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Überraschende Zahlen präsentierte Verkehrsplaner Michael Kunz.

Mobilität

Nach der Befragung: So steht es um den Verkehr in Bruck

Fürstenfeldbruck will seine Verkehrsprobleme anpacken. Dazu gab es heuer eine Verkehrsbefragung. Die Ergebnisse wurden jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Einige Zahlen überraschten auch die Fachleute

Fürstenfeldbruck – Einen wie Thomas Brückner kann in Sachen Verkehr so schnell eigentlich nichts überraschen. Zu lange beschäftigt er sich im Verkehrsforum mit dem Thema. Und doch ist er erstaunt darüber, wie viele Autobewegungen es täglich in der knapp 38  000 Einwohner großen Kreisstadt gibt. „Rechnerisch ist jeder Brucker einmal am Tag mit dem Auto unterwegs.“ So kommentiert Brückner Zahlen, die zuvor Verkehrsplaner Michael Kunz einer knappen Hundertschaft Zuhörer im Säulensaal des Veranstaltungsforums präsentiert hat.

Fahrbewegungen

Allein 19 000 Fahrbewegungen verzeichnet die Hauptstraße, ein Viertel davon entfällt auf den reinen Durchgangsverkehr. Zahlen, die seit knapp zehn Jahren laut Kunz einigermaßen stabil sind. Noch dichter geht es in der Buchenau zu. Über 30 000 Fahrten finden dort am Tag statt. „Gibt es da Hotspots?“ Einer der Zuhörer will wissen, ob es etwa an Einkaufszentren oder Schulen besonders eng zugeht. Derartige Details seien nicht Auftrag der Studie gewesen, so Kunz. Bei Bedarf könne man das aber feststellen.

Doch fließender Verkehr benötigt auch Parkraum. Da hat Kunz festgestellt, dass der Parkdruck nicht nur in der Innenstadt hoch ist, sondern auch um das Viscardi-Gymnasium und die angrenzenden Wohngebiete und Industrieansiedlungen.

Stark frequentiert sind darüber hinaus die Wege in die Nachbarkommunen. Rund 75 Prozent aller Bewegungen, die von Bruck aus etwa nach Emmering oder Maisach führen, werden mit dem Auto unternommen. „Da ist noch reichlich Potential da, den Verkehr zu entlasten“, sagt Kunz.

„Ziehen neue Straßen mehr Verkehr an?“ war eine weitere Frage aus dem Plenum. Verneinen wollte das Kunz nicht. Und Brückner stellt zu diesem Thema fest: „Man sieht also, dass eine Umfahrung nicht das Allheilmittel ist.“ Da könne man in der Stadt und bei den Bürgern noch so aufgeregt diskutieren.

Radwegenetz

Dass die Studie beim Radwegenetz ebenfalls noch bedeutend Luft nach oben sieht, überrascht kaum einen in der Zuhörerschaft. Auf vielen Strecken im Innenstadtbereich weist eine Grafik aus, dass es dort keine Radinfrastruktur gibt. Ein paar Abschnitte gibt es mit Schutzstreifen, Radwege mit Benutzungspflicht gibt es eher in den Außenbereichen.

Nahverkehr

Beim Nahverkehr stellt Kunz der Großen Kreisstadt ein insgesamt gutes Zeugnis aus und spricht von einem „attraktiven Angebot“. Im Schnitt etwa alle 15 Minuten stünde im Stadtgebiet ein Bus zur Verfügung. Einige Zuhörer kritisierten, dass die Situation in den Abendstunden oder am Wochenende nicht ganz so entspannt sei.

Kritikpunkte

Die Präsentation der Ergebnisse machte deutlich, dass auch solche Erhebungen an Grenzen stoßen oder an Formalien gebunden sind. So ist laut Kunz gesetzlich vorgeschrieben, dass solche Befragungen nur zwischen den Monaten März und Oktober stattfinden können. Auch die Befragung von Autofahrern hat ihre Limitierungen. „Da muss es schnell gehen, da kann man nicht so ins Detail gehen“, so Kunz zu den Befragungen. Sonst verursache man in der Hauptstraße noch mehr Stau als sowieso herrsche.

So geht es weiter

Der erste Workshop diente laut Montserrat Miramontes von der Verkehrsplanung der Stadt dem „Sammeln von Ideen und Visionen“. Im März oder April 2020 folgt ein zweiter Workshop, in dem Strategien entwickelt werden sollen. Im abschließenden dritten Workshop am 22. September 2020, der im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche stattfindet, geht es schließlich um die Maßnahmen.

Auch interessant: Die B2 - die zentrale Verkehrsachse im Landkreis FFB.

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