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Ein eingespieltes Team hört zum Ende des Jahres im Ameisenstüberl auf (v.l.): Ober Michael Weiss, Köchin Maria Holzmeier sowie das Wirts-Paar Ivanka und Toni Vulakovic. 

Wirt hört auf

Nach 20 Jahren im Ameisenstüberl ist Schluss

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Wohl kaum einer hat mehr Kneipen in Bruck geführt als Toni Vulakovic. 45 Jahre lang war der gebürtige Kroate Wirt in der Kreisstadt. Zum Jahresende ist aber definitiv Schluss für den 77-Jährigen. Nach 20 Jahren gibt er das Ameisenstüberl auf.

Fürstenfeldbruck – „Es ist genug“, sagt Toni, der sich nach einer schweren Erkrankung gut erholt hat, und blickt seine Ivanka an. „Ich möchte auch noch ein bisschen was vom Leben haben.“ Mit ihr ist er seit zwei Jahren zusammen. Sie stammt wie Toni aus Kroatien und arbeitet als Krankenschwester in Fürstenfeldbruck.

„Eigentlich war ich mit Leib und Seele Gastwirt“, blickt der gelernte Maschinenbautechniker auf ereignisreiche Jahre zurück. Im Juli feierte Vulakovic, den in Fürstenfeldbruck alle nur unter seinem Vornamen Toni kennen, sein 20-jähriges Jubiläum als Wirt des Ameisenstüberls, der öffentlichen Vereinsgaststätte der Kleingartler an der Amper.

Erste Gaststätte in Allach

Als er 1968 in Deutschland ankam, landete er zunächst in Augsburg und fand Arbeit bei Kraus-Maffei und MAN. Mittlerweile hat er ein kleines Häuschen in der Kreisstadt. Bei der Arbeit lernte er auch seine zweite Frau Ludmilla kennen, mit der er bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 2011 38 Jahre lang verheiratet war. Zur Gastronomie ist er über die Cousine seiner Frau gekommen. Inzwischen nach München umgezogen, übernahm das jung verheiratete Paar in Allach gemeinsam eine erste Gaststätte.

Die Kupferkanne in Fürstenfeldbruck

Bevor sich die beiden dann in Bruck mit der „Kupferkanne“, die sie 17 Jahre lang gemeinsam bewirtschafteten, einen Namen machten, hatten sie in Feldmoching zwei Jahre lang noch ein Lokal geführt. Aus den anschließenden sieben Jahren als Wirt der Vereinsgaststätte des SC Fürstenfeldbruck könnte er viel aus dem Nähkästchen des SCF plaudern, meinte Toni. „Doch als guter Gastwirt musst du vieles für dich behalten“, lächelt er vielsagend.

Dann Wechsel ins Ameisenstüberl

Schließlich wechselte er vom SCF-Vereinsheim in das nur einen Steinwurf entfernte, idyllisch an der Amper mit einem prächtigen Biergarten gelegene Ameisenstüberl. Dass es dann noch einmal aufregend werden würde das hätte der Toni nicht in den kühnsten Träumen erwartet.

Kaum war 2010 das Rauchverbot ausgesprochen, hängte ihn jemand anonym bei den Behörden hin. „Ich bin ganz einfach verpfiffen worden“, schimpfte Toni damals und zahlte zähneknirschend das Bußgeld von 223,45 Euro ans Landratsamt.

Verwirrung um Open-Air-Party

Viel Verwirrung und Aufregung gab es auch 2015, als Event-Manager „CisCis“, alias Christian Böck, eine Open-Air-Party auf dem Gelände mit mehreren hundert Gästen veranstalten wollte, ohne sich vorher die städtische Genehmigung einzuholen. Nachdem auch der Vorstand der Kleingartler vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, platzte die Veranstaltung und Böck wollte seine Unkosten von Vulakovic einklagen.

Trotz allem blickt Toni Vulakovic wohlwollend und zufrieden zurück. „Bruck ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. Ich habe hier viele Freunde und fühle mich sehr wohl.“ In seine kroatische Heimat nach Karlovac wird er natürlich hin und wieder fahren, denn dort lebt die Familie seiner Tochter.

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