhörer Fragen stellen.

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